Klangbibliothek.

Griff

Tonabnehmer Ortofon SPU Royal (Mk I)
Tonarm Ortofon 309i
Verkabelung Ortofon TSW-5000 Silver
Übertrager Ortofon SPU-T100
Phonostufe Burmester Phono Preamp 100
Musik „Griff‟
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Dienstag, 01 Februar 2011 00:00

Burmester Phono Preamp 100

geschrieben von
Dem Analogfan geht es gut in digitalen Zeiten: Nie hatte er die Wahl unter so vielen exzellenten Phonostufen wie heute. Was bleibt einem Hersteller vom Range Burmesters da zu tun? Einfach ein weiteres Modell auf den Markt zu bringen, ist der Berliner Edelschmiede natürlich zu wenig. Und deshalb können wir uns über einen der opulentest ausgestatteten Entzerrer voll neuer Ideen freuen.

Selbstverständlich erstrahlt auch die Frontplatte des Phono Preamp ganzflächig im firmentypischen Chrom. Den dunklen Streifen hat unser Fotograf eingespiegelt
Selbstverständlich erstrahlt auch die Frontplatte des Phono Preamp ganzflächig im firmentypischen Chrom. Den dunklen Streifen hat unser Fotograf eingespiegelt

Der Phono Preamp 100 verarbeitet die Signale von zwei Tonabnehmern, kann per Fernbedienung in der Lautstärke geregelt Endstufen direkt ansteuern und die feinstens aufbereiteten Signale auch gleich digitalisieren. Noch vor zwei, drei Jahren hätte mich das letztgenannte Ausstattungsmerkmal voll analoger Entrüstung vor der „Phonostufe der Superlative‟ – so die nicht sonderlich zurückhaltende Produktinformation – zurückschrecken lassen. Heute ist es eher ein Grund mehr, sich intensiv mit dem Gerät zu beschäftigen. Bei der Fülle der möglichen Varianten und Funktionen sollte dies allerdings ein wenig systematischer geschehen: Der Phono Preamp ist – wie bei Burmester-Komponenten in vielen Fällen üblich – modular aufgebaut: Das Grundgerät kann mit ein oder zwei Einschüben bestückt werden, bei denen man sich entscheiden muss, ob sie für den Anschluss von Moving-Magnet- oder Moving-Coil-Systemen ausgelegt sein sollen. Das MM-Modul bietet als Lastkapazitäten 68, 120, 180, 220, 300 oder 400 Picofarad an. Die Verstärkung kann in Drei-Dezibel-Schritten zwischen 37 und 53 Dezibel eingestellt werden. Beim MC-Einschub reicht der Bereich von 57 bis 72 Dezibel. Als Lastimpedanzen sind 33, 47, 91, 120, 390 und 47000 Ohm vorgegeben. Die Steuerlogik erkennt, welche Module eingebaut sind und merkt sich für dieses oder diese auch den Verstärkungsfaktor und die eingestellte Last, so dass beim Umschalten zwischen den Eingängen die vorher verwendeten Werte wieder zur Verfügung stehen.

Die Steuerlogik speichert beim Umschalten zwischen den Modulen die gewählte kapazitive oder ohmsche Last sowie den Verstärkungsfaktor
Die Steuerlogik speichert beim Umschalten zwischen den Modulen die gewählte kapazitive oder ohmsche Last sowie den Verstärkungsfaktor

Nach der Eingangswahl folgt dann ein Subsonic-Filter, über dessen Spezifikationen allerdings keine Informationen zu bekommen waren. Ein weiterer Schalter erlaubt die Erhöhung der Ausgangslautstärke um sechs Dezibel. Damit kann sichergestellt werden, dass der Pegel der 100er auch dann ausreicht, wenn sie als Vorstufe eingesetzt wird und ihre Ausgänge mit Endstufen oder Aktiv-Boxen verbunden sind. Für diese Anwendung kann über die mitgelieferte Fernbedienung die Lautstärke geregelt werden. Ein versehentliches Umschalten zwischen fixem und variablem Ausgangspegel samt negativen Folgen für nachfolgende Geräte und die Ohren des Benutzers ist so gut wie ausgeschlossen, da man für die Änderung gleich drei benachbarte Schalter in der vorgegebenen Position halten muss, während man gleichzeitig von Standby auf On schaltet.

Der Phono Preamp kann Endstufen und Aktiv-Lautsprecher auch direkt ansteuern. Dann wird die Lautstärke über die entsprechenden Tasten auf der schweren, metallenen Fernbedienung geregelt.
Der Phono Preamp kann Endstufen und Aktiv-Lautsprecher auch direkt ansteuern. Dann wird die Lautstärke über die entsprechenden Tasten auf der schweren, metallenen Fernbedienung geregelt.

Ein weiterer Grund für die zweistufige Verstärkungseinstellung ist die Möglichkeit, den Phono Preamp mit einem Analog/Digital-Wandler-Modul auszustatten: Um dessen volle Auflösung zu nutzen, sollte das Signal kurz unter Vollaussteuerung liegen, wobei jedoch eine auch noch so kurze Übersteuerung zu vermeiden ist. Zur Kontrolle dient ein leicht nostalgisch wirkendes Zeigerinstrument sowie zur Anzeige von extrem kurzen Signalspitzen eine trägheitslose LED. Nicht ganz ins so überaus positive Bild will allerdings passen, dass am USB-Ausgang, der ja den einfachsten Zugang in die digitale Welt darstellt, nur ein Signal mit einer Wortbreite von 24 Bit und einer Abtastrate von 48 Kilohertz anliegt. Über S/PDIF und Toslink gibt der 100er dann erfreulicherweise die mit bis zu 192 Kilohertz gewandelten Phonosignale aus. Mit einem Taster auf der Front kann man zwischen diesen Maximalwert, 96 und 48 Kilohertz wählen. Ich vermute mal, dass die Beschränkung auf 48 Kilohertz beim USB-Ausgang nur eine temporäre ist: Die Modulbauweise erlaubt es Burmester, auch an dieser Stelle ohne allzu großen Aufwand kommenden Entwicklungen zu folgen, denn noch sind 192 Kilohertz über USB bei Windows-Rechnern kein weitverbreiteter Standard.

