tests/20-04-21_bakoon
 

Bakoon AMP-13R

21.04.2020 // Roland Dietl

Die Leistungs-MOSFETs von EXICON
Die Leistungs-MOSFETs von EXICON

Auf dem Album El Diablo Suelto gibt uns der bekannte Gitarrist John Williams einen beeindruckenden Überblick über die Gitarrenmusik Venezuelas (John Williams: El Diablo Suelto - Guitar Music Of Venezuela - Sony Classical SK 90451). Die Qualität der analogen Aufnahme ist ausgezeichnet. Noch mehr beeindruckt die Qualität der Interpretation, die einfach fesselnd ist. Dies umso mehr vor dem Hintergrund, dass viele Stücke Transkriptionen sind, die ursprünglich vom Klavier oder der Harfe stammen, also Instrumenten mit weit größeren polyphonen Möglichkeiten, als sie die Gitarre hat. Doch John Williams bewältigt die intensiv rhythmischen Stücke mit seiner außergewöhnlichen Technik vollkommen mühelos. Wer mag, kann sich auf YouTube einmal Interpretationen anderer Künstler anhören, und wird sofort verstehen, was ich meine. Doch John Williams gibt uns viel mehr als eine reine Demonstration seiner technischen Fähigkeiten: nämlich eine breite Palette von unterschiedlichen Klangfarben, um die reiche harmonische Sprache und die schönen Melodien der Stücke auszudrücken. Und genau an dieser Stelle kommt der AMP-13R ins Spiel. Kleinste Nuancen im Spiel von John Williams werden atemberaubend schnell und mühelos nachgezeichnet. Hart angerissene Akkorde kommen hart und perkussiv, aber niemals knallend. Trotz aller Schnelligkeit hat die Gitarre viel Substanz, wirkt farbig und greifbar. Dennoch kommen die Saiten-Anschläge präziser und dynamischer, als ich es sonst gewohnt bin.

Von diesen Eigenschaften profitiert ganz besonders auch die Wiedergabe von Stimmen. Mit dem Album Turn Up the Quiet kehrt Diana Krall zu ihren musikalischen Wurzeln zurück (Diana Krall: Turn Up The Quiet – 24/192). Der Opener „Like Someone In Love“ gibt die Richtung vor und fasst das Konzept auch gleich zusammen: Die im Mittelpunkt stehende Stimme Dianas schmiegt sich mal hauchzart, mal rauchig-verrucht um dezent angejazzte Variationen aus dem „American Songbook“. Der Klang atmet und federt, Sängerin und Begleitmusiker stehen konturenscharf in einem klar definierten Raum.

Und es kommt noch besser: Der Hochtonbereich schließt ohne Bruch und mit der gleichen Schnelligkeit an den Mitteltonbereich an. Gerade im Hochtonbereich führt vermeintliche Schnelligkeit leicht zu einem analytisch-sterilen Klang. Bei einer exzellenten Aufnahme, wie dem „Divertimento K. 136“ von W.A. Mozart mit der Academy of St. Martin in the Fields unter der Leitung von Neville Marinner (Mozart: Three Divertimenti For Strings / Serenata Notturna - Academy Of St Martin-in-the-Fields Directed By Neville Marriner - HDTT6398 24/352,8 DXD PCM) ist der Streicherklang ein Genuss, kann aber auch sehr leicht ins Unerträgliche kippen. Mit dem AMP-13R scheint es keinerlei Begrenzung nach oben zu geben. Er spielt in höchstem Maße musikalisch, in den Höhen glockenklar, aber niemals hart oder analytisch und immer mit dieser faszinierenden Leichtigkeit.

Die Kühlkörper auf der Gehäuseunterseite. Die unterschiedliche Höhe ist gut zu erkennen. Im größeren Fuß ganz links ist ein Teil des Ringkerntransformators untergebracht.
Die Kühlkörper auf der Gehäuseunterseite. Die unterschiedliche Höhe ist gut zu erkennen. Im größeren Fuß ganz links ist ein Teil des Ringkerntransformators untergebracht.

Ebenso homogen gelingt der Übergang zu den tieferen Lagen. Wer meint, dem AMP-13R würde hier schnell die Luft ausgehen, den muss ich enttäuschen. Das Intro zu „Hotel California“ in der Live-Fassung aus dem Album Hell Freezes Over von den Eagles (Eagles: Hell Freezes Over - XRCD) bringt der AMP-13R mit knackigem, extrem sauber konturierten Bass. Auch in den tiefen Lagen ist der AMP-13R blitzschnell und bestens artikuliert. Üppiger und fülliger Ton sind dagegen nicht sein Ding.


