Jeder der audiophilen Besucher der Audio Show hätte auf die Frage der ersten Assoziation mit dem Namen Audio Research wohl ohne zu Zögern geantwortet: Röhren. Und das ist korrekt: Im Jahre 1970, als William Z. Johnson sein erstes Produkt unter diesem Firmennamen präsentierte, den Dual 100 Verstärker, in Plymouth, Minnesota, war dieser randvoll mit Röhren.
Die Verstärkereinheit und das Netzteil des Dual 100 zusammen konnten spielend ein Wohnzimmer aufwärmen und verhielten sich kaum anders als ein mittelgroßes Kaminfeuer. Der dazugehörige SP-1 Vorverstärker – auch auf Röhren basierend – sah aus wie eine andere Inkarnation von McIntosh. Denn Audio Research musste erst einmal ein eigenes Gesicht finden. Lange Zeit haben die Verstärker von Mr. Johnson ausgesehen wie Labormessgeräte, vor allem wegen der unverwechselbaren Einstellknöpfe und der charakteristischen Voltmeter zur Anzeige der Ausgangsleistung. Ein Blick auf die Bilder der Audio Research Database spricht Bände. Es dauerte bis 1990 und zum Erscheinen der Endstufe D60, dass der Hersteller sein eigenes, charakteristisches Design verwirklicht hatte. Das Vorverstärker-Design, so wie man es heutzutage kennt, wurde viel schneller entwickelt. Der SP3 von 1972 hatte immer noch das Design von McIntosh, aber der SP4 von 1976 hatte fast alle Details, die heutzutage für ein Audio Research-Design stehen: Dies beinhaltete primär die charakteristischen Einstellknöpfe, deren Design nebenbei den ersten Mark Levinson-Komponenten entliehen war, sowie Kippschalter und Griffe an beiden Seiten der Frontplatte. Vielleicht ist das der Grund, warum das Design, das die Firma eingeführt und über Jahre weiter entwickelt hatte, seitdem als 70er Jahre Vintage Look bezeichnet wird.
Das Erscheinen des SP 20 brachte die erste größere Veränderung dieses Musters: Der Neue enthält zwei große Einstellknöpfe links und rechts auf der Frontplatte und einen LCD Touchscreen in der Mitte. Die Bedienungselemente erinnern an ein Autoradio aus den 70ern und sind eigentlich eine Kombination zweier verschiedener, durch 40 Jahre voneinander getrennter Stile: Einmal der Vorverstärker aus den Anfangstagen der Firma, zum anderen den letzten Produkten unter der Aegide von Fine Sounds SpA, einer italienischen Firma, die sich im Besitz von Quadrivio Investment befindet. Die ist – ganz nebenbei – auch der Inhaber von AR und McIntosh.
Dieser Mix aus Vergangenheit und Gegenwart war schon immer charakteristisch für William Z. Johnsons Firma, allerdings nicht immer so ausgeprägt. Nehmen wir beispielsweise Röhren, fast ein Synonym für AR. Dabei bietet Audio Research ebenfalls ClassD Endstufen an, die nun überhaupt nichts mit Röhren zu tun haben. Und was ist mit den Vorstufen? Eines der besten Designs von AR, die Reference 3 Vorstufe von 2004 enthält FETs und ein großes Display. Während die Transistoren nur als Stromquelle arbeiten und nicht im Signalweg liegen, hat der Verstärker doch den Weg geebnet für die Reference 5, die mit ihrer Transistor-Eingangsstufe und auf Röhren basierenden Verstärkungs- und Pufferstufenals ein Hybrid-Design darstellt.
Der SP20 scheint ein direkter Abkömmling dieses speziellen Verstärkers zu sein. Konzipiert als verbesserte Version des SP17 ist er trotzdem eine völlig andere Vorstufe, sowohl von Innen als auch von Außen; die Basis blieb naturgemäß erhalten. Die Eingangsstufe ist mit FETs ausgelegt, gefolgt von Röhren. Die Schaltung ist vollsymmetrisch und alle Verstärkerstufen arbeiten in Class A ohne Rückkopplung. Ein- und Ausgänge liegen jedoch sowohl als symmetrische XLR-Verbindung als auch als unsymmetrische Cinch-Verbindung vor, womit die Praxistauglichkeit des SP20 besser ist als bei den AR Geräten, die nur XLR-Verbindungen aufweisen.
Zu den fünf RCA- und XLR-Eingängen gibt es noch einen MC-Phonoeingang mit variabler Eingangsimpedanz und einer Verstärkung von 58 dB. Ein Eingang kann zusätzlich auf „Unity Gain“ geschaltet werden, um den SP20 in ein Home-Theatre-System zu integrieren. Es gibt auch ein Feature, das wir bei diesem Hersteller zum ersten Mal bei einer Vorstufe sehen: einen Kopfhörerausgang mit eigenem Verstärker und einer Ausgangsimpedanz von weniger als 0,005 Ohm. Die Verstärkerschaltung basiert auf Transistoren, in den Pufferschaltungen finden sich aber auch Röhren.
Bei diesem Test gehörte Alben:
Musikalisch gesehen hat dieses Jahr fantastisch begonnen. Und der Februar hat sich selbst übertroffen. Ich habe drei Tickets für das Misteria Pascalia Festival geordert, GAD Records kündigte die Veröffentlichung des Album Punkt styku an, sowohl als CD als auch als LP und Mr. Krzysztof Duda, dessen Album Altus ich im Februar-Editorial besprochen hatte, nahm mit mir Kontakt auf und wir verabredeten uns zum gemeinsamen Hören seiner Alben: Es gab einen Mastering-Fehler in der ersten Ausgabe, der wohl in der zweiten Ausgabe korrigiert wird. Sony Music kündigte die Veröffentlichung des gesamten Depeche Mode-Katalogs auf Mini-LP an und auch als Blue-Spec-2-CD. Und David Crosby hat sein neues Album herausgebracht.
Das neue Album Croz wurde in verschiedenen Tonstudios aufgenommen, und die meisten seiner Gastmusiker haben ihren Part weit entfernt an anderen Orten aufgenommen. So sehen Aufnahmen heutzutage eben aus, und es gibt keinen Grund, sich darüber aufzuregen. Man benötigt eine Menge Erfahrung, um all das so perfekt zusammenzumischen wie bei dem neuen Album des ehemaligen Mitglieds der Gruppe The Byrds. Das Album klingt homogen und gut. Es gibt dennoch besser und schlechter aufgenommene Tracks, da jedes beteiligte Studio den Songs seinen eigenen Stempel aufgedrückt hat. Das merkt man unter anderem in einem verringerten Pegel bei Gesang und Leadgitarre bei einigen Tracks, oder der Abnahme der Klangfülle und Präsenz der Gitarre bei anderen. Bei den am besten aufgenommenen Tracks zum Beispiel „The Clearing“ passt dann alles perfekt.
Die Veränderungen zwischen den Song sind nicht sehr groß, doch auf hochwertigen Hifi Anlagen zu hören und sie beeinflussen unsere Wahrnehmung der Musik. Sie werden von Top-Audio-Komponenten sogar noch mehr hervorgehoben, aber die Beeinflussung der Wahrnehmung ist hier geringer: ein weiteres Audio Paradoxon. Der Grund dafür liegt darin, dass ein gutes Audio-System die Fähigkeit hat, uns sofort über die Produktionsebene hinaus direkt in die Performance-Ebene zu führen. Nicht, dass das vorher Erwähnte unter den Tisch fällt wird, aber es wird als etwas getrenntes, von der Musik losgelöstes dargestellt, ähnlich den Rillengeräuschen bei der Schallplattenwiedergabe. Um das zu erreichen, benötigt man eine hohe Auflösung, eine gute Trennschärfe und eine überdurchschnittliche Feindynamik. Aber das Wichtigste ist eine gute Differenzierung der Klangfarben. In diesem Zusammenhang scheint das Verhalten des AR SP20 extrem interessant. Das offizielle Schlagwort von Audio Research, das auf allen Komponenten zu lesen ist, lautet„High Definition“. Das kann auf verschiedene Weise interpretiert werden, aber die Grundaussage ist gewiß „Hohe Auflösung“. Nach einer Reihe von Tests von AR-Komponenten würde ich eher sagen, ihr Markenzeichen ist „Warm Definition“. Meiner Ansicht nach beinhaltet dies alles, was diese Komponenten darstellen und was nicht.