Weit davon entfernt, zum Standard bei Phonostufen zu zählen, ist Burmesters – so weit ich weiß – bisher einzigartige Auto Adjust-Schaltung, die selbstätig Kanalungleichheiten von Tonabnehmern ausgleichen soll. Dazu benötigt man eine Messschallplatte mit einen 1-Kilohertz-Signal, die der Phonostufe beiliegt, drückt beim Ertönen dieses Signals den Auto-Adjust-Taster für zwei Sekunden nach oben und schon hat die Automatik Ungleichheiten von bis zu sechs Dezibel ausgebügelt. Ob man einen Tonabnehmer mit derart abweichenden Ausgangsspannungen überhaupt akzeptiert, sei dahingestellt. Beim Erstellen der Hifistatement Klangbeispiele habe ich mit Freude feststellen können, dass alle bisher vorgestellten Abtaster nach korrekter Antiskating-Einstellung eine Kanalungleichheit von maximal 0,5 Dezibel aufwiesen. Ich bin gespannt, ob Burmesters Innovation auch in diesem Fall noch Verbesserungen bringt.


Selbstverständlich lässt sich der Phono Preamp in das Burlink-System integrieren. Bei den Digitalausgängen wünschte ich mir auch einen nach AES/EBU-Norm
Selbstverständlich lässt sich der Phono Preamp in das Burlink-System integrieren. Bei den Digitalausgängen wünschte ich mir auch einen nach AES/EBU-Norm

Über die Verarbeitungs- und Bauteilequalität braucht man bei einer Komponente aus der Berliner High-End-Schmiede ja keine Worte mehr zu verlieren, weshalb ich nur noch kurz anmerke, dass in den Ausgangsstufen die bewährten X-Amp 2-Module zum Einsatz kommen, deren kräftige Treiber weder bei niederohmigen Eingängen des folgenden Gerätes noch bei großen Kabellängen klangliche Beeinträchtigungen erwarten lassen. Das wichtigste technische Merkmal des Phono Preamps – ohne ins Detail zu gehen, was Burmesters Informationspolitik sowieso nahezu unmöglich macht – ist für mich jedoch seine symmetrische Signalverarbeitung. Einmal ganz davon abgesehen, dass ein Tonabnehmer eine ideale symmetrische Signalquelle darstellt, macht diese Schaltungsart dem Phonofreund den Alltag leichter, selbst wenn es nur um solche Kleinigkeiten geht, wie das An- und Ausschalten einer nahe beim Laufwerk stehenden Lampe. Bei einer symmetrischen Phonostufe braucht man nicht zu fürchten, einen mehr oder minder lauten Knackser über die Anlage zu hören. Auch andere Störsignale werden bei einer hohen Gleichtaktunterdrückung des Verstärkers – und die weist der 100 selbstverständlich auf, auch wenn Dieter Burmester hier keine Zahlen nennt – nahezu völlig eliminiert. Wer einmal einen guten symmetrischen Phonoentzerrer gehört hat, wird diese nahezu gänzliche Abwesenheit von Nebengeräuschen nicht mehr missen wollen. Mich stört weder das Laufgeräusch der Nadel in der Rille noch das – wenn überhaupt in Pausen hörbare – leichte Bandrauschen. Die Elektronik aber sollte zu dem nichts mehr beitragen. Und das tut der Phono Preamp auch nicht.

Selbstverständlich habe ich den Burmester symmetrisch mit meiner Brinkmann-Vorstufe verbunden – und beinahe gleich eine Phasendrehung verursacht. Erfreulicherweise lässt einem der Entzerrer per Schiebeschalter die Wahl, ob Pin 2 der XLR-Buchse das „positive‟ oder „negative‟ Signal führt. Nach deutscher Studionorm sollte es das „positive‟ sein, wozu man den Schalter auf 180 (Grad Phasendrehung) stellen muss. Da beim Eingang des 100ers der Anschluss 2 aber als „negativ‟ festgelegt wurde, wäre eine Drehung des Signals am Ausgang kontraproduktiv: Das Signal, das an Pin 2 des XLR-Steckers am Tonarmkabel anliegt – und das ist bei meinen Armen das „positive‟ – sollte den Verstärker ohne Phasendrehung durchlaufen.