  • Rega Mercury / Solis

    Hifistatement hatte die Möglichkeit, Regas brandneue, im November 2025 erschienene Vor-/Endstufenkombination Mercury/Solis umfassend zu testen. Die Vorstufe hat einen hochwertigen DAC an Bord, die Endstufe liefert circa 300 Watt Ausgangsleistung an vier Ohm Impedanz. Mit diesen Boliden liefert Rega sein Verstärkerstatement! Der Name Rega löst bei mir unmittelbar diverse positive Assoziationen hervor, bislang zugegeben allesamt in der rein analogen Welt der Plattenspieler und Tonabnehmer verortet. So besaß ich unter anderen bereits einen Planar 1 oder…
    20.01.2026
  • Final UX5000

    Im Oktober habe ich den UX5000 in Warschau auf der Audio Video Show das erste Mal gehört. Zugegeben, Bluetooth-Overear-Kopfhörern gilt nicht unbedingt mein größtes Interesse, aber der UX5000 machte mich mit einigen Features neugierig auf einen Test. Final platziert das Modell an der Spitze seines Bluetooth-Kopfhörer-Line-Ups. Allein optisch spricht mich der UX5000 an. Schlicht und unauffällig, ohne ein Statement setzten zu wollen, um sich zwanghaft von der Masse abzuheben. Aber genau diese unaufgeregte Präsentation in…
    16.01.2026
  • Riviera Audio Laboratories APL1 und AFM70

    Den letzten Bericht über eine Vor-/Endstufen-Kombination schrieb ich vor beinahe anderthalb Jahren. Bis jetzt kam lediglich Wolfgang Kempers Test des Senna-Sound-Duos dazu. Sollte das daran liegen, dass es in diesem Bereich nicht allzu viele Innovationen gibt? Die edlen Amps von Riviera Audio Laboratories sind jedenfalls alles andere als Mainstream. Die Verbreitung von digitalen Verstärkermodulen hat zumindest bei mir dazu geführt, dass mich ein Großteil der modernen Endstufen-Kreationen einfach nicht mehr interessiert. Schaltnetzteile in Kombination mit…
    14.01.2026
  • Keces Ewave

    Nein, wir werden nicht zur PR-Abteilung von Keces oder Robert Ross' Vertrieb, der die Produkte aus Taiwan in Europa betreut und hierzulande vertreibt. Doch bei einem Gespräch über den Ephono+ merkte Robert Ross an, dass er soeben das erste Null-Serien-Modell des Keces-Switch erhalten habe und uns zusenden könne. Da konnte ich nicht widerstehen. Da die Serienmodelle noch im Januar ausgeliefert werden, kann ich mir mit dem Bericht über das Switch auch nicht allzu lange Zeit…
    09.01.2026
  • Keces Ephono+

    Nein, ich werde mich ab sofort nicht mehr nur mit günstigen Hifi-Komponenten beschäftigen, auch wenn durch den Test des erschwinglichen Eversolo DAC-Z10 und des Ephono+ der Eindruck entstehen konnte. Denn obwohl Keces der Signalverarbeitung und dem Netzteil je ein eigenes Gehäuse spendiert, ist die Phonostufe für gerade einmal 1.200 Euro zu haben. Ich habe zwar gegenüber Komponenten mit moderaten Preisen genau so wenig Berührungsängste wie gegenüber solchen mit exorbitant hohen – wie sich Anfang des…
    23.12.2025
  • Galion Audio Navy Röhrenvorverstärker

    Wir haben das röhrenbestückte Vorverstärker-Flaggschiff Navy des jungen kanadischen HiFi-Unternehmens Galion Audio unter die Lupe genommen. Der Line-Vorverstärker mit vier Doppeltrioden 12AT7 (ECC81) wartet nicht nur mit hochwertigen Bauteilen auf, sondern er ist das spannende Designprodukt eines high-fidelen Überzeugungstäters. Mir sagte der Markenname Galion Audio bislang wirklich gar nichts. Das junge Unternehmen aus Québec in Kanada wurde 2020 von Thomas Tan, einem passionierten Audiophilen, YouTuber („Thomas & Stereo“) und Content Creator, gegründet. Ziel war, seine…
    16.12.2025

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.