
Im nächsten Stück auf dem Album, „Wild Father’s Heart“, setzt sich der Trend fort. Gleich das Intro wirkt ohne das personalisierte Timbre seltsam farblos und beliebig. Mit aktiviertem DTAS wird das Zusammenspiel aus Gitarre und Streichern überhaupt erst einfühlsam und ausdrucksstark. Die stark von nordischer Spielweise geprägten Streicher entfalten ihre feinen melancholischen Zwischentöne. Während Cello und Violine gerade im für meinen Geschmack viel zu kurz geratenen sanften Outro des Stücks ohne Timbre-Anpassung synthetisch wirken, bringt DTAS echte akustische Instrumente zum Vorschein und vermittelt einen Eindruck von dem Zusammenspiel aus Korpus, Saiten und Bogen und deren Materialien Holz, Stahl und Rosshaar. In diesem Fall ist das Herausstellen der klanglichen Schönheit der Instrumente bedeutsamer und prägt die Wiedergabe stärker als die Verbesserung der Lokalisation. Dennoch hatte mich bereits beim ZE8000 diese Gleichzeitigkeit von Veränderungen in der räumlichen Instrumentenwahrnehmung mit dem Gefühl von einfach richtigem, authentischen Klangcharakter aka Timbre fasziniert, und ich bin froh, dass diese Verschmelzung auch beim Tonalite vorherrscht. Die Verbesserung der Räumlichkeit fällt mit den Tonalite sogar noch einen Hauch größer aus, obwohl das gar nicht das erklärte Ziel von Finals Ingenieuren ist. In Sachen Timbre klingt der angepasste ZE8000 JDH noch einmal etwas mehr nach „nach Hause kommen“. Im Hochton bleibt er zwar etwas harscher und insgesamt weniger rund und geschmeidig, aber dennoch fühlt er sich noch authentischer an. Der Bassbereich fällt insgesamt, insbesondere in den oberen Bässen, etwas sauberer und aufgeräumter aus, was den Eindruck von weniger Wärme verstärkt. Letztendlich spielen eben nach wie vor zwei verschiedene Treiber in verschiedenen Systemen an verschiedener Elektronik. Dass ein zehnminütiger fotobasierter Scanprozess und automatisierte Optimierung allerdings derart ähnliche Ergebnisse produziert, wie ein aufwendiger vollständiger 3D-Scan des gesamten Oberkörpers und Kopfes samt einem Detailscan der Ohren und anschließender manueller Optimierung zeugt von der hohen Effektivität und Reife von Finals DTAS Algorithmus.

Dank DTAS kann ich auch mit „Keep on Trippin‘“ wieder Frieden schließen. Schon die ersten Klavierklänge begeistern unmittelbar. Die Reichhaltigkeit an Klangfarben und das Zusammenspiel von Klavier und Hall werden mit einer Tiefe gezeichnet, die mich sofort in das Musikstück zieht. Manu Katchés Sammelsurium an kleinen Effektbecken ist wie immer unverkennbar und bildet die Grundlage für den unwiderstehlichen Groove des Stücks. Das Saxophon hat überhaupt nichts mehr von der artifiziellen Härte, die ich vorher beschrieben habe. Ganz im Gegenteil, die Balance von warmem Grundton und dem typischen, minimal näselnden Obertonsound des Saxophons ist perfekt getroffen und erzeugt einen wunderbar geschmeidigen Sound, der Details im Anblasen mit Leichtigkeit hörbar macht. Überhaupt erschließt sich mir der musikalische Aufbau des Musikstücks viel intuitiver. Dass zum Beispiel gemeinsam mit dem Saxophoneinsatz eine weitere hohe Tonlage auf dem Piano ergänzt wird, hat vorher kaum eine Rolle gespielt. Jetzt wird die neue hohe Lage aufs genauste herausgearbeitet und klar differenziert von den bereits etablierten tiefen Akkorden abgebildet. Die Spielfertigkeit und der Mikrogroove in diesem grundsätzlich eher simplen Arrangement erschließen sich absolut unbeschwert und lassen ein Stillhalten des Kopfes nicht mehr zu. Spätestens bei der Variation des Stücks und dem Einsatz des Sopransaxophons über dem wunderbar weich vor sich hin blubbernden Basslauf und Manus stärkerer Forcierung des Grooves ist ein nicht-Mitnicken körperlich unmöglich. Erst mit DTAS kann auch der Tonalite zeigen, welch fantastischen Job Produzent Manfred Eicher geleistet hat, das Stück macht so fast so viel Spaß wie auf meiner Anlage.
Die Möglichkeit der Optimierung mit DTAS ist für mich wie in der Einleitung erwähnt ohne Frage ein Meilenstein. Wie bereits initial im Erfahrungsbericht zu den ZE8000 JDH erwähnt, ist die Suche nach dem In-Ear, der genau dem eigenen Geschmack entspricht nicht mehr nötig. Dank ihrer umfangreichen Datenbank konnte Final für die Tonalite bereits eine Grundabstimmung schaffen, die einen Mittelwert darstellt und selbst ohne DTAS schon deutlich näher an meinem persönlichen Hörgeschmack liegt als die Vorstellung vieler anderer Hersteller. Dass DTAS es schafft, sämtliche Faktoren, die mir an diesem Grundsound nicht gefielen, auszumerzen und darüber hinaus ins Gegenteil zu verkehren ist für mich Kaufgrund genug. Der Detailreichtum, die hohe Auflösung, die Natürlichkeit und gute räumliche Darstellung sind für ein Wireless-In-Ear bemerkenswert – der Abstand zu meinem Vision Ears VE7 ist erschreckend gering. Final denkt DTAS sogar noch größer und erforscht Optionen, den Algorithmus für andere ihrer Produkte und beispielsweise Over-Ears verfügbar zu machen.