Der springende Punkt ist, dass der getestete Vorverstärker warm und voll klingt. Das ist eine Binsenweisheit, nachdem dies bei allen AR-Komponenten der Fall ist. Der Klang ist fühlbar – eine weitere Plattitüde. Aber man bekommt dennoch nicht das Gefühl, die Frequenzenden seien verrundet, etwas was ich bis dato so noch nie gehört habe. Tatsache ist, dass alle AR Produkte der Reference Serie charmante und unglaublich sonore Mitten wiedergeben. Die Frequenzenden in Bass und Höhen sind verrundet, klingen aber dennoch kräftig. Die Aufmerksamkeit des Zuhörers wird davon abgelenkt, was dominiert ist der Frequenzbereich, der Stimmen, Gitarren, Violinen oder Cello beinhaltet, und zwar auch wegen der speziellen Art, Dynamik und Transienten zu gestalten. Bass und Höhen sind natürlich vorhanden, aber der erste Eindruck ist anders.
Der Klang des SP20 ist anders geformt. Der Bass ist nicht so tief wie bei der Reference 5SE oder wie bei den besten Vorstufen, die ich kenne, wie etwa bei Dan D’Agostinos Momentum oder bei Ayons Spheris II – ich bin übrigens gerade dabei, die Spheris III zu testen. Der Hochtonbereich der Audio Research-Vorstufe wirkt nicht so kräftig und ausgedehnt. Und trotzdem scheint es, dass Bässe und Höhen des SP20 wesentlich auffallender sind als bei allen vorher erwähnten AR Komponenten. Es sieht so aus, als hätte der Hersteller versucht, den Klang des SP20 der Umgebung anzupassen, in der er voraussichtlich einmal spielen wird: Pragmatismus ist eine wertvolle Eigenschaft! Stärker als üblich ausgeprägte Frequenzenden – nicht generell stärker, sondern im Vergleich zu anderen AR Komponenten – bringen die imaginäre Bühne näher an den Hörer und fokussieren den Sound auf die Linie zwischen den Lautsprechern. Die Wiedergabe ist voller Emotionen und musikalischen Informationen.
Gleichzeitig klingt die Vorstufe sehr „harmonisch“: Damit meine ich die Fähigkeit, die Harmonien von Stimmen und Instrumenten wie eine einzige große Tonquelle wiederzugeben, während einzelne individuelle Töne dennoch klar erkennbar bleiben. Der SP20 ist, wie andere Komponenten dieses Herstellers, nicht besonders analytisch, deshalb sollte man auch keine klare Trennung und Isolation der einzelnen Tonquellen erwarten. Der Vorteil gegenüber vielen anderen exzellenten Vorverstärkern liegt vielmehr in der Homogenität der Differenziertheit. Crosbys Stimme vermischt sich perfekt mit denen der begleitenden Sängern, aber dabei war es jederzeit eindeutig, dass dies keine Solostimme mit einem Chorus-Effekt war. Es war reine Harmonie, ein Geschenk, das Gott – oder irgendjemand, wenn Sie an etwas anders glauben – der Stimme dieses ehemaligen Drogen- und Alkoholabhängigen – und wie das so ist – genialen Musiker gemacht hat.
Ich verweilte noch etwas länger beim neuen Album des früheren Mitglieds The Byrds, weil dies eine erfreuliche Überraschung für mich war. Doch das ist natürlich nicht das einzige Album ist, das zeigt, was ich vorhin beschrieben habe. Der getestete Vorverstärker wird jedem Album mit Aufmerksamkeit und Konzentration begegnen. Das war auch bei Anita Lipnickas Vena Amoris und beim schlecht produzierten Album The Resistance von Muse der Fall. Insbesondere der Titel „Uprising“ von der letzten Scheibe war sehr aufschlussreich, weil trotz der aufnahmebedingt schlechten Trennung der Stimmen und dem eingeschränkten Stereobild die großartige Rhythmik erkennbar wird, der Klang nicht zu einem Brei verschmiert und auch nicht weit hinter der Lautsprecherebene hängt.
Der Vorverstärker klingt über Lautsprecher wirklich großartig. Trotzdem scheint für mich „Der SP20 und die Kopfhörer“ hier der Leitgedanke zu sein. In Kombination mit den besten erhältlichen Kopfhörern bewahrt der Audio Research die grundlegenden Klangeinschaften der Vorverstärker der Reference Series. Die beinhalten einen satten Mitteltonbereich, eine mit Händen zu greifende, warme Tonalität und eine außergewöhnlich präzise innere Diffenzierung von Klangfarben und Dynamik. Dazu kommt mehr Energie an den Frequenzgangenden, was dem Audio Research die Tür zu einer Vielzahl von Audio-Anlagen öffnet. Damit ist der SP20 – vielleicht etwas paradox, da wir hier über High End zu vernünftigen Preisen reden – die am vielseitigsten einsetzbare Komponente ihrer Art im Angebot von AR, die ich kenne. Auch was die Funktionalität anbelangt, nimmt diese Vorstufe die führende Stelle ein, da sie zusätzlich zu den Hochpegeleingängen mit einer sehr guten Phonostufe – die habe ich leider nicht lange genug gehört, um sie gesondert zu besprechen, aber sie besaß einen großen, stimmigen Klang – und einen Kopfhörerverstärker. Lassen Sie mich diesen nun ein wenig in den Blickpunkt rücken. In einen Vorverstärker integrierte Kopfhörerverstärker sind gewisser Weise ein Pleonasmus. In der Sicht vieler Entwickler ist der Unterschied zwischen den beiden sehr gering und beschränkt sich auf die Schaltung der Ausgangsstufe oder oft sogar nur auf einen unterschiedlichen Ausgangspegel. Ich denke, das ist der Grund dafür, dass es keine guten Vorverstärker gibt, die auch als Kopfhörerverstärker eine gute Figur machen. Nach meiner Erfahrung liefern nur speziell für einen Verwendungszweck – entweder als Vorstufe oder als Kopfhörerverstärker – konzipierte Produkte ein sehr gute Klangqualität. Deshalb genieße ich das Vorhandensein einer Kopfhörerbuchse mit gewisser Vorsicht: Es ist ein Ausstattungsmerkmal, aber nicht wirklich wert, sich näher damit zu beschäftigen.
Daher war der Klang, den der SP20 im Zusammenspiel mit dem schwer zu treibenden magnetostatischn Kopfhörer Hifiman HF6 lieferte, für mich eine wirkliche Überraschung. Schon beim ersten Song war für mich klar, dass wir hier über einen ausgesprochen erwachsenen Klang sprechen. Dennoch brauchte ich einige Zeit, die Leistungen des Kopfhörerausgangs zu beurteilen, und zwar in einem Vergleich der Audio Research-Vorstufe mit meiner Referenz, dem Bakoon HPH-21 Kopfhörerverstärker. Wiederholte Test haben zwar gezeigt, dass der koreanische Verstärker immer noch unerreicht ist. Er war in puncto Klangtiefe und Auflösung überlegen. Auch die Definition im Bassbereich war klar besser. Allerdings sind diese Argumente genauso zutreffend, wenn man den Bakoon mit irgendeinem andere Kopfhörerverstärker vergleicht. In der Tat klang der SP20 aber so gut, dass ich, wenn er Teil meiner Kette wäre, nicht einmal darüber nachdenken würde, den Bakoon zu kaufen, auch wenn er noch besser klingt.
Was die Amerikanische Vorstufe bietet, ist in der Tat so gut, so vollständig und rundum zufriedenstellend, dass man damit einfach sehr genussvoll Musik hört, ohne darüber nachzudenken, ob es noch ein wenig besser ginge. Die Tiefe und die Helligkeit, mit der musikalische Informationen rübergebracht werden, ist beeindruckend. Ich meine hier nicht Helligkeit bei der Tonalität, die ist tief und farbkräftig. Die imaginäre Bühne – oder exakter, das durch die Konstruktion eines Kopfhörers beschränkte „Kopfkino“ – ist einfach fantastisch, ja sogar noch besser als das, was ich über die Lautsprecher höre. Dass der SP20 in der Lage ist, praktisch jeden Kopfhörer anzutreiben, brauche ich wohl nicht zu erwähnen. Klasse!
