Der Abtastradius ist etwas größer als beim MicroRidge, da dies aufgrund der größeren Kontaktfläche zur Verbesserung der Haltbarkeit des Diamanten beiträgt. Dank dieses Abtastradiuses tastet der Vertex-Diamant in den Innenrillen bis zu 32 Kilohertz ab, was für die stereophone Wiedergabe mehr als ausreichend ist. Der neue Schliff ermöglicht dank seiner langen Kontaktfläche das Abtasten tieferer Rillenregionen. Dies ist ein großer Vorteil bei der Wiedergabe gebrauchter Schallplatten. Am deutlichsten macht sich dies bei den höheren Frequenzen bemerkbar, wo der Verschleiß der Schallplatte am schnellsten voranschreitet. Die Verbindung zwischen Abtast-Diamant und Diamant-Nadelträger wird mittels eines Laserschneidverfahrens mit extrem engen Toleranzen hergestellt, was eine präzise Ausrichtung und Wiederholgenauigkeit gewährleistet. Dadurch sitzt die Nadel in einer engen, mikroskopisch kleinen Bohrung im Nadelträger, was eine extrem hohe Steifigkeit und eine nahezu perfekte Verbindung zwischen den beiden Teilen gewährleistet.“

Auch ohne den Hinweis, dass der spezielle Nadel-Schliff tieferliegende Bereiche der Rille abtastet, die bisher vom Verschleiß verschont blieben, fällt schon in der Einspielphase auf, dass beim MC Vertex das Laufgeräusch in der Rille sehr niedrig ist. Das mag auch damit zu tun haben, dass die Oberfläche des Diamanten – wie in der Produktinformation nachzulesen ist – per Laser poliert wurde. Nicht nur zum Sammeln von Betriebsstunden habe ich das Vertex in ein Ortofon-LH-9000-Headshell montiert und dieses mit dem firmeneigenen AS-309R verbunden. Da spielt nicht nur zusammen, was beim Hersteller gewiss miteinander entwickelt wurde, sondern darüber hinaus habe ich dem Tonarm auch schon bei unserer Begegnung ein hervorragendes Preis/Klang-Verhältnis attestiert – und auch beim Zusammenspiel mit dem MC-Diamond erwies sich der AS-309R als adäquater Spielpartner.

Anders als üblich habe ich mir nicht gleich mit Art Farmer und Jim Halls Big Blues einen ersten Eindruck von den Fähigkeiten des neuen Tonabnehmers verschafft, sondern dem Vertex rund 20 Stunden Einspielzeit gewährt, in denen die Lautstärke gerade mal leicht über der Wahrnehmungsgrenze lag. Mindestens ebenso lange habe ich abends mit Genuss die Neuerwerbungen aus den Plattenläden in Erlangen und Augsburg gehört. Weitere Betriebsstunden sammelte der Abtaster, als der Kollege Thomas Heinemann vor seinem Urlaub mit einigen seiner Lieblingstücke in Erfahrung bringen wollte, was das MC Vertex auch im noch nicht völlig eingespielten Zustand klanglich zu leisten in der Lage ist. Vor den üblichen Test-Scheiben habe ich dann Deep Purples neues Album Splat! gehört – schließlich hat ihr Made In Japan Leif Johannsens Interesse an Hifi geweckt, wie er bei der Vorstellung des Verismo verriet. Das MC Vertex tastet die hohen Pegel der mit 45 Umdrehungen rotierenden LP souverän ab. Schon der erste Song, „Arrogant Boy“ macht richtig Spaß: Ian Gillans Stimme klingt alterslos, die Band legt ein halsbrecherisches Tempo vor, aus den Boxen strömt jede Menge Tieftonenergie. Trotz des enorm dichten Arrangements wirkt der Studiosound des Songs nicht überladen – der feinen Differenzierung des Ortofons sei Dank.
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