Beispielgebend: Symmetrische Eingänge mit der Angabe der Belegung sowie unsymmetrische und symmetrische Ausgänge, wobei bei letzteren die Phase gedreht werden kann
Beispielgebend: Symmetrische Eingänge mit der Angabe der Belegung sowie unsymmetrische und symmetrische Ausgänge, wobei bei letzteren die Phase gedreht werden kann

Dankenswerterweise durfte der Phono Preamp eine ganze Zeit in meinem Hörraum verbringen, wo er mich zu den digitalen Klangbeispielen inspiriert hat, deren Erstellung mich dann leider viel zu lange von ihm ablenkte. Aber die ersten Höreindrücke waren so positiv, dass ich mich entschloss, schon vor dem Verfassen dieses Textes quasi als Appetithäppchen die Klangbeispiele 7,8 und 9 ins Netz zu stellen, in denen der Burmester die Signale eines Lyra Olympos für die Nagra LB entzerrt. Nein, Sie brauchen nicht zu befürchten, dass ich wegen dieser Kostproben auf jegliche Klangbeschreibung und einen Vergleich mit dem Einstein-Entzerrer verzichte. Ich kann ja nicht voraussetzen, dass alle interessierten Leser das zur Wiedergabe von wav-Dateien mit 24 Bit und 96 Kilohertz nötige Equipment installiert haben und sich so selbst einen Eindruck vom Phono Preamp verschaffen können. Dennoch kann ich schon hier mindestens sechs weitere Downloads mit dem 100er versprechen.

Auch der Anschluss von unsymmetrisch verkabelten Tonarmen stellt dank der mitgelieferten Adapter kein Problem dar
Auch der Anschluss von unsymmetrisch verkabelten Tonarmen stellt dank der mitgelieferten Adapter kein Problem dar

Wohl weil ich mich in letzter Zeit viel zu oft mit eigenen Aufnahmen und dazu noch meist mit digitalen für unsere Download beschäftigt habe, freue ich mich jetzt richtig darauf, ein paar bestens bekannte Vinylscheiben wiederzuhören, die mir vor einem Jahr nur noch ein müdes Gähnen entlockt hätten. Eine davon ist natürlich Jonas Hellborgs Elegant Punk mit dem fast subsonischen „Drone‟ und dem Impulsgewitter „It‘s The Pits, Slight Return‟. Ich kann mich nicht erinnern, beim ersten Song die Griff- und feinsten rhythmischen Modulationsgeräusche über den mächtigen Tiefen so detailliert und präsent gehört zu haben wie nun beim Zusammenspiel von Air Tight PC-1 Supreme und Burmester. Dazu kommt diese unglaubliche Energie im Bassbereich: einfach fantastisch. Ein Wechsel zum Einstein zeigt dann, dass die Fülle an Feininformation zu einem guten Teil auf das Konto des Abtasters geht: Sie sind über „The Turntable‘s Choice‟ genauso differenziert zu hören. Allerdings bringt der in der untersten Oktave einen Hauch weniger Druck, zeichnet die Strukturen des Halls dafür aber minimal feiner nach. Doch egal welche der beiden vorzüglichen Phonostufen gerade aktiv ist: Es ist schier unglaublich, welche Kombination von feinsten Schwingungen und brachialer Energie ein im Prinzip ja recht grobes mechanisches Speichermedium wie die LP zu transportieren in der Lage ist.

Auch der Anschluss von unsymmetrisch verkabelten Tonarmen stellt dank der mitgelieferten Adapter kein Problem dar
Auch der Anschluss von unsymmetrisch verkabelten Tonarmen stellt dank der mitgelieferten Adapter kein Problem dar

Auch bei der schnellen Abfolge von ebenso flirrenden wie drückenden Slap-Sounds wird der leicht unterschiedliche Charakter der beiden Entzerrer deutlich. Der Burmester bildet das Geschehen etwas größer ab und verfügt über eine kleine Portion mehr Schub im unteren Frequenzbereich. Er spielt damit eine Spur gefälliger und beeindruckender als der Einstein, der das Knarzen des Basses und den virtuellen Raum ein wenig mehr in den Fokus rückt. Um ein mehrfaches übertrieben und ein wenig zugespitzt könnte man sagen, der Burmester orientiere sich stärker am Live-Erlebnis, während der Einstein etwas mehr intellektuelle Distanz wahre. Aber wie gesagt, so groß und griffig sind die klanglichen Unterschiede nicht, es geht hier lediglich darum, schwach ausgeprägte Tendenzen zu  beschreiben. Ich finde es übrigens gar nicht langweilig, sondern eher beruhigend, dass die klanglichen Differenzen ab einer gewissen (Preis-)Klasse relativ gering ausfallen. Wenn sie die finanziellen Vorgaben nicht zu Kompromissen zwingen, scheinen alle Entwickler ein recht ähnliches Ziel zu verfolgen. Es muss doch so etwas wie ein gemeinsames Klangideal geben. Ist man jedoch aus pekuniären Erwägungen gezwungen, Einschränkungen in Kauf zu nehmen, dann werden die Kompromisse in Bereichen eingegangen, die je nach individuellem Geschmack als weniger wichtig angesehen werden. Die Folge: In den bezahlbareren Regionen findet man viel häufiger Geräte mit ausgeprägtem Klangcharakter.


Der gut erkennbare modulare Aufbau ermöglicht eine problemlose Anpassung der Phonostufe an die individuellen Bedürfnisse des Kunden
Der gut erkennbare modulare Aufbau ermöglicht eine problemlose Anpassung der Phonostufe an die individuellen Bedürfnisse des Kunden

Doch zurück zum 100er: Hier arbeitete das Air Tight auf eine Last von 91 Ohm, beim Einstein auf eine von 85 Ohm. Wählt man beim Phono Preamp aber noch 29 Ohm mehr, schrumpfen die Unterschiede noch ein wenig, was die Fülle im Bassbereich anbelangt. Die Abbildungsgröße bleibt jedoch zur Gänze erhalten, und die Musiker scheinen noch engagierter zur Sache zu gehen. Mich macht ein Air Tight am Burmester mit 120 Ohm jedenfalls wunschlos glücklich: Spielfreude ohne Ende, eine riesige Bühne und eine ebenso große wie zum Greifen plastische Darstellung! Wer sich mal wirklich etwas Gutes gönnen möchte, lege Keith Jarretts Standards, Vol. 1 (ECM 1255) auf, senke die Nadel in „God Bless The Child‟, drehe den Lautstärkeregler beherzt nach rechts und schwelge 15 Minuten lang in Rhythmus, Klangfarben und Groove. Da bedarf es keines weiteren Vergleichs, um die enormen Fähigkeiten des Burmester zu erkennen. Der Phono Preamp hat unbedingt Systeme von der Klasse eines Air Tight verdient.