Ken Kessler, der die Produkte von Audio Research schon seit langem schätzt, schrieb in seinem Test in der Februar-Ausgabe von Hi-Fi News & Record Review, dass die feinen Unterschiede zwischen der SP20 und der REF 5SE durch eine niemals zu unterschätzende Variable verringert oder ganz aufgehoben werden könnten: Die Synergieeffekte in einer Kette. „Amen, Bruder“ kann ich da nur sagen. Ich stimme vollständig zu, aber aus einem anderen Grund: Die Wertigkeit der Reference 5 MkII und der SP20 ist dieselbe. Ich würde mich sogar trauen zu sagen, die Klangqualität der beiden liegt auf demselben Niveau. Das ist eine bemerkenswerte Leistung. Dennoch unterscheiden sich die beiden in ihrer Klangcharakteristik und der Unterschied ist hörbar, unabhängig davon, in welcher Kette man die Vorstufen testet. Ken hat Recht, unsere Aufmerksamkeit auf die Umgebung zu lenken, in der das Gerät eingesetzt wird, aber meiner Meinung nach kann man nicht von „Äquivalenz“ der Klanges bei diesen beiden Vorverstärkern reden. Der SP20 bietet einen universelleren und offeneren Sound, bei dem die meisten Klangereignisse – und das sind hier wirklich viele – im Vordergrund stattfinden. Demzufolge sind Bässe und Höhen besser definiert und „präsenter“. Wir werden mit herausragendem Rhythmus und wunderschönen Klangfarben verwöhnt. Die Auflösung ist außergewöhnlich, obwohl sie nicht mit einer gewissen Trennschärfe einhergeht. Die war noch nie eine der herausragenden Eigenschaften der Komponenten aus Plymouth. Das gilt auch für die Differenzierung zwischen klanglicher Textur und Körper. Dennoch sollten alle, die nach letzterer suchen, sich den SP20 anhören, um zu wissen, was sie versäumen. Sie werden fantastische satte und dichte Klangfarben sowie eine absolut stimmige Tonalität erleben: leicht warm, voll und zum Anfassen plastisch. Das ist genau das, was ich mit Begriff „Warm Definition“ zu beschreiben beabsichtige: eine fantastisch definierte, warme Tonalität. Genau die repräsentiert der SP20: nicht mehr und nicht weniger.
Röhrenverstärker reagieren sehr sensibel auf den Untergrund, auf dem sie stehen. Wenn es auch verschiedene Wege gibt Mikrofonie zu minimieren, gänzlich verhindert werden kann sie nicht. Andere Komponenten wie Relais, Leiterplatten, Kondensatoren und Netzteile sind ebenfalls Angriffspunkte für Mikrofonie. Daher muss man bei der Aufstellung des SP20 Sorgfalt walten lassen. Bei mir zu Hause stand er auf einem Acoustic Rvive RST-38H Air Floating Bord, das sich oben auf meinem Pagode Edition Rack befand. Man kann auch zusätzliche Isolationsfüße in Erwägung ziehen. Der Vorverstärker wurde über ein Harmonix X-DC350M2R Netzkabel mit Energie versorgt. Ich habe den SP20 mit meinem Ayon Audio Polaris III in einer Custom Version verglichen aber auch mit dem Ausgang meines Ancient Audio Lektir Air V-Edition CD-Player. Ich hatte auch die Möglichlkeit, die Phonostufe des des SP20 eine Zeitlang mit dem TechDAS Air Force One Plattenspieler inklusive Dynavector XV-1 Tonabneher zu hören.
Ich habe über Audio Reasearchs Röhren-Vergangenheit gesprochen, und das nicht ohne Grund. Die SP20 wartet mit nicht weniger als vier 6H30-Doppeltrioden auf, die auch aus den den BAT-Verstärkern, dem Ancient Audio- und Loit-CD-Playern ebenso wie aus den Ayon Audio-Vorstufen bekannt sind. Die Frontplatte des SP20 sieht dennoch sehr „modern“ aus. Die 70-er Jahre waren die Zeit, als Röhren als Gipfel des Anachronismus galten. Und doch sieht Vorstufe aus, als käme sie direkt aus dieser Zeit, während Audio-Produkte aus der zweiten Dekade des 21. Jahrhundert immer häufiger häufiger mit Touch-Screen-Displays ausgestattet werden, wie beispielsweise die beiden Alluxity-Verstärker. Die beiden Drehknöpfe des Audio Research dienen der Lautstärkeregelung und der Eingangswahl. Das Display zeigt die gewählte Quelle und die aktuelle Lautstärke. Letztere lässt sich in Ein-Dezibel-Schritten in einem Bereich von 0 bis 103 einstellen. Das 4,3-Zoll-Display erlaubt Einstellungen in verschiedenen Menüs. Wir können die Servicezeit für die Röhren anzeigen lassen, die Helligkeit des Displayy ändern, den Pegel für die einzelnen Eingänge voreinstellen und auch deren Namen ändern, die Grundlautstärke nach dem Einschalten für den Vorverstärkerausgang und den Kopfhörerverstärker getrennt voneinander vorgeben und die Last für den Tonabnehmer bestimmen: 100, 200, 500 und 1000 Ω sowie 47 kΩ plus 200 Picofarad. Darüber hinaus gibt es Einstellungen für die absolute Phase, Stereo-/Monobetrieb und die Kanalbalance. Unter den Drehknöpfen befinden sich kleine Drucktasten, mit denen man das Gerät einschalten, den Mute-Modus aktivieren und das Signal zwischen dem Vorverstärkerausgang auf der Rückseite und der 6,3-Millimeter-Kopfhörerbuchse auf der Front hin- und herschalten kann. Die Anschlussbuchsen auf der Rückseite sind alle von hoher Qualität. Die Cinchbuchsen scheinen von Cardas oder CMC zu stammen, die vergoldeten XLRs kommen von Neutrik. Es gibt sechs Cinch- und zwei XLR-Eingänge.
Auch ein unsymmetrischer Tape-Ausgang ist vorhanden. Der Vorverstärker kann über einen RS-232-Port und eine Infrarot-Fernbedienung gesteuert werden und bietet auch einen 12-Volt-Ferneinschalt-Port. Das Gehäuse wurde komplett aus Aluminium hergestellt. Während die Front aus einer dicken Alu-Platte besteht, wurde das übrige Gehäuse aus gebogenem Alu-Blechen gefertigt. Der Deckel und die Seitenwände sind nicht sehr massiv, so dass man darüber nachdenken könnte, den Deckel zu beschweren ohne die Lüftungsschlitze zu blockiern. Auch zu den Gummi-Füßen gibt es gewiss vielversprechende Alternativen im Zubehörhandel. Die Fernbedienung ist ein alter Bekannter und wird bei Audio Research schon seit Jahren eingesetzt – mit dem erfreulichen Unterschied, dass sie jetzt in einem Aluminiumgehäuse daher kommt statt in Plastik.
Der Vorverstärker darf sich einer vollsymmetrischen Schaltung rühen und arbeite in reinem Class-A-Betrieb ohne Feedback. Der Phono- und die Hochpegeleingänge verfügen über J-FETs in der Eingangs- und 6H30 Trioden in der Ausgangsstufe. In beiden kommen hochwertige Koppel- und Bypass-Kondensatoren zum Einsatz. Die gesamt Schaltung ist auf verschiedene Platinen verteilt, wobei die Hauptplatine die gesamten Bodenfläche des Gehäuses einnimmt. Die Eingangs-FETs sind in einer Art transparentem Becher untergebracht, der mit Silicon gefüllt ist. Sehr wahrscheinlich um Mikrofonie zu minimieren und eine Temperaturdrift zwischen den Transistoren eines Kanals zu verhindern. Die Impedanzanpassung des Tonabnehmers wird mit per Reed-Relais geschalteten Präzisionswiderständen vorgenommen. Die Eingänge werden ebenfalls mit Relais umgeschaltet. Nach den J-FETs folgt wie gesagt eine Röhrenstufe mit zwei 6H30 Doppeltrioden. Hier sollen Gummiringe Mikrofonie bekämpfen. Die Ausgangsstufe sieht ähnlich aus, wurde aber sehr viel komplexer ausgeführt und verfügt über die größten Koppelkondensatoren.
Der Kopfhörerverstärker ist auf einer eigenen Platine aufgebaut. Er wird mit dem Signal der ersten Röhrenstufe gespeist, das in LME 47920 ICs von Texas Instruments verstärkt wird. Dem folgen die Hochleistungs-Buffer-Verstärker LME 49600 desselben Herstellers. Einen beträchtlicher Teil des Gehäuses nimmt das Netzteil ein. Dessen zentraler Teil ist ein großer R-Core-Transformator mit drei Sekundärwindungen. Die Siebung und Stabilisierung der Spannung erfolgt in sechs kaskadierten Stufen. Unter den Bauteilen finden sich Kondensatoren von Nichicon, Wima, Rel-Cap und MultiCap. In der gesamten Vorverstärkerschaltung kommen nur Präzisionswiderstände zum Einsatz.
