Im Auslieferungszustand begeistert mich der Sound der Tonalite offengestanden nicht besonders. Der Detailgrad der Wiedergabe ist zwar gut, die Bühne dabei aber eher klein und eindimensional, sowohl in ihrer Breite, besonders in ihrer Tiefe. Der Präsenzbereich rund um 2 Kilohertz, insbesondere oberhalb fällt für meinen Geschmack etwas zu forsch aus. Es fehlt mir einfach ein bisschen Entspanntheit im Sound, obwohl ich sonst eher Typ Etymotic ER4SR bin. Bei Manu Katchés „Keep On Trippin‘“ vom Album Third Round kommt das Gefühl von unbeschwertem, geschmeidigem Groove nicht gänzlich auf, obwohl die Bassline gut dosiert daherkommt. Das Saxophon klingt etwas zu metallisch, wenig organisch und fast gänzlich ohne diese sonst übliche schmeichelhafte Wärme. Mir fällt auf, dass ich bereits durchaus „audiophile Maßstäbe“ anlege. Im Hinterkopf habe ich meine Vision Ears VE7, die selbst zwar noch etwas Luft zu absolutem High-End lassen, aber bereits als Referenz angesehen werden dürfen. Im Vergleich zu dem typischen „Hauptsache Bass“ Sound vieler Wireless-In-Ears, der zudem meist andere Frequenzbereiche verdeckt, zeichnen die Tonalite ein eher neutrales, ausgewogenes Bild.

Höre ich Borknagars „Lights“ vom Album True North: Losgelöst von einem frühzeitigen Vergleich, zeigen die Tonalite insgesamt, dass sie jeden Frequenzbereich grundsätzlich beherrschen. Trotz tendenziell eher neutral abgestimmtem Bassbereich lässt sich deutlich feststellen, dass er bis in den Frequenzkeller reicht. Die Bass Drum gerät klingt organisch mit gutem Körper. Im Mitteltonbereich ist für meinen Geschmack insgesamt ohnehin etwas zu viel als zu wenig Pegel vorhanden. Stimmen werden dementsprechend gut durchgezeichnet und detailreich wiedergegeben. Durch den eher präsenten Mittenbereich gerät die Balance zum Hochton jedoch etwas aus dem Gleichgewicht. Die leicht schneidend gemischten Gitarren müssen im oberen Mittenspektrum mit den Becken konkurrieren. Letzteren fehlt es ein wenig an Glanz im oberen Frequenzbereich. Hier scheint der dynamische Treiber von der Physik eingeholt zu werden. Eigentlich sind alle Voraussetzungen für eine gelungene Wiedergabe vorhanden. Dennoch kommt im Song „Lights“ einfach keine Stimmung auf, die Tonalite schaffen es nach wie vor nicht, mit einem spezifischen Charakter oder einer besonderen Fähigkeit zu begeistern. Ich kann zwar alle Instrumente gut isoliert voneinander hören, aber trotzdem bleiben sie eher undefiniert und spannungslos.

DTAS soll genau hierfür Abhilfe schaffe und aus einem „generischen“ In-Ear ein individualisiertes Hörerlebnis machen. Den Scanprozess hatte ich bereits auf der High End durchlaufen und konnte ihn so zu Hause recht schnell durchführen. Samt Vorbereiten des Stirnbandes mit QR-Markern zur Bestimmung absoluter Positionen und Größenrelationen und Verfeinern der Timbre-Koeffizienten in einem zusätzlichen Schritt, ist mein Profil nach etwa 20 Minuten einsatzbereit. „Lights“ verändert sich dadurch fundamental. Etwas, was ich bereits beim Erstkontakt mit dieser Technologie und den ZE8000 JDH erlebte, nehme ich wieder vor allem anderen wahr: Die Instrumente werden aus ihrer Eindimensionalität herausgelöst, positionieren sich klarer auf der Stereobreite und vor allem überhaupt erst in einer wirklich wahrnehmbaren virtuellen Bühnentiefe. Aus einer eindimensionalen linienhaften Bühne wird eine im Halbkreis aufgespannte Positionierung der Instrumente. Aus fast beliebigen Instrumenten werden charakterstarke Bestandteile der Komposition, mit einem klaren Kern, einer definierten Ausdehnung. Es ist doch recht verblüffend, wie die spezifischen akustischen Eigenschaften jedes Instruments stärker hervorgehoben werden, ohne dass sich die Frequenzbereiche der verschiedenen Instrumente gegenseitig stören oder überlagern würden. Gerade im Chorus entsteht um die Stimme herum viel mehr Raum, die Gitarren rücken insgesamt etwas näher an mich heran, alle Bestandteile des Schlagzeugs werden viel greifbarer. Die bemängelte Konkurrenz zwischen Becken und Gitarren wird aufgelöst indem paradoxerweise beide Instrumente mehr Körper in ihren jeweiligen Grundtonfrequenzen erhalten. Der Biss der Gitarre wird etwas gemildert und dem Treiber wird doch noch etwas mehr Energie im oberen Frequenzbereich entlockt.
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