Bei Tonabnehmern, die geeignet wären, dem Moving-Magnet-Eingang des Burmester einmal ein wenig auf den Zahn zu fühlen, sieht es bei mir recht mau aus. Deshalb montiere ich den Ortofon 309i auf dem LaGrange, schraube ein SPU Royal in die Systemhalterung, verbinde das Tonarmkabel mit dem Übertrager SPU-T100 und dessen Ausgang mit dem MM-Eingang des 100ers. Da der Trafo lediglich unsymmetrische Anschlüsse bietet, nehmen die Cinch-Kabel über die dem Burmester beigepackten Cinch-XLR-Adapter Kontakt mit der Phonostufe auf – was trotz der verschiedenen Gehäusemassen auf Anhieb gänzlich ohne Brummschleifen funktioniert. Einer alten Columbia MS 6069 mit Leonard Bernsteins Version von Rimsky-Korsakovs Scheherazade entlockt die Kombination ein farbstarkes dynamisches Klangbild, das trotz aller Hochtonenergie immer auf der angenehmen Seite bleibt. Auch Abbildungsgröße und Raumanmutung können überzeugen. Wer jedoch moderne Tonabnehmer gewohnt ist, wird beim SPU erfahrungsgemäß ein wenig Feinauflösung vermissen, die allerdings beim mäßigen Zustand des alten Originals eher kontraproduktiv wäre. Das leichte Rumpeln der Scheibe, das wahrscheinlich vom Mastertape stammt, ist mit dem Filter des Burmester gut in den Griff zu bekommen, ohne dass der übrige Tieftonbereich darunter leiden würde. Hier sind die Parameter ohrenscheinlich perfekt gewählt.

Die X-Amp 2 Module sind diskret aufgebaute Operationsverstärker, die selbst niederohmige Lasten und lange Kabel treiben können
Die X-Amp 2 Module sind diskret aufgebaute Operationsverstärker, die selbst niederohmige Lasten und lange Kabel treiben können

Da ich bisher MC-Phonostufen fast immer der Kombination aus MM-Eingang und Übertrager vorgezogen habe, mache ich beim Burmester die Probe aufs Exempel. Der unsymmetrische Signalweg durch den SPU-T100 muss sich gegen den symmetrischen Anschuss des SPU direkt an den Phono Preamp behaupten: Dafür liegt seit langer Zeit wieder einmal Joacquin Rodrigos Concierto de Aranjuez (Philips 9500 563) auf dem Teller des LaGrange. Und was das SPU samt Übertrager und MM-Modul da aus den Rillen zaubert, ist einfach grandios: Musikalischer Fluß, Klangfarben und die Plastizität der imaginären Bühne ziehen den Zuhörer unwiderstehlich in den Bann dieser gelungenen Einspielung. Da bringt auch der direkte Anschluss des SPU an den 100er keinen Vorteil: Über das MC-Modul klingt die Scheibe minimal differenzierter, aber auch einen Hauch technischer, weniger fließend. Und daraus darf man getrost schließen, dass das MM-Modul der großartigen MC-Variante zumindest ebenbürtig ist. Aber das können Sie in Kürze selbst feststellen: In spätesten einer Woche werden Sie in unserer Bibliothek die Klangbeispiele 28 bis 33 finden, in denen die bekannten Test-Tracks einmal per MC-Modul und einmal via Übertrager und MM-Platinen zu hören sein werden.
 
Bei der Aufnahme habe ich dann auch noch gleich die Auto-Adjust-Funktion ausprobiert: Die Kanalungleichheiten von SPU und Übertrager addierten sich zu etwas unter 0,8 Dezibel. Die kinderleicht zu bedienende Automatik des Phono Preamp drückte den Wert auf ein wenig unter 0,5 Dezibel. Burmesters Schaltung vermag also selbst sehr guten Systemen noch den letzten Schliff zu geben. Sie arbeitet eben wie alles an diesem Verstärker: sehr überzeugend!

Die Platinen der MC- und MM-Entzerrer sind völlig kanalgetrennt aufgebaut und übereinander montiert
Die Platinen der MC- und MM-Entzerrer sind völlig kanalgetrennt aufgebaut und übereinander montiert

Auch auf die Gefahr hin, den ein oder anderen Computer-Hifi-interessierten Analogfan zu enttäuschen: Nicht zuletzt aufgrund des jetzigen Umfangs des Textes verschiebe ich eine Beschäftigung mit dem A/D-Wandler des Phono Preamp, bis ein aktualisiertes Modul die Ausgabe von 192 Kilohertz-Signalen per USB erlaubt.