Der SP20 ist ein professionell entwickeltes Gerät eines Herstellers, der sein Handwerk versteht und groß genug ist, damit seine Produkte eine reproduzierbar hohe Qualität besitzen, und kein genug, aller Stadien der Produktion zu kontrollieren. Und dies umso mehr, da alle Geräte in den USA gebaut werden. Da kann man nur noch hinzufügen, dass der Vorverstärker mit einer sehr gut zusammengestellten und wirklich hilfreichen Bedienungsanleitung geliefert wire.
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Herstellerangaben
Audio Research SP20
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|---|---|
| Frequenzgang | 2Hz - 80kHz ±3dB, 0,8Hz - 220kHz -3db (Line), 10Hz - 20kHz ±0,1dB, 5Hz - 80kHz ±0,4dB (RIAA, Phono) 20Hz - 20kHz ±0.05dB, 0,8Hz - 220kHz -3dB (Kopfhörer) |
| Totale harmonische Verzerrungen | <0,003% bei 2V RMS, XLR (Line) <0,005% bei 3V RMS am Tape-Ausgang (Phono) <0,009% bei 1V RMS am Ausgang |
| Verstärkung | 13,8dB (Line) 58dB @ 1KHz am Tape-Ausgang (Phono) 11,3dB (Kopfhörer) |
| Kanaltrennung | >105dB XLR (Line) >76dB am Tape-Ausgang (Phono) >62dB (Kopfhörer) |
| Fremdspannungsabstand | >125dB XLR (Line) >94dB am Tape-Ausgang (Phono) >110dB (Kophörer) |
| Ausgangsspannungen | 2V RMS XLR bei 200kΩ symmetrischer Last (max. 18V RMS bei <0,5% THD+N bei 1kHz) (Line) 0,5V RMS bei 100kΩ unsymmetrischer Last am Tape-Ausgang (max. 25V RMS) (Phono) |
| Headphone | 6V RMS max bei 30 bis 300Ω (Kopfhörer) |
| Eingangsimpedanz | 120kΩ XLR, 60kΩ Cinch (Line) 100, 200, 500, 1000Ω oder 47kΩ mit 200pF Cinch (Phono) |
| Ausgangsimpedanz | 500Ω XLR, 250Ω Cinch (Line) 1000Ω Cinch am Tape-Ausgang (Phono) 0,05Ω (Kopfhörer) |
| Leistungsaufnahme | 77W (max.), 2,7W (Standby) |
| Abmessungen (B/H/T) | 480/134/420mm |
| Gewicht | 7,4kg (netto), 10,5kg (inkl. Verpackung) |
| Preis | |
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Vertrieb
G8 & friends GmbH
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|---|---|
| Anschrift | Werner Möhring Ferdinand-Poggel-Str. 17 59065 Hamm |
| Telefon | +49 5254 660188 |
| info@g8friends.de | |
| Web | www.g8friends.de |
Klangbibliothek.
| Tonabnehmer | Einstein The Pickup |
| Tonarm | SME V |
| Verkabelung | Forceline |
| Phonostufe | Einstein The Turntable‘s Choice (300 Ohm) |
| Musik | „How Deep Is The Ocean“ |
| Downloadgröße | 265,2 mb |
| Recorder | Nagra VI |
Klangbibliothek.
| Tonabnehmer | Einstein The Pickup |
| Tonarm | SME V |
| Verkabelung | Forceline |
| Phonostufe | Einstein The Turntable‘s Choice (300 Ohm) |
| Musik | „Duet“ |
| Downloadgröße | 265,2 mb |
| Recorder | Nagra VI |
Klangbibliothek.
| Tonabnehmer | Einstein The Pickup |
| Tonarm | SME V |
| Verkabelung | Forceline |
| Phonostufe | Einstein The Turntable‘s Choice (300 Ohm) |
| Musik | „Griff“ |
| Downloadgröße | 318,7 mb |
| Recorder | Nagra VI |
Einerseits versprechen die drei kostenlos herunterladbaren Klangbeispiele von Einsteins The Pickup höchsten – zumindest zu Beginn ihrer Entstehungsgeschichte – analogen Genuss. Anderseits zwingt einen ein Tonabnehmer dieser Klasse, das Prinzip unserer Klangbibliothek mal wieder zu überdenken

Selbstverständlich machen Vergleiche von Tonabnehmern nur dann Sinn, wenn bis auf die verschiedenen Systeme alle Komponenten dieselben bleiben. Aber beim Test des Einstein-Abtasters wurde ja überdeutlich klar, dass er in einem Arm vom Kaliber eines Thales Simplicity noch einiges mehr zu bieten hat als im SME V. Andererseits hat der Fünfer eine recht große Verbreitung und wirkt auch bei einfacheren Abtastern nicht ganz so schnell überdimensioniert wie beispielsweise ein Thales. Und während ich bei der Aufnahme quasi in einer Art digitaler Hinterbandkontrolle das Musik-File von „Duet“ höre, bin ich mir ziemlich sicher, dass die Aufzeichnung die Lebendigkeit und hohe Auflösung von The Pickup adäquat rüberbringt – wenn da nur nicht diese Zweifel wären, ob die Vorzüge des Tonabnehmers bei 192 Kilohertz oder DSD nicht noch ohrenfälliger wären.
Als wir vor etwas über drei Jahren damit begannen, Ihnen unsere Höreindrücke zugänglich zu machen, haben wir uns ganz bewusst gegen die damals höchste Abtastrate entschieden, um nicht eine Vielzahl von Lesern von der Nutzung der Klangbeispiele auszuschließen. Aber heute sind bei den meisten modernen und inzwischen auch erschwinglichen Wandlern 192 Kilohertz Standard. Wenn alle bisher vorgestellten Systeme noch in der heimischen Vitrine lägen, was zu meinen großen Bedauern aber nicht der Fall ist, würde ich gern die Arbeit auf mich nehmen und alle bisherigen Klangbeispiele noch einmal mit 192 Kilohertz produzieren. Außerdem haben wir vor gar nicht allzu langer Zeit auf die Klangbeispiele 2.0, die mit der Nagra VI statt der LB aufgezeichnet werden, umgestellt. Das alles spricht dafür, noch eine Weile bei 96 Kilohertz zu bleiben. Trotz der eingangs angeführten gegenteiligen Argumente. Da es uns darum geht, Sie möglichst direkt an unseren Erfahrungen bei den Tonabnehmertests teilhaben zu lassen, sind wir an Ihrer Meinung interessiert. Teilen Sie uns Ihre Sicht der Dinge mit: per Telefon, E-mail oder auch über unseren facebook-account. Wir sind gespannt.
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HERSTELLER
HMS Elektronik
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Manche Tests sind das Resultat langer Planung, andere ergeben sich spontan. Zu letzteren zählt dieser. The Pickup war noch im SME V montiert, den Einstein-Chef Volker Bohlmeier nach der High End zusammen mit dem Air Force One in meinen Hörraum wuchtete. Da ein Test mit zwei Unbekannten wenig Sinn macht, wollte ich zuerst den Tonabnehmer genauer kennenlernen.

Extrem verwöhnte Analog-Fans, die meinen, Laufwerke vom Kaliber eines Air Force One verdienten noch besseres als den bewährten SME, kann ich übrigens beruhigen: Für die eingehende Beschäftigung mit dem Analog-Monument von TechDAS liegt schon ein von Graham speziell für die Japaner gefertigter Tonarm bereit. Und ein nach TechDAS-Wünschen von Yoshio Matsudaira konstruierter Abtaster ist ebenfalls schon bestellt. Aber natürlich möchte ich das Graham-Derivat auch mit The Pickup hören. Der Einstein-Tonabnehmer ist nämlich das Produkt einer Kooperation zweier alter Bekannter aus der Hifi-Szene. Da ist zum einen – wie schon erwähnt – Volker Bohlmeier, dessen Musikgeschmack ich schon seit Jahrzehnten kenne: Für ihn sind bei all seinen Produkten, egal ob er sie vertreibt oder für die Marke Einstein entwickeln lässt, ein mitreißender Groove, eine gute Portion Druck im Bass und jede Menge Dynamik einfach unverzichtbar. Kein Wunder also, dass er sich jahrelang mit der Modifikation von EMT-Tondosen beschäftigte, die er unter dem Markennamen Tubaphon in seinem Portfolio hatte. Ich gebe gerne zu, dass ich in den Jahren 1982 bis 1996 ebenfalls eine ausgeprägte EMT-Phase hatte, in der ich nahezu ausschließlich aus Tondosen ausgebaute Generatoren mit Paroc-, Fineline- oder van-den-Hul-Nadelschliffen, Tubaphons oder Roksan-Shiraz' hörte – aus denselben Gründen wie Volker Bohlmeier.
