tests/26-04-21_westminsterlab
 

WestminsterLab Omne

21.04.2026 // Thomas Heinemann

Nun zum Inneren des Omne: Er ist ein vollständig symmetrischer Vollverstärker in Doppelmono-Manier, in dessen Gehäuse eine komplette Vorstufe und zwei Class-A-Monoblöcke arbeiten. Die Ausgangsleistung der Endstufen liegt bei 50 Watt an acht Ohm, 100 Watt an vier Ohm und 200 Watt an zwei Ohm – die Spitzenstromleistung beträgt 12 Ampere. Eine Leistung, mit der meine Wilson Audio Sasha V mit ihren 88 Dezibel Wirkungsgrad und der unteren Impedanz von 2,36 Ohm bei 82 Hertz, ihre Qualität entfalten kann. Ich konnte auch die Verbindung Ome – nur Vorstufensektion – und den Rei-Monos probieren (Dank an meinen fränkischen Händler). Die Rei-Monos haben mehr Leistung und bringen etwas mehr Lockerheit, die dynamischen Schattierungen wirken noch impulsiver und kraftvoller, das Geschehen wird noch einen Tick prominenter. Diese Tatsache schmälert aber keineswegs die Qualität des Omne, sondern unterstreicht das Konzept der Ausbaufähigkeit mit den Rei-Monos. Natürlich stand der Onme in seiner Gesamtheit im Fokus, ich konnte es aber nicht lassen, auch meine Quest-Vorstufe mit der Vorstufe im Omne zu vergleichen. Kurz gesagt: der Zugewinn an Klangqualität war unüberhörbar.

Der Blick von oben in das Gehäuse zeigt die sauber strukturierte obere Etage des Omne
Der Blick von oben in das Gehäuse zeigt die sauber strukturierte obere Etage des Omne

Dass WestminsterLab bei der Verstärkung auf Class A setzt, ist auch beim Omne Mittel zum Zweck. Die Betriebsart soll souveräne Kraft mit einer glaubhaft stimmigen natürlichen Wiedergabe verbinden und hat das von WestminsterLab beschriebene, typische Klangbild als Ziel: „Ruhe im Klangbild, hohe Transparenz, feine Durchzeichnung und eine sehr natürliche, unangestrengte Art der Wiedergabe“. WestminsterLab beschreibt auch sehr deutlich, wie hoch der technische Aufwand war, um diese Entscheidung in einem kompakten Gehäuse zu realisieren. Die Kühlkörper werden aus einem einzigen Aluminiumblock gefräst. WestminsterLab verweist dazu auf umfangreiche thermische Simulationen und darauf, dass die Kombination aus Kühlkörpern und eigener Schaltungstopologie stabile Betriebstemperaturen und Langzeitkonstanz sichern soll. Das ist keine Ingenieursromantik, sondern eine Prämisse, um die klanglichen Eigenschaften einer Schaltung unter realen Bedingungen zu bewahren. Bemerkenswert finde ich auch den strukturellen Aufbau, der die Kühlkörper der Endstufen zur Frontseite hin orientiert. Ein Aufbau, den ich mir auch bei der Rei wünschen würde, um die Mono-Endstufen aneinanderstoßend und somit als Einheit, ohne thermische Probleme, betreiben zu können. Von außen betrachtet ergibt sich durch das optische Zusammenspiel der Lüftungsschlitze in der Abdeckung und den davorliegenden, leicht abgesenkten Kühlkörpern, ein stilistischer Eyecatcher, der dem Verstärker seine kraftvolle Note verleiht.

Was den Aufwand und den Anspruch an die aktiven Bauteile angeht, hebt WestminsterLab besonders hervor, dass die Transistoren nicht nur innerhalb eines Prozentpunkts gematcht, sondern über mehrere Arbeitspunkte hinweg gepaart und anschließend viele Stunden unter Last geprüft werden. Hier spürt man eine Beharrlichkeit in der Entwicklung, die nichts als belanglos einstuft. Beim Kunden kommt diese Sorgfalt in Form von Betriebssicherheit, Stabilität in der Wiedergabe und letztlich in einem hörbaren klanglichen Gewinn an.

