tests/20-11-03_transrotor
 
Test.
Deutsch English|

Transrotor TRA 9

03.11.2020 // Dirk Sommer

Doch zurück zum Thema: Beim Tonarmrohr ist Resonanzfreiheit von entscheidender Bedeutung. Daher entschied sich das konstruierende Triumvirat für eine zweiteilige Lösung mit einem konisch zulaufenden Teil, das mit dem Lagerblock verbunden wird. Erst war geplant, in dieses ein zugekauftes zweites Rohr einzustecken, an dessen anderem Ende dann das Headshell befestigt wird. Bei einer größeren Überlappung der Rohre würden sich diese dann gegenseitig bedämpfen. Allerdings war auf dem Markt kein Standardrohr mit den für diese Anwendung benötigten extrem engen Toleranzen zu finden. Deswegen wird auch das vordere Rohrstück aus dem Vollen herausgearbeitet und gebohrt. Aber nicht nur die unterschiedlichen Abmessungen der beiden Rohre führen zur Resonanzminimierung. Die Erfahrungen beim Bau der Plattenspieler machten es möglich, verschiedene Aluminium-Legierungen so zu kombinieren, dass sie sich optimal bedämpfen. Aber bei einem Arm geht es ja nicht nur um Schwingungskontrolle, sondern auch um die schnellstmögliche Ableitung derselben. Deshalb verwarf man die Idee, die beiden Rohre zu verkleben. Dank der sehr geringen Toleranzen berühren sich die Rohre großflächig und brauchen lediglich durch drei Schrauben fixiert zu werden.

Die Antiskating-Kraft wird magnetisch erzeugt und über diese Schraube eingestellt. Bei Deckung mit dem roten Ring soll sie mit einer Auflagekraft von 1,75 Gramm korrelieren
Die Antiskating-Kraft wird magnetisch erzeugt und über diese Schraube eingestellt. Bei Deckung mit dem roten Ring soll sie mit einer Auflagekraft von 1,75 Gramm korrelieren

Der Lagerblock ist recht massiv und oben völlig eben. Hier kann man, etwa um die waagerechte Ausrichtung des Arms zu überprüfen, bei der Justage eine Libelle auflegen, die demnächst auch zum Lieferumfang gehören dürfte. Der Arm, der in Gröbenzell eintraf, ist zwar ein Serienmodell, die Anleitung, die Verpackung und das Zubehör entsprechenden jedoch nicht hundertprozentig dem zukünftigen Auslieferungszustand. Und bei einem besonders cleveren Detail ist das wirklich schade. Zwar liegt dem Arm eine einfache Schablone zur Einstellung des Überhangs bei, aber ich greife lieber auf meine bewährte Dennesen-Einstelllehre zurück. Die besitzt eine Spitze, die genau auf den Tonarmdrehpunkt ausgerichtet werden muss, was bei Armen mit einer kleinen Vertiefung an dieser Stelle den korrekten Einbau des Tonarms stark vereinfacht. Eine kleine Bohrung auf den Fläche der Lagerblocks erschien Jochen Räke jedoch zu wenig elegant. So wird in Kürze eine im Kunststoff-3D-Druck erstellte, aufsteckbare Brücke diesen Punkt markieren. Eine tolle Idee.

Das Headshell kann zur Azimut-Einstellung verdreht werden. Das erfordert jedoch außerordentlich viel Fingerspitzengefühl
Das Headshell kann zur Azimut-Einstellung verdreht werden. Das erfordert jedoch außerordentlich viel Fingerspitzengefühl

Wichtiger als solche Details, die hauptsächlich für solche Analogfans von Bedeutung sind, die häufiger Tonabnehmer wechseln, ist natürlich, welche Art Lager der Block umschließt. Begonnen habe man die Studien mit Metallkugellagern von SKF, verrät Jochen Räke. Die seien zwar von guter Qualität, würden aber wie auch die der Mitbewerber vorrangig auf eine hohe Drehzahl und Belastung hin ausgelegt. Da sich das Lager bei hohen Drehzahlen nicht unwesentlich erwärme, müsse es dementsprechend viel Spiel aufweisen – nicht gerade das, worauf es bei einem Tonarm ankommt. Hier seien extrem geringe Losbrechkräfte und sehr geringes Spiel entscheidend. Für die horizontale Lagerung setzt man nun auf japanische Stahllager. Vertikal wird der Arm von Keramiklagern geführt. Um die Lager spielfrei zu bekommen, werden sie gegeneinander verspannt. Die dabei verwendeten Standardmuttern säßen jedoch nicht in einem exakten 90-Gradwinkel auf der Achse, so dass sie die Lager ungleichmäßigen Kräften aussetzten, erläutert Jochen Räke. Daher drehe man für diese Anwendung Spezialmuttern, die wirklich einen 90-Grad-Winkel mit der Achse bildeten. Wenn man diese mit einer zweiten Mutter kontere, würde dabei aber die zuvor penibel eingestellte Spannung verändert. Daher habe man sich dazu entschlossen, die mit dem gewünschten Druck angezogenen Spezialmuttern mit Siegellack statt einer zweiten Mutter zu sichern. Mir scheint, bei Transrotors Erstlingswerk in Sachen Tonarm blieb so gut wie kein Detail unbeachtet.