Dessen Partner bei der Konstruktion von The Pickup war Leif Johannson, der seit einigen Jahren für Ortofon als Entwickler tätig ist. Er hat unter anderem das limitierte 90th-Anniversary-Model des SPU gebaut, das mich vor Jahren bei einem Test nachhaltig beeindruckte, verband es doch auf großartige Weise die Vorzüge des klassischen SPU mit einer zeitgemäßen Auflösung und Feinzeichnung. Ich bin jetzt schon auf die Variante zum 95. Firmenjubiläum gespannt: Was hinter den Kulissen auf der High End zu sehen war, wirkte zumindest ungemein vielversprechend. Auch das aktuelle Ortofon-Topmodell Anna Heritage, das beim Test des Catano aus der Klangwellenmanufaktur einen nicht unwesentlichen Anteil am enorm positiven Ergebnis hatte, trägt natürlich Leif Johannsons Handschrift.

Von der Bauform her erinnert der Einstein-Tonabnehmer ein wenig an die SPU-N-Modelle, die mit dem entsprechenden Adapter in Tonarmen mit dem üblichen Halbzoll-Headshell montiert werden können. Der Korpus von The Pickup besteht aus Dur-Aluminium, das Volker Bohlmeier beim Test von Prototypen Titan vorzog. Dieses habe zwar in einigen Teilbereichen Vorzüge, klänge in Summe aber nicht so stimmig wie eben ein Alu-Korpus. Auch bei der übrigen Materialauswahl setzte er meist auf Bewährtes. Statt aus einer der bei Ortofon bei den hochpreisigen Modell gern eingesetzten Gold/Silber-Kombinationen bestehen die Spulenwicklungen von The Pickup aus hochreinem Kupfer. Sie werden auf einen quadratischen Spulenträger aufgebracht, den ein Boron-Stäbchen mit dem Diamanten mit Shibata-Schliff verbindet. Der Innenwiderstand der Spulen liegt bei 12 Ohm, die Ausgangsspannnung bei 0,4 Millivolt. The Pickup stellt also keine übermäßigen Anforderungen an nachfolgende Phonostufen. Einsteins The Turntable's Choice in der symmetrischen Variante beispielsweise, der seit nun fast einem Jahrzehnt seinen Platz in meiner Kette behauptet, machte selbst bei der Hälfte des genannten Wertes in puncto Signal/Fremdspannungsabstand noch keinerlei Probleme.
Zum ersten Mal hörte ich The Pickup beim Funktionstest des Air Force One, als er, wie gesagt, im SME V montiert war. Und das Trio bezauberte mit einer derart weiträumigen und luftigen Abbildung, dass ich kurz darüber nachdachte, es ohne jegliche Veränderung zu beschreiben. Nach ein paar Stücken, in denen es vorrangig um die Dimensionen der imaginären Bühne ging, wurde dann aber Jonas Hellborgs unvermeidlicher Elegant Punk per Unterdruck auf den Teller des AFO gesaugt. Damit wurde schnell klar, dass das wohl doch recht ungleiche Trio im Tiefbass nicht an die Geschwindigkeit und den Druck heranreichte, den ich von Brinkmann LaGrange, Thales Simplicity und Lyra Olympos gewohnt bin. Und damit stand fest, dass sich The Pickup erst einmal einer genaueren Betrachtung in ansonsten bekannter Umgebung stellen musste.

Die Montage von The Pickup im Mini-Headshell des Thales geht locker von der Hand. Man sollte beim Einlegen von System und Headshell in die Justage-Einheit nur ein wenig aufpassen, dass die Nadel wegen der recht hohen Bauform des Abtasters nicht mit dem Plexiglas des Justage-Gestells kollidiert. Dieses perfekt gestaltete Zubehörteil des Thales stellt ja sicher, dass man die Ausrichtung des Tonabnehmers anhand des Nadelträgers statt wie sonst anhand der Gehäusekanten des Systems vornehmen kann, was immer dann von Vorteil ist, wenn der Nadelträger nicht perfekt parallel zu einer Kante montiert wurde. Bei The Pickup fällt nur auf, wie präzise mittig das Boronstäbchen mit dem Diamanten ausgerichtet wurde. Ein wenig stört allerdings, dass die zumindest bei meinem Exemplar farblich nicht gekennzeichneten Anschlussstifte des Einstein-Systems ausgesprochen dünn ausfallen. Das machte es nötig, die Feder-Clips am Ende der Tonarmkabel mit einer Pinzette zusammenzudrücken, damit ein sicherer Kontakt entsteht. Ich finde es immer ein wenig heikel, an einer solch sensiblen Verbindung wie der zwischen Tonarmkabel und Anschluss-Clip Kraft anwenden zu müssen.
Aber es ist noch einmal alles gut gegangen und The Pickup wandelt die in den Rillen von Dean Peers Ucross gespeicherten Signale in feine elektrische Spannungen. Die Solo-Elektrobass-Scheibe könnte man als Gegenentwurf zu Elegant Punk ansehen: Geht es Jonas Hellborg darum, den vollen Frequenzgang seines Instruments und seine virtuose Schnelligkeit zu demonstrieren, lebt Dean Peers Spiel von Stimmungen, Klangfarbenmalerei und den im Studio geschaffenen Hallräumen. Und wohl selten waren diese in all ihrer Ausdehnung und Tiefe so fein wahrzunehmen wie mit The Pickup. Aber man kann damit nicht nur in Feininformationen schwelgen. An den wenigen Stellen, an denen es der amerikanische Bassist mal wirklich krachen lässt, beweist der Einstein-Tonabnehmer dann seine dynamischen Fähigkeiten und seine souveräne Tieftonwiedergabe: Sie verbindet Druck und Farbigkeit auf feinste. So werden Dean Peers Monologe zu einem mitreißenden, in sich stimmigen Erlebnis – weit entfernt von einem kurzzeitig interessanten, dann aber nervenden Spektakel.
Vielleicht liegt's an den Erinnerung ans EMT, aber mir fällt gerade eine Scheibe ein, die Volker Bohlmeier 1994 mitproduzierte, über deren Entstehung ich meinen ersten Artikel für eine angesehene Hifi-Zeitung schrieb und die mich lange Jahre als Testscheibe begleitete, inzwischen aber in Vergessenheit geriet: das Reissue von Muddy Waters Folk Singer. Statt wie üblich gleich „Good Morning School Girl“ aufzulegen, fange ich mal vorne an und höre beide Seiten: So differenziert und mit einem so großen Raum habe ich die ehedem vertraute Aufnahme noch nicht erlebt. Das mag natürlich auch damit zu tun haben, dass zu den Zeiten, als ich ohne diesen Song keinen Test für komplett hielt, noch nicht über so gutes Equipment verfügte wie jetzt. Aber ein kurzer Quer-Check mit dem Brinkmann EMT ti im AMG-Arm bestätigt nur die besonderen Fähigkeiten von The Pickup in puncto Raumdarstellung. Die Aufnahmeumgebung wirkt größer, die Instrumente werden räumlich besser voneinander getrennt, und Willie Dixons schon immer leicht rumpelnder Kontrabass besitzt mehr Kontur. Besonders bei den Gitarren fallen plötzlich feinere dynamische Abstufungen auf. Und das beste daran: Die zusätzlichen Informationen tun dem Drive des Songs keinen Abbruch. Im Gegenteil!
Bevor ich mich zwei, drei meiner aktuellen Testscheiben zuwende, tauche ich noch einmal in die Zeit ab, in der Muddy Waters die Aufgabe zukam, mir verlässliche Einschätzungen von Komponenten zu ermöglichen – und zwar zusammen mit Dave Grusin und seinem „Keep Your Eye On The Sparrow“ vom Sheffield Lab Direktschnitt Discovered Again: Hier knallen die Drums, so wie ich es in bester Erinnerung habe, Ritenours E-Gitarre pluckert voller Effekte, Ron Carters Bass kommt mit Macht und für die nicht in allen Lagen hundertprozentig perfekte Aufnahme ausgesprochen definiert: Der ehemalige Klassiker hat nichts von seinem unwiderstehlichen Groove verloren, erstrahlt nun aber in satteren Klangfarben und lässt mehr Details erkennen. The Pickup verbindet packenden Drive mit penibler Feinzeichnung. Analyse und musikalischer Fluss sind hier keine Widersprüche, Spielfreude paart sich mit in keiner Weise vordergründiger Informationsfülle: So werden nostalgische Ausflüge zum Hochgenuss.