STATEMENT

Beim Phono Preamp gehen Ausstattungsvielfalt und Komfort keinesfalls auf Kosten des fantastischen Klanges. Burmester beweist, dass der anspruchsvolle Analogfan beides haben kann – ohne die geringste Einschränkung. Und wem ein solches technisches Kabinettstückchen gelingt, der darf es meinetwegen auch gern „Phonostufe der Superlative‟ nennen. Denn er tut es mit Fug und Recht.
Gehört mit
Plattenspieler Brinkmann LaGrange mit Röhrennetzteil
Tonarm Brinkmann 12.1, SME V, Ortofon 309i, Kuzma 4Point
Tonabnehmer Lyra Olympos, Brinkmann EMT ti, Ortofon SPU Royal, Air Tight PC-1 Supreme
Phonostufe Einstein The Turntable’s Choice symmetrisch
Digitalrecorder Nagra LB, Nagra V
D/A-Wandler Northstar USB DAC 32, Prototyp
Vorverstärker Brinkmann Marconi
Endstufe Brinkmann Monos
Lautsprecher LumenWhite DiamondLight Monitors
Kabel Ortofon TSW 5000 Silber, Precision Interface Technology, Burmester,
Sunwire Reference, HMS Gran Finale Jubilee, Audioplan Powercord S
Zubehör PS Audio Power Plant Premier, Clearaudio Matrix, Sun Leiste,
Audioplan Powerstar, HMS-Wandsteckdosen, Acapella Basen,
Acoustic System Füße und Resonatoren, Finite Elemente Pagode
Master Reference Heavy Duty und Cerabase, Harmonix Real Focus
Herstellerangaben
Burmester Phono Preamp 100
Eingänge 2 x XLR, nach Wahl MC oder MM, Cinch über mitgelieferte Adapter
Ausgänge 1 XLR, 1 x Cinch
Ausgänge digital 1 x USB, 1x S/PDIF, 1 x TosLink
Preise Basisgerät incl. 1 Phonomodul 9800 Euro
zusätzliches Modul 2000 Euro
A/D-Wandlermodiul 1400 Euro
Komlettbestückung 13000 Euro
Maße (B/H/T) 492/95/345 mm
Gewicht 9,5 kg
Garantie 3 Jahre

Hersteller
Burmester Audiosysteme GmbH
Anschrift Wilhelm-Kabus-Straße 47
10829 Berlin
Fon +49 30 787 968 0
Fax +49 30 787 968 68
E-Mail mail@burmester.de
Internet www.burmester.de

Weitere Informationen

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Donnerstag, 27 Januar 2011 00:00

CANOR TP106 VR + Vollverstärker

geschrieben von
Man musste mich schon davon überzeugen, mir mal wieder einen Vollverstärker zu Gemüte zu führen. Als notorischer Überzeugungstäter in Sachen getrennter Vor-/Endstufe(n), bereitet mir Elektronik in nur einem Gehäuse immer Unbehagen. Doch so viel gleich vorweg: Der TP106 VR+ belehrte mich eines Besseren.

Viel Elektronik in einem Gehäuse – trotzdem mit Sinn und Verstand aufgebaut.
Viel Elektronik in einem Gehäuse – trotzdem mit Sinn und Verstand aufgebaut.

Die slowakische Audio-Manufaktur CANOR ist streng genommen kein Branchenneuling: CANOR entwickelt und baut seit gut 15 Jahren Audiokomponenten. Bis zum Jahre 2007 firmierte man noch unter dem Namen Edgar Ltd. Der TP106 VR+ ist der große Bruder des CANOR TP106 Vollverstärkers. Beide Vollverstärker sind als Push-Pull-Konzept ausgeführt. Während der TP106 mit 6L6GC Leistungsröhren 11 Watt pro Kanal zu liefern vermag, ist der TP106 VR+ mit einem Quartett Electro Harmonix 6550-Röhren ausgestattet. Bis zu einer Leistung von 20 Watt pro Kanal arbeitet dieser im reinen Class-A-Betrieb. 2 x 55 Watt Gesamtleistung an 4 Ohm sollten mehr als nur genügen, um Lautsprecher mit hohem Wirkungsgrad problemlos antreiben zu können. Ferner unterscheidet sich der TP106 VR+ von seinem kleinen Bruder durch hochwertigere Bauteile, wie beispielsweise die Verwendung von Mundorf-Koppelkondensatoren.

Der CANOR TP106 VR+ unterscheidet sich von seinem kleinen Bruder unter anderem durch die Verwendung hochwertiger Zinnfolienkondensatoren von Mundorf.
Der CANOR TP106 VR+ unterscheidet sich von seinem kleinen Bruder unter anderem durch die Verwendung hochwertiger Zinnfolienkondensatoren von Mundorf.

Die auf Basis der 6L6-Konstruktion weiterentwickelte Beam-Power-Tetrode 6550 wird in Röhrenkreisen besonders wegen ihres geringen Verzerrungsgrads geschätzt. Diese Eigenschaft macht sich auch CANOR zunutze und greift daher in der Ausgangsstufe des TP106 VR+ auf eine Schaltung im Ultralinear-Modus zurück. Auch wenn sich nach wie vor hartnäckig das Gerücht hält, dass es sich bei der 6550 und der KT88 um quasi ein und dieselbe Röhre handelt und diese untereinander austauschbar sind, sollte man sich bewusst machen, dass lediglich deren Sockel und Sockelbeschaltung identisch sind. Die 6550 läuft beinahe mit der Hälfte der KT88-Schirmgitterspannung (circa 300 Volt) und entsprechend deutlich geringerer Gittervorspannung. Wer sich also schon im unbegrenzten Tube-Roller-Nirvana wähnt, wird sich hier seine Passion abschminken müssen. Auch vom naiven Tausch gegen andere 6550-Fabrikate wird abgeraten, da ein solcher nicht nur den hinlänglich bekannten Garantieverlust nach sich zieht – man läuft Gefahr, den Erfahrungsschatz, den CANOR bei der Röhrenselektion gesammelt hat, unüberlegt zunichte zu machen.