  • SOtM sMS-2000 – ein weiterer Nachtrag

    Endlich ist es soweit: Der SOtM sMS-2000 spielt in der gewünschten Konfiguration: In der Eunhasu-App habe ich teils auf Roland Dietls Rat hin alle klangfördernden Einstellungen vorgenommen, Ethernet- und USB-Karte werden von externen Netzteilen gespeist, die 10-Megahertz-Clock gibt den Takt vor und die Daten kommen von einer kryo-behandelten SSD. Vor rund zweieinhalb Monaten berichtete ich darüber, dass der SOtM sMS-2000 der einzige von mir getestete Streamer ist, bei dem auf einer internen Festplatte gespeicherte Musik-Files…
    03.07.2026
  • Keces Euphony

    Die taiwanesische Marke Keces ist inzwischen nicht allein wegen ihres Portfolios exzellenter Analog-Netzteile bekannt und angesehen. Für die neue Phonostufe und den neuen Switch aus der Essential Serie bekam Keces unlängst ebenfalls viel Applaus. Jetzt steht der brandneue Streaming-DAC Essential Euphony zum Test bereit. Als Dirk Sommer unlängst die Keces Phono-Stufe Ephono+ und den Ewave Switch beschrieb, gefielen mir diese Geräte auch wegen ihrer sinnvollen und beim Ewave sogar sehr fortschrittlichen Ausstattung, nämlich den zu-…
    30.06.2026
  • Aavik Acoustics R-588

    Keces' Vorverstärker S4 war der erste Anlass, mich mit einem DS-Audio-Tonabnehmer zu beschäftigen. Für den Erwerb eines W3 sprachen dann meine sehr positiven klanglichen Erfahrungen damit, aber auch die Tatsache, dass immer mehr hoch interessante Phonostufen einen dafür geeigneten Eingang aufweisen würden. Eine davon ist die Aavik R-588. Schon vor meinem Entschluss, meinen Tonabnehmerfundus um ein photoelektrisches Exemplar zu erweitern, hatten beispielsweise Kato san, Angus Leung und Michael Børresen angekündigt, dass in den in Entwicklung…
    26.06.2026
  • Qln Prestige Three Gen 2

    Mit Lautsprechern der schwedischen Marke Qln haben wir uns bei Hifistatement bisher noch nicht beschäftigt. Ein Versäumnis – wie sich gleich zeigen wird. Also kommen wir schleunigst zum Test der brandneuen QLN Prestige Three Gen 2, einem eleganten Standlautsprecher in klassischer Zwei-Wege-Bestückung mit ambitioniertem Anspruch. Die Ursprünge von Qln reichen bis ins Jahr 1977 zurück. Die fundamentale Zielsetzung der damaligen Gründer ist von Beginn an audiophiler Natur, nämlich einen Lautsprecher zu entwickeln, der die Klangbühne…
    23.06.2026
  • Vertere Ruby one

    Die Beschäftigung mit dem Vertere Xtrax vor beinahe anderthalb Jahren hatte richtig Spaß gemacht. Daher nahm ich das Angebot von Andreas Kayser, dem Inhaber des deutschen Vertere-Vertriebs Beat Audio, das neue Topmodell Ruby one zu testen, gerne an. Dafür habe ich sogar eine meiner selbstauferlegten Regeln für Tests gebrochen. Dazu später mehr. Vorrangig freute ich mich darauf, nach Monaten endlich mal wieder längere Zeit nur Schallplatten zu hören. Außerdem unterscheiden sich Xtrax und Ruby one…
    19.06.2026
  • Canor Foundation Line Virtus I4S und Verto D4S

    Die neue Vollverstärker und Digital/Analog-Wandler der Canor Foundation Line erfreuen nicht allein wegen ihrer eleganten Optik, sondern auch dank ihrer Preise. Die kostspieligeren Komponenten aus dem Hause Canor verwöhnten stets mit beeindruckender Musikalität und waren daran gemessen preiswert. Profitiert die Foundation Line von deren Genen? Auf der Canor Website findet man in der Beschreibung des Virtus-I4S-Vollverstärkers gleich als Überschrift den Hinweis, dass mit „modernsten, teilweise aus der Referenzserie adaptierten Technologien und Konzepten für ein überzeugendes…
    16.06.2026

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.