Natürlich habe ich auch noch einmal Elegant Punk aufgelegt und kann nun mit Gewissheit sagen, dass The Pickup im Thales auch im Tiefbass in Sachen Druck und Geschwindigkeit keine Wünsche mehr offen lässt. Pflichtschuldigst habe ich mich dann selbst um Klassik und sogar die ein oder andere Stimme nicht gedrückt: Ich habe keine Disziplin entdecken können, in der sich das Einstein-System auch nur die geringste Schwäche leistete. Fast wäre ich versucht zu schreiben, The Pickup sei ein idealer Allrounder mit besten Leistungen in allen Bereichen, aber ohne besondere Auffälligkeiten. Das mit dem Allrounder mit besten Leistungen kann so stehen bleiben. Aber zwei kleine Auffälligkeiten gibt es doch: die schon mehrfach erwähnte vorzügliche Raumdarstellung und die Riesenportion Spielfreude. Für soviel analogen Genuss geht auch der nicht unbeträchtliche Preis völlig in Ordnung – verglichen mit japanischen Pretiosen könnte man sich sogar dazu versteigen, das Einstein-System als überaus preiswert zu bezeichnen!

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Gehört mit
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|---|---|
| Plattenspieler | Brinkmann LaGrange mit Röhrennetzteil |
| Tonarm | AMG Viella 12‟, Thales Symplicity |
| Tonabnehmer | Brinkmann EMT ti, Lyra Olympos SL |
| Phonostufe | Einstein The Turntable‘s Choice (sym), van den Hul The Grail SB |
| Vorverstärker | EAR 912 |
| Endstufe | Ayon Epsilon |
| Lautsprecher | LumenWhite DiamondLight Monitors |
| Kabel | Precision Interface Technology, SwissCable, Göbel Statement, Audioplan Powercord S |
| Zubehör | PS Audio Power P5, Clearaudio Matrix, Sun Leiste, Audioplan Powerstar, HMS-Wandsteckdosen, Acapella Basen, Acoustic System Füße und Resonatoren, Finite Elemente Pagode Master Reference Heavy Duty und Cerabase, Harmonix Real Focus, Audio Exklusiv d.C.d Base, Feet und Silentplugs |
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Herstellerangaben
Einstein The Pick-Up
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|---|---|
| Generatorprinzip | Moving Coil |
| Nadelschliff | Shibata |
| Frequenzgang | 20 – 30kHz ±3dB |
| Ausgangsspannung | 0,4mV bei 5cm/sek |
| Kanalgleichheit | < 1dB bei 1kHz |
| empfohlene Auflagkraft | 2,3g ± 0,1g |
| Impedanz der Spule | 12Ω |
| Empfohlener Abschlusswiderstand | 150-300Ω |
| Dynamische Nadelnachgiebigkeit | 13µm/µN |
| Abtastfähigkeit bei 315 Hz | 80µm bei 2,2g |
| Vertikaler Abtastwinkel | 20º |
| Gewicht | 13g |
| Preis | 4400 Euro |
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Hersteller / Vertrieb
EINSTEIN Audio Components GmbH
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|---|---|
| Anschrift | Prinz Regent Straße 50-60 44795 Bochum |
| Telefon | +49 234 9731512 |
| info@einstein-audio.de | |
| Web | www.einstein-audio.de |
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Hersteller / Vertrieb
EINSTEIN Audio Components GmbH
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|---|---|
| Anschrift | Prinz Regent Straße 50-60 44795 Bochum |
| Telefon | +49 234 9731512 |
| info@einstein-audio.de | |
| Web | www.einstein-audio.de |
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Vertrieb
Tom Habke Audiovertrieb GmbH
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|---|---|
| Anschrift | Bismarckstr. 48 28203 Bremen |
| Telefon | +49 421 24199330 |
| kundenservice@tomhabke.de | |
| Web | www.tomhabke.de |
Thomas Mayer ist ein Hersteller, der bislang in der Highend Szene in Deutschland noch nicht so bekannt ist. International sieht die Sache wieder ganz anders aus; zudem ist er hier auch durch seine fundamentalen Fachkenntnisse ein gesuchter Gesprächspartner. Als Testgerät habe ich die „große“ Vorstufe 10Y ausgewählt

Die etwas kryptische Typenbezeichnung unseres Testgerätes bezieht sich auf den eingesetzten Röhrentyp. Üblicherweise findet man bei Röhrenverstärkern bekannte Gesichter, wie beispielsweise eine 300B, wo immer die auch herkommen mag, oder bei Vorstufen irgend eine ECC8x. Das muss nun beileibe nichts Schlechtes sein, aber es geht eben auch anders. Wenn man mit NOS Röhren arbeiten will – und die Fans wissen warum –, dann muss man sich nach anderen Typen umsehen, nachdem die Lagerbestände der gängigen Röhren alle in Übersee gelandet sind. Trotzdem gibt es nach wie vor hervorragend geeignete und qualitativ hochwertige Röhren. Man muss sie nur zum Leben erwecken. Und man kann dabei leider nicht auf alte, bekannte Schaltungen von Tektronix, Telefunken oder ähnliche zurückgreifen, sondern muss sie selbst entwickeln.
Bei der vorliegenden 10Y handelt es sich um eine einstufige, in reiner Class-A-Technik und komplett manuell aufgebaute Vorstufe. Bevor jetzt einer denkt: noch’n Gedicht neuer Verstärkerhersteller und sich lieber dem Fernsehprogramm zuwendet, kann ich nur sagen, hier versäumt man etwas! Wenn ich jetzt mit dem Satz komme, alle Geräte werden mit den besten verfügbaren Komponenten aufgebaut, kommt natürlich postwendend: kenn’ ich schon, das sagen ja alle...

Also probieren wir es einmal anders, die Geräte von Thomas Mayer haben eine Option, die ich sonst noch bei keinem Hersteller gesehen habe: Der Käufer kann – bis zu einem gewissen Grade – bei der Auswahl der Komponenten Wünsche äußern. Zunächst einmal gibt es zwei optische Varianten, der traditionelle Aufbau, sozusagen im „Landschaftsbau“, bei dem alle sichtbaren Bauteile, einschließlich Schalter und Buchsen, auf der oberen Platine angebracht sind. Oder aber, wie bei diesem Modell, eine etwas modernere Form mit den Reglern auf der Frontplatte. Zusätzlich kann zwischen verschiedenen Hölzern der Zarge sowie bei den Farben für Haube und Kondensatoren gewählt werden. Vergoldung mit Brillanteneinsatz für den Scheich kostet wahrscheinlich extra.

Interessanter sind aber die Möglichkeiten zwischen verschiedenen Transformatoren und Autoformern zu wählen. Mayer hat sich noch rechtzeitig mit Übertragern der japanischen Firma Tango eingedeckt, die bedauerlicherweise den Betrieb eingestellt hat. Diese gehörten zu den Besten, die der Markt zu bieten hatte. Logischerweise ist diese Option natürlich begrenzt. Üblicherweise werden bei seinen Vorstufen Übertrager der Firma Lundahl eingesetzt, hier kann man dann zwischen einer Wicklung mit Kupfer- oder Silberdraht wählen. Wobei die Silberdrahtwicklung einen nicht unerheblichen Aufpreis nach sich zieht. Gleiches gilt für die Eingangstransformatoren, sofern solche zum Einsatz kommen. Die Eingänge der Vorstufe können auch über Transformatoren symmetriert werden, so wie dies im Profibereich üblich ist.
Thomas Mayer bevorzugt bei allen seinen Vorstufen eine induktive Lautstärkeregelung, also über einen Autoformer, wie dies bei dem „Meteor“ von Audio Consulting. Diese Technologie wurde früher bereits von Western Electric eingesetzt und in den 70-ern von Luxman wieder aufgegriffen. Leider ist sie heutzutage aus Kostengründen fast gänzlich vom Markt verschwunden. Übrigens, auch bei Hochtönern waren früher Transformatoren zur Pegelanpassung Gang und Gäbe. Die Regelung über ein Potentiometer hat einen gravierenden Nachteil, die nichtbenötigte Energie wird über Masse „vernichtet“. Man kann sich hier einen Automotor mit konstanter Drehzahl vorstellen, wobei man die Geschwindigkeit des Autos dann über entsprechenden Einsatz der Bremse reguliert. In dieser Analogie entspräche der Autoformer dann einem Getriebe.