Die Ausgangsstufe mit einem Quartett EH 6550 Beam-Power-Tetroden im Ultra-Linear-Modus. Das Push-Pull-Konzept liefert 2 x 20 W im reinen Class-A-Betrieb und 2 x 55 W an 4 Ohm.
Die Ausgangsstufe mit einem Quartett EH 6550 Beam-Power-Tetroden im Ultra-Linear-Modus. Das Push-Pull-Konzept liefert 2 x 20 W im reinen Class-A-Betrieb und 2 x 55 W an 4 Ohm.

Ich finde es beispielsweise durchaus ungewöhnlich, dass man beim Einsatz von insgesamt 4 ECC81- beziehungsweise 12AT7-Röhren – ein Paar dient als Treiber, ein Paar als Eingangsröhren – auf zwei unterschiedliche Röhrenfabrikanten zurückgreift. Der Grund dafür liegt nicht etwa darin, so teilte man mir bei einem Telefonat mit den Entwicklern mit, dass man sich dessen bediene, was man gerade vorrätig hat: Man beschäftige sich vielmehr seit über 12 Monaten intensiv mit den Themen Röhrenauswahl, -selektion und -werten. Aufgrund der überteuerten und der keinen sicheren Nachschub bürgenden Marktlage für NOS-Röhren fiel die Grundsatzentscheidung zugunsten der Verwendung von Röhren aus aktueller Produktion. So erhielt man die gewünschten Resultate mit 12AT7-Doppeltrioden von JJ Electronic für die Treiberstufe, entschied sich aber letztendlich für zusätzlich geschirmte 12AT7WC-Röhren von Electro Harmonix für die Eingangsstufe. Scheint zu passen – während der gesamten Testphase konnte ich kein Röhrenknacken oder eine Zunahme des ohnehin kaum wahrnehmbaren Röhrenrauschens ausmachen. CANOR geht beim Thema Röhren noch einen kleinen kundenfreundlichen Schritt weiter: Alle Röhren werden vor der Auslieferung eingebrannt – sehr löblich! Das Gros der sogenannten Burn-in-Phase entfällt somit und die klanglichen Eigenschaften des Verstärkers können ohne allzu langwierige Wartezeit eingeschätzt und beurteilt werden.

Sexy: Nach dem Soft-Start werden Lautstärkeregler und CANOR-Logo in schickem orange beleuchtet – der TP106 VR+ hat die Betriebstemperatur erreicht.
Sexy: Nach dem Soft-Start werden Lautstärkeregler und CANOR-Logo in schickem orange beleuchtet – der TP106 VR+ hat die Betriebstemperatur erreicht.

Bandscheibengepeinigte Audiophile sollten beim Tragen des CANOR Amps penibelst auf die klassische Rückenschule achten – der DuPont-mattschwarz lackierte Aluminiumkoloss bringt stattliche 26 Kilogramm auf die Waage. Für Luftzirkulation ist gesorgt: Mit 170 Millimetern baut der TP106 VR+ ein wenig höher als einige seiner Artgenossen. Nichtsdestotrotz sollte man bei einer Platzierung im Rack dafür Sorge tragen, dass er aufgrund seiner nicht gerade geringfügigen Wärmeentwicklung im Betrieb ausreichend Luft zum Atmen bekommt. Mit fünf asymmetrischen Line-Eingängen, einem Tape-Out und einem Lautsprecherausgang ist der CANOR Vollverstärker in Sachen Ausstattung eher puristisch gehalten.


Bei einer unverbindlichen Preisempfehlung von 4000 Euro symmetrische Eingänge oder gar einen Phonoeingang zu erwarten, wäre vielleicht auch ein wenig zu viel des Guten. Auch das äußere und für mein ästhetisches Empfinden durchaus ansprechende und moderne Erscheinungsbild des TP106 VR+ übt sich mit dezent orangefarben beleuchtetem Logo und LEDs in vornehmer Zurückhaltung. An der Verarbeitungsqualität gibt es nichts zu meckern: Sowohl das Gehäuse als auch der gesamte Innenaufbau zeugen von durchdachter Entwicklung und sorgfältigem Handwerk. Da, wie bereits erwähnt, der TP106 VR+ nur über ein Paar Lautsprecherausgänge verfügt, sollten potenzielle Interessenten mit aktiven Subwoofer-Verstärkern sich vergewissern, dass ihre Subwoofermodule über separate Lautsprechereingänge verfügen. Da ich ein weichenloses Lautsprecherkonzept mit getrennter Bassverstärkung betreibe, kommt eine direkte Ansteuerung meiner Bässe mit dem CANOR nicht in Frage. Dies bestätigte ein kurzer Versuch, der sich sofort in einer wenig kontrollierten und konturschwachen Bassperformance äußerte: Die Ausgangsleistung des TP106 VR+ reicht einfach nicht aus, um meine Bastanis 18“-Dipolbässe vernünftig anzutreiben – über die Lautsprechereingänge meiner XTZ Sub Amp 1 Verstärker angeschlossen … kein Problem!

Wird nicht jedermann genügen: puristisches Terminal mit 5 Line-Eingängen, Tape-Out und einem Lautsprecherausgang.
Wird nicht jedermann genügen: puristisches Terminal mit 5 Line-Eingängen, Tape-Out und einem Lautsprecherausgang.

