tests/26-09-25_final
 

Final Tonalite

25.09.2026 // Finn Corvin Gallowsky

Im Auslieferungszustand begeistert mich der Sound der Tonalite offengestanden nicht besonders. Der Detailgrad der Wiedergabe ist zwar gut, die Bühne dabei aber eher klein und eindimensional, sowohl in ihrer Breite, besonders in ihrer Tiefe. Der Präsenzbereich rund um 2 Kilohertz, insbesondere oberhalb fällt für meinen Geschmack etwas zu forsch aus. Es fehlt mir einfach ein bisschen Entspanntheit im Sound, obwohl ich sonst eher Typ Etymotic ER4SR bin. Bei Manu Katchés „Keep On Trippin‘“ vom Album Third Round kommt das Gefühl von unbeschwertem, geschmeidigem Groove nicht gänzlich auf, obwohl die Bassline gut dosiert daherkommt. Das Saxophon klingt etwas zu metallisch, wenig organisch und fast gänzlich ohne diese sonst übliche schmeichelhafte Wärme. Mir fällt auf, dass ich bereits durchaus „audiophile Maßstäbe“ anlege. Im Hinterkopf habe ich meine Vision Ears VE7, die selbst zwar noch etwas Luft zu absolutem High-End lassen, aber bereits als Referenz angesehen werden dürfen. Im Vergleich zu dem typischen „Hauptsache Bass“ Sound vieler Wireless-In-Ears, der zudem meist andere Frequenzbereiche verdeckt, zeichnen die Tonalite ein eher neutrales, ausgewogenes Bild.

Das Case der Tonalite beherrscht induktives Laden
Das Case der Tonalite beherrscht induktives Laden

Höre ich Borknagars „Lights“ vom Album True North: Losgelöst von einem frühzeitigen Vergleich, zeigen die Tonalite insgesamt, dass sie jeden Frequenzbereich grundsätzlich beherrschen. Trotz tendenziell eher neutral abgestimmtem Bassbereich lässt sich deutlich feststellen, dass er bis in den Frequenzkeller reicht. Die Bass Drum gerät klingt organisch mit gutem Körper. Im Mitteltonbereich ist für meinen Geschmack insgesamt ohnehin etwas zu viel als zu wenig Pegel vorhanden. Stimmen werden dementsprechend gut durchgezeichnet und detailreich wiedergegeben. Durch den eher präsenten Mittenbereich gerät die Balance zum Hochton jedoch etwas aus dem Gleichgewicht. Die leicht schneidend gemischten Gitarren müssen im oberen Mittenspektrum mit den Becken konkurrieren. Letzteren fehlt es ein wenig an Glanz im oberen Frequenzbereich. Hier scheint der dynamische Treiber von der Physik eingeholt zu werden. Eigentlich sind alle Voraussetzungen für eine gelungene Wiedergabe vorhanden. Dennoch kommt im Song „Lights“ einfach keine Stimmung auf, die Tonalite schaffen es nach wie vor nicht, mit einem spezifischen Charakter oder einer besonderen Fähigkeit zu begeistern. Ich kann zwar alle Instrumente gut isoliert voneinander hören, aber trotzdem bleiben sie eher undefiniert und spannungslos.

Der Autor machte auf der High End dieses Jahres bereits Kontakt mit den Tonalite. Hier erstellt er mittels der Finalite App Fotos seiner Ohren für die Berechnung eines individuellen Timbre-Koeffizients
Der Autor machte auf der High End dieses Jahres bereits Kontakt mit den Tonalite. Hier erstellt er mittels der Finalite App Fotos seiner Ohren für die Berechnung eines individuellen Timbre-Koeffizients

DTAS soll genau hierfür Abhilfe schaffe und aus einem „generischen“ In-Ear ein individualisiertes Hörerlebnis machen. Den Scanprozess hatte ich bereits auf der High End durchlaufen und konnte ihn so zu Hause recht schnell durchführen. Samt Vorbereiten des Stirnbandes mit QR-Markern zur Bestimmung absoluter Positionen und Größenrelationen und Verfeinern der Timbre-Koeffizienten in einem zusätzlichen Schritt, ist mein Profil nach etwa 20 Minuten einsatzbereit. „Lights“ verändert sich dadurch fundamental. Etwas, was ich bereits beim Erstkontakt mit dieser Technologie und den ZE8000 JDH erlebte, nehme ich wieder vor allem anderen wahr: Die Instrumente werden aus ihrer Eindimensionalität herausgelöst, positionieren sich klarer auf der Stereobreite und vor allem überhaupt erst in einer wirklich wahrnehmbaren virtuellen Bühnentiefe. Aus einer eindimensionalen linienhaften Bühne wird eine im Halbkreis aufgespannte Positionierung der Instrumente. Aus fast beliebigen Instrumenten werden charakterstarke Bestandteile der Komposition, mit einem klaren Kern, einer definierten Ausdehnung. Es ist doch recht verblüffend, wie die spezifischen akustischen Eigenschaften jedes Instruments stärker hervorgehoben werden, ohne dass sich die Frequenzbereiche der verschiedenen Instrumente gegenseitig stören oder überlagern würden. Gerade im Chorus entsteht um die Stimme herum viel mehr Raum, die Gitarren rücken insgesamt etwas näher an mich heran, alle Bestandteile des Schlagzeugs werden viel greifbarer. Die bemängelte Konkurrenz zwischen Becken und Gitarren wird aufgelöst indem paradoxerweise beide Instrumente mehr Körper in ihren jeweiligen Grundtonfrequenzen erhalten. Der Biss der Gitarre wird etwas gemildert und dem Treiber wird doch noch etwas mehr Energie im oberen Frequenzbereich entlockt.