Zurück zur 10Y Vorstufe, hier bietet Thomas Mayer zwei Varianten an: die Kombination Lundahl-Ausgangstrafo plus Autoformer der amerikanischen Firma Inputaudio. Oder – wie hier – ein spezieller Ausgangstrafo des holländischen Spezialisten Tribute. Der Holländer wickelt jeden Trafo speziell nach den Vorgaben des Kunden, es existiert praktisch kein Katalog mit bestimmten, vorgefertigten Typen. Jedenfalls wurden hier die Primärwicklung und der Luftspalt speziell auf die einsetzbaren 10Y/801 Trioden ausgelegt und die Sekundärwicklung für die Lautstärkeregelung mit 24 Abgriffen versehen. Mit beiden Versionen lässt sich die Lautstärke in Zwei-Dezibel-Schritten regulieren. Beide Varianten haben ihre Vorzüge und geringfügig unterschiedliche tonale Eigenschaften. Am Besten hier mit Thomas Mayer selbst reden, um herauszufinden, was für den eigenen Geschmack und die vorhandenen Komponenten am besten passen könnte.

Zudem kann die hier vorliegende Vorstufe mit zwei unterschiedlichen Röhren betrieben werden: entweder mit einer 10Y oder einer 801 Triode. Noch nie davon gehört? Beides sind direkt beheizte Trioden, mit denen Mayer sehr große Erfahrung hat, weshalb er sie optimal nutzen kann. Der Einsatz dieser deutlich größeren Röhren hat nun nichts mit Sigmund Freud zu tun, sondern der Vorteil dieser Trioden liegt in der sehr guten Linearität, wodurch eine Wiedergabe mit sehr geringen Verzerrungen möglich wird. Zudem besitzen diese Trioden thorierte Wolframkathoden (Heizfäden), mit denen ein sehr transparenter Klang möglich ist. Sofern man sie richtig einsetzt. Dazu gehört eine penibel ausgelegte Heizspannungsversorgung, Schlampereien in diesem Bereich sind sofort hörbar. Und eine Versorgung mit Gleichstrom ist ebenfalls Pflicht.
Die Vorstufe ist – wie alle Geräte aus dem Hause Mayer – komplett Punkt zu Punkt mit teflonisoliertem Silberdraht verdrahtet. Wenn nun jemand die Variante mit den Silberdraht-Übertragern wählt, dann erinnert dies schon sehr an Produkte aus einer berühmten Manufaktur in Japan. Zudem hat man sich über Mikrophonie Gedanken gemacht, diese ist ja bei Röhrengeräten – bei Transistoren übrigens auch – immer ein Thema, deshalb hat Mayer die Röhrensockel über ein Subchassis schwingungsdämpfend befestigt.

Bei unsrer Vorstufe kann man drei elementare Grundprinzipien der Designs von Thomas Mayer erkennen: 1. die Stromversorgung, 2. die Stromversorgung, 3. die Stromversorgung! Diese etwas plakative Darstellung zeigt natürlich nur einen Teilaspekt, aber Störungen im Stromnetz sind unser Feind Numero eins! Deshalb wird allergrößter Wert auf eine stabile Stromversorgung gelegt.
Die Gleichrichtung der Anodenspannung übernehmen TV-Dämpfer-Röhren, jeweils vier Stück in einer Graetz-Brückenschaltung. Diese Röhren wurden entwickelt, um auftretende Schwingungen beim Rücklauf des Elektronenstrahls bei Fernsehbildröhren zu dämpfen. Durch die hierfür erforderlichen Eigenschaften sind sie als Netzgleichrichterröhren ebenfalls hervorragend geeignet. Gefiltert wird anschließend immer passiv über Chokes, wobei mehrere Chokes und Kondensatoren zum Einsatz kommen. Auch hier werden nur Chokes von Lundahl eingesetzt, bei den Kondensatoren handelt es sich um NOS Folientypen des amerikanischen Herstellers Sprague. Ähnliches gilt für die Heizspannungsversorgung, hier allerdings in etwas einfacherer Ausführung und mit Schottkydioden als Gleichrichter. Somit bringt das getrennte Netzteil gut 20 Kilogramm auf die Waage.

Verbunden werden die beiden Komponenten über ein geschirmtes Kabel; im Inneren der Vorstufe wird die Hochspannung für den linken und rechten Kanal zusätzlich über separate LC-Filter voneinander getrennt. Wer bei den Steckverbindern an Nato-oliv und die Bundeswehr denkt, liegt genau richtig! Die hier eingesetzten Amphenol-Verbinder werden primär für das Militär und für die Industrie gefertigt.
So, wie klingt es denn nun mit der Vorstufe in der Kette? Von hier ab wird die Sache schwieriger. Es ist immer einfach, ein Gerät mit irgendwelchen Fehlern oder herausfallenden tonalen Eigenschaften zu beschreiben, wenn man aber nichts Derartiges findet, was dann? Für spezielle Fragen habe ich eine spezielle Aufnahme in der Hinterhand, mit der ich sehr schnell sehen kann, was Sache ist. Dies ist eine Aufnahme meiner großen Tochter, sie singt dort ohne Begleitung den Titel „Angel Eyes“ von Matt Dennis. Einfach ohne großes Brimborium in den Recorder gesungen, ein leichter Brumm ist auch mit dabei, Dirk Sommer würde sich wahrscheinlich die Haare raufen. Nachdem mir ihre Stimme natürlich bestens vertraut ist, kann ich aber auf diesem Wege sehr leicht feststellen, ob die gebotene Wiedergabe nun meiner Tochter entspricht oder nicht. Und da kann ich sagen, so authentisch wie mit der 10Y habe ich diese Aufnahme noch nie gehört. Um das Ganze einmal mehr unter Hifi-Gesichtspunkten zu betrachten: Die Stimmverständigkeit hat sich mit einem Schlag verbessert, ohne dass dabei andere Bereiche in Mitleidenschaft gezogen werden, wie beispielsweise durch erhöhte Präsenz. Ein anderer Aspekt ist hier auch klar zu hören, direkt beheizte Trioden können Stimmen mit einer besonderen Magie wiedergeben. Das soll aber nicht heißen, dass meine Tochter über den Verstärker nun besser singt, als sie eigentlich kann...
Nun ist diese Aufnahme natürlich nichts, mit dem außer mir irgendjemand anderes etwas anfangen kann, deshalb habe ich als nächstes die CD Mozart, eine Aufnahme mit Claudio Abbado und Martha Argerich herausgesucht.
Diese entstand während des Luzern Festivals letzten Jahres und beinhaltet zwei Klavierkonzerte von Wolfgang Amadeus Mozart. Hier treffen nun zwei völlig unterschiedliche Charaktere aufeinander, auf der einen Seite Abbado als eher besonnener Maestro, auf der anderen Argerich als temperamentvolle Latina. Nun gilt Mozart nicht unbedingt als die ganz große Stärke italienischer Dirigenten, oftmals geht die Interpretation zu sehr in Richtung Gute-Laune-Musik. Die Einspielung hier fällt nun völlig aus dem üblichen Klischee, sie wirkt unheimlich griffig mit sehr viel Substanz. Dazu trägt natürlich auch der furiose Stil von La Martha bei. Ein Problem beim Orchesterklang fällt über die Vorstufe sofort auf, das Orchester zerfällt stellenweise in einzelne Instrumentengruppen. Schwer zu sagen, ob das nun am Dirigat, oder an der Aufnahme liegt, jedenfalls bleibt der 10Y auch hier nichts verborgen. Das Klavier dagegen wird sehr plastisch wiedergegeben und steht deutlich vor dem Orchester, die Anschläge kommen mit Wucht und Präzision.
Allgemein kann man bei dieser Aufnahme feststellen, dass die Abbildung des Orchesters mit der 10Y etwas mehr in die Tiefe geht als in die Breite.