Um Spannungsspitzen beim Einschalten zu vermeiden und den Stromverbrauch zu minimieren, verfügt der CANOR TP106 VR+ über eine Soft-Start- und Standby-Funktion. Nach dem Einschalten des Verstärkers auf der Gehäuserückseite schaltet dieser automatisch in den Standby-Modus. Der gesamte Vorgang, von der Aktivierung des Ringkerntrafos bis zum Erreichen der Röhrenbetriebstemperaturen nimmt circa 90 Sekunden in Anspruch und wird über rote und orangefarbene und in unterschiedlichen Geschwindigkeiten blinkende LEDs auch über dem CANOR-Logo und dem Lautstärkeregler, signalisiert – sinnvoll und sexy zugleich. Die Gleichrichtung übernehmen übrigens zwei Electro Harmonix 5AR4/GZ34.

Es sind die geliebten schwarzen Scheiben, die mich den nicht allzu langen Weg vom Sofa zum Plattenspieler und zurück noch in Kauf nehmen lassen. Die Sarkasten unter meinen Freunden behaupten, diese Betätigung sei inzwischen die einzig wirklich physische Ertüchtigung, die an meine ehemalige Profession als Leistungssportler erinnere. Sollte ich die Beschäftigung mit dem Medium Schallplatte eines Tages aufgeben, fürchte man gar eine Verschmelzung von Fernbedienung, Hörplatz und meiner Person zu einer symbiotischen Einheit, die sich endgültig dem Gesetz der Trägheit ergeben hat. Man kann mir sagen was man will, aber Fernbedienungen sind schon eine coole Sache – wenn sie nicht zu einem Großteil so zickig wären. Zickig ist leider auch die Fernbedienung des TP106 VR+, denn wieder einmal geben sich die üblichen Verdächtigen ein Stelldichein: keine 100 % präzisen Druckpunkte, verbesserungswürdiges Toleranzverhalten in puncto Zielgenauigkeit und knarzendes Plastik – wenn auch nur geringfügig, durch die Unterseite der Fernbedienung bedingt.

Habe ich sonst noch was am CANOR zu meckern? Die Antwortet lautet nein! Eigentlich könnte ich an dieser Stelle meinen Beitrag, ohne den leisesten Anflug eines schlechten Gewissens, beenden. Dem CANOR TP106 VR+ fehlt es, abgesehen vom bereits erwähnten, aber beinahe schon üblichen Fernbedienungsmanko an Nichts – wenn man denn klare Vorstellungen davon hat wie man hören möchte. Aber mal ehrlich: Wer unter uns Betschwestern hat denn schon die Suche nach dem Besseren endgültig ad acta gelegt? Wie oft habe ich gelesen und selbst geschrieben „mehr HiFi braucht kein Mensch“? So oft, dass ich selbst nicht mehr daran glauben mag. Und doch bin ich der Ansicht, dass auf den CANOR eben genau diese abgedroschene Rezensenten-Floskel passt wie die noch öfter zitierte Faust aufs Auge.

Oben hui, drunter Plastik: Die Fernbedienung des CANOR TP106 VR+ reiht sich leider nahtlos in die Reihe der optimierungswürdigen Infrarot-Schaltzentralen ein.
Oben hui, drunter Plastik: Die Fernbedienung des CANOR TP106 VR+ reiht sich leider nahtlos in die Reihe der optimierungswürdigen Infrarot-Schaltzentralen ein.

Wie unser Chefredakteur bereits in der Vorschau angedeutet hatte: Die Bühne, die sich vor mir bei den ersten Takten von „Hyperballad“ auf Marcin Wasilewskis ECM-Triodebüt auftat, ist so einnehmend, die Präsentation so involvierend, dass das geplante Hören nach routinemäßiger Checkliste sofort einem genießerischen sich Einlassen wich. Beschreibende oder beurteilende Kriterien wie Auflösung, Dynamik, Plastizität, Musikalität et cetera verloren über eine komplette Albumlänge an Bedeutung und Gewicht. Erst mit dem Ausklingen des letzten Tons des Albums schaltete sich das analytische Ohr wieder ein. Nur selten war mir bislang ein Hören ohne sofortiges Sezieren des dargebotenen Klangbildes in dessen vermeintliche Stärken und Schwächen möglich. Hier stellte sich mir nicht die Frage von Pro und Contra, denn die Präsentation des CANOR TP106 VR + ist in sich schlüssig und stimmig. Der CANOR punktet genau dort, wo meine eigenen Amps dazu tendieren, ein klein wenig über das Ziel hinauszuschießen: Zwar kann ich über meine Tubeguru Telefunken EL156 Monos auch noch das Ameisengetrappel in der fernsten Lichtung des Waldes vernehmen, doch kann dies zuweilen zu einer Art Überforderung der Gehörgänge führen. Auch Wasilewskis Fingerübungen auf Trio sind nicht frei von Dynamikausbrüchen, die den Hoch-/Mitteltonbereich an hochauflösenden Ketten, besonders bei hoher Lautstärke, durchaus strapazieren können. Ein Zerren am Nervenkostüm ist die Sache des CANOR nicht: Das liegt keinesfalls an mangelndem Auflösungsvermögen oder fehlender Dynamik, sondern an der etwas „dunkleren Temperierung“ des Amps. Eine weitere ECM-Veröffentlichung, die ich gerne verwende, um Extreme auszuloten, ist Manu Katchés Third Round. Hier empfinde ich vor allem Tore Brunborgs Sopransaxofon als zu hell, zu direkt und dadurch zu präsent. Nicht, dass der CANOR die Helligkeit wegradiert, aber er ist dazu imstande, der Präsenz des Soprans eine Spur seiner Aufdringlichkeit beziehungsweise Schärfe zu nehmen – gerade so viel wie nötig, um tonal richtig zu liegen und ein angenehmes Hörerlebnis zu zaubern – diese außerordentliche Fähigkeit bewies er bei allen grenzwertigen Aufnahmen, mit denen ich ihn fütterte. Björks „Joga“ aus dem Album Homogenic empfinde ich nach wie vor als eine der aufnahmetechnisch komplexesten Gratwanderungen zeitgenössischer U-Musik.