  • Ferrum BROEN

    Auf der High End 2025 ließ man bei Ferrum durchblicken, dass an einem Streamer gearbeitet wird. Die Ferrum Streaming Control Technology, mit der die Musikwiedergabe mittels der Fernbedienung Ferrums DAC WANDLA steuerbar ist, war bereits eine Vorbereitung auf den Streamer und das Schaffen eines gesamten Ferrum-Ökosystems. Im Oktober 2025, wenige Monate nach der High End letzten Jahres waren auf der Audio Video Show in Warschau dann bereits erste BROEN Vorserienmodelle in Betrieb. Auf der diesjährige…
    06.10.2026
  • Linear Tube Audio Century

    Century heißen die Röhren-Mono-Endverstärker von Linear Tube Audio, die ohne Ausgangsübertrager auskommen und sich dennoch grundlegend von anderen OTL-Konzepten unterscheiden. Wir haben uns intensiv damit beschäftigt, was die patentierte ZOTL-Technologie des Entwicklers so besonders macht und wie sie sich klanglich auswirkt. Für diesen Test haben Dirk Sommer und ich uns eine Arbeitsteilung vorgenommen, bei der ich (Carsten Bussler) mich auf die Technik der Century-Monos sowie die Hintergründe zu Linear Tube Audio und die Zusammenarbeit mit…
    29.09.2026
  • Ortofon MC Vertex

    Die bisherigen Topmodelle von Ortofon, das Anna, das Anna Diamond und das Diamond, ähnelten einander auch optisch stark. Das Vertex macht schon durch sein Erscheinungsbild klar, dass es anders ist. Es ist der erste Tonabnehmer mit einem Diamanten mit Vertex-Schliff. Soweit mir bekannt, ist das der erste neue Nadelschliff seit rund 40 Jahren. Aber das ist nicht die einzige Veränderung gegenüber dem MC Diamond: Der Generator des Vertex besitzt einen deutlich höheren Innenwiderstand, die Nadelnachgiebigkeit…
    15.09.2026
  • Phonar Veritas M4.2 SE

    Es hat mir bislang stets Vergnügen bereitet, mich mit Phonar Lautsprechern zu beschäftigen. Nach einem Test kaufte ich die Veritas 9.2 SE und genieße seitdem ihre Musikalität. Phonar überzeugte immer wieder mit einem außergewöhnlich attraktiven Preis-Klang-Verhältnis. Bestätigt die neue, kompakte Phonar Veritas M4.2 SE diese Erfahrungen? Mein eindrucksvollstes Phonar-Erlebnis hatte ich vor zwei Jahren mit der Standbox Veritas p4.2 Next, die aktuell für einen Paarpreis von 2400 Euro auf der Phonar-Website zu sehen ist. Genau…
    08.09.2026
  • Ayon Iris Signature Streamer

    Auf der High End Vienna haben Dirk Sommer und ich den Ayon Iris erstmals entdeckt – nun steht der außergewöhnliche Streaming-Player bei uns bereits zum Test. So frisch ist der Iris, dass selbst die Roon-Zertifizierung zum Testzeitpunkt noch läuft. Brandneu, doch der Iris kommt keineswegs aus dem Nichts: Wer die Entwicklung der digitalen Ayon-Komponenten verfolgt hat, erkennt eine kontinuierliche Beschäftigung mit dem Thema Streaming. Auch wir konnten diesen Weg begleiten – nach dem S3 und…
    01.09.2026
  • Sumiko Starling

    Mein letzter Test eines Tonabnehmersystems befasste sich mit dem Sumiko Oriole. Nun drehen sich für diesen Test meine Schallplatten unter dem Sumiko Starling, dem teuersten System aus der Sumiko Referenz Serie. Nachdem ich überaus positiv überrascht vom Test des Oriole war und dies Peter Laitenberger vom deutschen ATR Vertrieb mitteilte, empfahl mir dieser mir doch einmal das Sumiko Starling anzuhören. Gesagt, getan und bereits wenige Tage später kam das kleine Päckchen mit dem Starling zu…
    28.08.2026

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.