Als nächstes lassen wir John McLaughlin mit seinen Mitstreitern Kai Eckhardt und Triok Gurtu eine Runde spielen. Die Aufnahme entstand 1989 in der Royal Festival Hall in London. 1989 war noch nicht unbedingt die technische Blütezeit der Digitalkunst, die Aufnahme ist aber nicht schlecht gelungen. Mit der 10Y hört man durchaus, dass da noch mehr in den Rillen, äh Bits steckt, als bisher gehört. Beispielsweise bei Kai Eckhardt mit seinem Schack-Bass; zu der Zeit waren gerade die Headless Bässe in Mode gekommen, also Instrumente, die aussehen wie geköpft, weil die Kopfplatte mit den Einstellwirbeln fehlt. Eckhardt spielt natürlich auch so ein Teil, aber zusätzlich noch mit einem Carbonhals bestückt. Dies führt dann zu einem drahtigen, leicht sterilen Ton, der so deutlich allerdings bisher noch nie zu hören war. Die Slap-Einlagen kommen mit Druck und Präzision, was sicher ein Vorteil dieser Basskonstruktion ist. Auch ist klar zu hören, dass McLaughlin auf der Akustikgitarre nicht mit den Fingern spielt, wie ein Flamencogitarrist, sondern mit dem Plektrum. Die Gitarre wird auch wunderbar plastisch abgebildet, was früher einfach nicht in der Form zu hören war. Und immer auf die Aufnahmequalität geschoben wurde.
Es gibt eine neue, hervorragende Einspielung der Beethoven Diabelli Variationen mit dem Ungarn András Schiff. Der Pianist wollte hier nicht die hundertste Version dieser Komposition einspielen, sondern hat sich etwas Besonderes einfallen lassen. Neben seiner exquisiten Spieltechnik natürlich. Schiff hat die Variationen einmal auf einem Hammerflügel von Franz Brodmann aus den Jahre 1820 eingespielt und zusätzlich noch auf einem moderneren Flügel der Firma Bechstein von 1921. Dem Pianisten geht es hier natürlich nicht um Hifi, sondern darum, zu vermitteln, wie die Musik zu Lebzeiten Beethovens wohl geklungen haben könnte. Man kann aber diese Aufnahme gut für Hifi-Zwecke missbrauchen.
Ich hatte diese Aufnahme natürlich schon vorher auf verschiedenen Kombinationen gehört und der unterschiedliche Charakter der Instrumente war mir durchaus bewusst. Mit der 10Y wird die Aufnahme mit dem Hammerflügel wie eine Zeitreise in eine vergangene Welt. Die eher subtilen Klangfarben des Hammerflügels werden hervorragend übermittelt. Das Instrument klingt weniger voluminös mit mehr Obertönen und etwas trockener, als man es von modernen Flügeln gewohnt ist. Diese Unterschiede kann man keinesfalls in jedem Setup so deutlich hören, in vielen Fällen wird gar nicht groß auffallen, dass es sich bei der zweiten CD um ein völlig anderes Instrument aus einer anderen Zeit handelt. Damit würde allerdings auch eine elementare Aussage, die Schiff mit dieser Einspielung bezweckt hat, verloren gehen. Der Flügel wird sehr klar umrissen abgebildet und steht fast physisch im Raum. Toll!
Letztlich ist es immer die gesamte Kette, die Musik macht. Das ist natürlich eine Binsenweisheit, wird aber trotzdem oft ignoriert. Bezogen auf die 10Y bedeutet dies, dass diese hier sozusagen ein Heimspiel hat und in Kombination mit der hauseigenen Elrog 211 Endstufe spielen kann. Die Geräte sind natürlich irgendwie aufeinander abgestimmt und können jetzt die beste Performance abliefern. Der Grundtenor liegt hierbei auf einer holistischen Wiedergabe. Kein Bereich springt sofort ins Auge, die Musik wird als Ganzes dargestellt. Die 10Y macht es einem sehr leicht, sich auf die Musik zu konzentrieren und den ganzen technischen Kram zu vergessen. Wenn ich nun unbedingt irgendeinen Aspekt hervorheben müsste, dann würde mir die ungewöhnliche hohe Auflösung einfallen. Der 10Y entgeht nix! Allerdings ist die Auflösung harmonisch in die Musik integriert, wie in natura auch. Wenn nun Martha Argerich direkt vor uns Klavier spielen würde, hätten wir 100 Prozent Auflösung, ohne dass man sich darüber irgendwelche Gedanken machen würde. So sollte es im Hifi-Bereich auch sein. Die Vorstufe verbindet die Magie der direkt geheizten Trioden mit exzellenter Auflösung. Dabei klingt sie sehr neutral und nicht euphonisch.

Einen interessanten und sehr wichtigen Aspekt möchte ich nicht unerwähnt lassen: die Geräte rauschen nicht, brummen nicht, knistern nicht oder machen sonst irgendwelche Mätzchen, wenn es draußen zu regnen beginnt. Einfach nur einschalten und Musik hören und nach ein paar Jahren die Röhren tauschen. Dies kenne ich mittlerweile aus eigener, jahrelanger Erfahrung mit Geräten dieses Herstellers, ich habe im Betrieb nie irgendwelche Probleme gehabt. Zudem können ängstliche Gemüter beruhigt sein, für Röhrenersatz ist gesorgt. Thomas Mayer verfügt über ein riesiges Arsenal an Röhren, trotzdem ist es sicher nicht verkehrt, sich einen kleinen Vorrat an Ersatzröhren zuzulegen. Dies gilt natürlich auch für andere Hersteller.
Was ich nicht gleich verraten habe, innerhalb der Röhrenfamilie gibt es noch andere Typen, die man einsetzen kann: 10, UX210, 10Y, VT25, VT25A, 801, 801A, VT62 und 1602. Für den „Tuberoller“ die geeignete Spielwiese! Die oben beschriebenen Klangbeispiele wurden mit einer Taylor VT25, also einer Militärversion der 10Y gemacht. Als nächstes habe ich einmal aus meinem privaten Fundus eine 801 mit Keramiksockel und Graphitanode eingesetzt. Diese mittlerweile schon seltener gewordene Röhre ist bekannt für ihre Mikrophonie-Armut. Dies äußert sich nun in einer noch klareren und detaillierteren Wiedergabe. Kann aber manchmal ein bisschen kühl wirken, insbesondere bei Frauenstimmen. Das ist aber reine Geschmackssache. Als letztes stand noch ein Paar VT25 in Globe-Form zur Verfügung, hier handelt es sich gewissermaßen um den Großvater der 10Y. Bei diesen Röhren fehlt oben das Glimmerplättchen, mit dem bei neueren Typen die Elektroden an der Anode gegen den Glaskolben abgestützt wurden. Deshalb ist sie etwas mikrophonie-empfindlicher. Jedenfalls wird die Wiedergabe hiermit deutlich farbiger und filigraner, mit mehr Soul, allerdings auch weniger kräftig. Das mag natürlich auch daran liegen, dass man von diesen Typen kaum noch ungebrauchte Exemplare findet und man deshalb nie weiß, wie viele Stunden sie schon auf dem Buckel haben. Trotzdem eine hochinteressante Erfahrung.
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Gehört mit
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|---|---|
| Digitallaufwerk | Ayon CDT, Aurender W20 |
| D/A Wandler | Borbely Audio, totalDAC d1-monobloc |
| Laufwerk | Apolyt |
| Tonarm | Triplanar |
| Tonabnehmer | Clearaudio Goldmund, Van den Hul Grashopper |
| Vorstufe | Shindo Monbrison |
| Endstufe | Thomas Mayer 211SE Elrog, 6HS5 PSE, Shindo Cortese |
| Lautsprecher | WVL 100i, Ancient Audio Studio Oslo |
| Kabel | Audio Consulting Reference RCA, Swisscables Reference NF, Swisscables Reference LS, Auditorium23 LS, Swisscables Netz |
| Zubehör | LeadingEdge Gerätebasis, LeadingEdge Minipaneele |
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Herstellerangaben
Thomas Mayer 10Y
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|---|---|
| Verstärkung | 3 dB 15 dB in der vorliegenden Version. Kann gewählt werden. |
| Ausgangswiderstand | 50 Ohm Trioden Gleichstrom geheizt |
| Gewicht | 20kg |
| Höhe | 260 mm |
| Breite | 270 mm |
| Tiefe | 400 mm |
| Preis | 12.500 Euro ( abhängig von der Ausführung) |
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Hersteller
Thomas Mayer
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|---|---|
| Anschrift | Robert Boschstr. 26a 88131 Lindau |
| Telefon | +49 173 3773747 |
| thomas@vinylsavor.de | |
| Web | www.vinylsavor.blogspot.com |

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Hersteller
Thomas Mayer
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|---|---|
| Anschrift | Robert Boschstr. 26a 88131 Lindau |
| Telefon | +49 173 3773747 |
| thomas@vinylsavor.de | |
| Web | www.vinylsavor.blogspot.com |