Auch typisch für WestminsterLab ist der überlegte und konsequente Aufbau der Stromversorgung. Vier O-Core-Transformatoren und 18 separate lineare Versorgungsstränge versorgen jeden Abschnitt im Omne. WestminsterLab ist überzeugt, dass nur mit einem sauber aufgebauten Netzteil eine verfärbungsfreie und authentische Wiedergabe erreicht werden kann. Deshalb werden auch der Steuerungsmikroprozessor und das Display durch ein eigenes, nur für diesen Zweck bestimmtes, lineares Netz versorgt, um das Rauschen auf ein Minimum zu beschränken. Das insgesamt smarte Versorgungskonzept, das die Abschnitte von Vorverstärker und Leistungsverstärker trennt, behält somit die volle Audioleistung auch dann, wenn der Omne nur als Vorverstärker genutzt wird. In diesem Fall lässt sich die Endstufe via Fernsteuerung komplett abschalten. Auch hier wurde musikalische Performance bis ans Ende gedacht.


  • Spendor A1.2

    Spendor hat seinen Klassiker A1 verfeinert. Der wichtigste technische Unterschied ist eine zusätzliche Verstrebung, die jetzt direkt hinter dem Tiefmitteltöner sitzt und über eine Sorbothane-Dämpfung mechanisch gekoppelt ist. Dadurch sollen störende Resonanzen reduziert werden. Wir haben uns die Evolutionsstufe A1.2 angehört. Einleitend möchte ich kurz auf meine persönliche Perspektive zu diesem Lautsprecher eingehen. Denn was um Himmels Willen interessiert einen Hochwirkungsgrad-Junkie eine kleine Regalbox mit bescheidenem Wirkungsgrad? Tatsächlich habe ich mir diesen Lautsprecher selbst für…
    02.06.2026
  • Wilson Benesch Prime Meridian System

    The first, rather lengthy article about Wilson Benesch' Prime Meridian system dealt solely with the turntable unit, consisting of the OMEGA Drive, ALPHA Drive, the FrACTal damping system in which the motor and tonearm are mounted, and the R1 Rack. Now, in addition to introducing the tonearm and cartridge, we finally turn to the sound of the turntable. The fact that the Prime Meridian system's turntable is driven by a motor with one and a…
    29.05.2026
  • Galion Audio TS34

    Der kanadische Hersteller Galion Audio hat seinen KT88-bewehrten Vollverstärker TS120 SE als Basis für die Entwicklung eines günstigeren Modells mit EL34-Röhren genommen, den TS34. Ein interessantes Feature ist die Möglichkeit, zwischen Class A und Class AB umzuschalten, was ihn von vielen anderen EL34-Designs unterscheidet. Mir war Galion Audio bis zum Test des Röhrenvorverstärkes „Navy“ im Herbst des letzten Jahres noch nicht bekannt. Das junge Unternehmen aus Québec in Kanada wurde von Thomas Tan gegründet, der…
    26.05.2026
  • XACT N1 Switch

    Manchmal dauert es etwas länger, bis ein Test zustande kommt. Nicht immer ist ein Testgerät auf Hersteller- oder Vertriebsseite für Hifistatement verfügbar und dann müssen bei uns auch noch die entsprechenden Testkapazitäten vorhanden sein. Doch nun hat endlich alles geklappt und ich kann Ihnen den XACT N1-LAN-Switch vorstellen. XACT ist die jüngste Marke von Marcin Ostapowicz, der seit 2010 in der High-End-Audio-Branche tätig ist und sich von Anfang an auf die Streaming-orientierte digitale Audiowiedergabe spezialisiert…
    22.05.2026
  • Aavik I-288

    Im dänischen Aalborg befindet sich eine Hifi-Schmiede der Extraklasse. Hier produzieren Michael Børresen und sein Team Produkte, die nicht nur elegant aussehen, sondern auch mit außergewöhnlichen technischen Features ausgestattet sind – wie der Vollverstärker Aavik I-288, den uns die Audio Group Denmark zum Test geschickt hat. Wenn man sich in der Hifi-Welt umsieht, könnte man meinen, dass die Audio Group Denmark zu den jüngeren Unternehmen in der Szene gehört. Doch man sollte sich nicht täuschen…
    19.05.2026
  • Scansonic HD M15.2

    Scansonic HD gehört seit 2013 wie die wohlbekannte dänische Edelschmiede Raidho zur Firmengruppe Dantax. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass in die Lautsprecherlinien von Scansonic immer auch die in der Entwicklung der High-End Lautsprecher von Raidho gewonnenen Erkenntnisse einfließen. Der Bändchenhochtöner der M-Serie kommt folglich nicht von ungefähr. Trotzdem spricht Scansonics M-Serie eine eigene, starke und wie ich finde sehr moderne Designsprache. Für eine Serie, bei der eine besonders attraktive Preisgestaltung eine große Rolle…
    15.05.2026

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.