Der spannungsgeladene und gleichzeitig kühle Soundwall aus opulenter Orchestrierung, abgrundtiefen Subbässen und messerscharfer Beat-Electronica macht es keinem Verstärker einfach, die Übersicht zu behalten. Fast immer gerät irgendetwas bei der Wiedergabe des Tracks aus den Fugen. Nun, Röhrenkonzepte sind per se nicht unbedingt dafür ausgelegt, die metallische Soundästhetik der Produktionen von Künstlern wie Aphex Twin, Autechre oder stellenweise auch Björk adäquat zu transportieren, dafür fehlt ihnen schlichtweg die nötige Kühle oder Distanz. Obwohl auch der CANOR hier keine Ausnahme von der Regel bildet, gelingt es ihm scheinbar mühelos, das komplette Geschehen zu kontrollieren, die richtige Balance zwischen Organischem und Anorganischem herzustellen, die goldenen Mitte zwischen Menschlichem und Unmenschlichem zu finden und das Klangbild nicht zu einem ungenießbaren Klangbrei mutieren zu lassen – Kompliment! Freilich ist der TP106 VR+ kein Alchimist, der Dreck in Gold zu wandeln vermag. Heaven 17s The Luxury Gap klingt in der Original 80er-Jahre-Pressung mit dem CANOR genauso dünn wie auf allen anderen Verstärkern. Die unsäglich schlechten US-LP-Remaster der Jimi Hendrix Alben, bei denen man das Gefühl bekommt, dass man Höhen und Bässe beim Mastern im völlig zugedröhnten Zustand anhob, klingen mit dem TP106 VR+ auch nicht besser – aber die akustischen Missstände werden durch den CANOR etwas erträglicher.

Der CANOR TP106 VR+ ist ein Meister der Ausgewogenheit, der einen festen Platz unter den Vollverstärkern verdient. Ich kann mir gut vorstellen, dass er gerade im Zusammenspiel mit hochauflösenden Quellgeräten, Kabeln und Lautsprechern als homogenisierende und harmonisierende Schnittstelle wirken und den eventuell fehlenden Hauch von Magie in eine Kette transportieren kann.

 

STATEMENT

Mit dem TP106 VR+ ist CANOR ein eindrucksvoller Verstärker gelungen: Er ist tendenziell gutmütig, aber nie langweilig. An wirkungsgradstarken Lautsprechern liefert er Saft und Kraft im Überfluss. Er bewahrt stets die Contenance, behält dabei aber immer die Kontrolle über das Geschehen und … sorgt dabei noch für den Stoff, aus dem die Emotionen gemacht sind.
Gehört mit
Lautsprecher Bastanis Mandala Atlas (Crystal-Upgrade)
Phono-Preamps J. Binder (Tubeguru) Phono Stage, Brocksieper Phonomax
Übertrager Analog Tube Audio MCT 2
Laufwerke Nottingham Analogue Hyperspace mit Origin Live Encounter MK2 Tonarm,
Garrard 301 mit Thomas Schick Tonarm
Tonabnehmer Lignolab Denon DL-103, Audio Technica AT33PTG
CD-Player Panasonic DVD-S75
Kabel NF TMR Ramses, Acoustic System Int’l Liveline Series
Kabel LS TMR Ramses, HMS Concertato
Netzkabel Oyaide Tunami GPX, HMS Gran Finale Jubilee
Stromversorgung HMS Energia, HMS RC 1/1, AHP Klangmodul3
Racks Finite Elemente Tragwerk
Zubehör Schallwand Little Foot & Big Foot
Herstellerangaben
CANOR TP106 VR+
Herstellerland Slowakei
Röhren 4 x 12AT7/ECC81, 4 x 6550, 2 x 5AR4/GZ34
Schaltungskonzept Push-Pull
Ausgangsleistung 2 x 55 W / 4 Ohm (2 x 20 W Class A)
Eingangsempfindlichkeit 400 mV / 40 W / 1 kHz
Eingangsimpedanz 60 kOhm
Eingänge 5 x Line (Cinch)
Klirrfaktor < 0,05 % (1 kHz, 5 W)
Geräuschabstand > 93 dB
Netzspannung 230V/50Hz
Abmessung (B/H/T) 430/170/390 mm
Gewicht 26 kg
Gehäuseausführungen Silber oder Schwarz
Zubehör Fernbedienung
Listenpreis 4000 Euro

Vertrieb
EMPIRE Deutschland
Anschrift Jürgen Welte
Am Rembergsee 20
47259 Duisburg
Fon +49(0)203/75 999 004
E-Mail info@empire-hifi.com
Internet www.empire-hifi.com

Weitere Informationen

  • Imagefolder tests/11-01-27_canor

Klangbibliothek.

How Deep Is The Ocean

Tonabnehmer Brinkmann EMT ti
Tonarm SME V
Verkabelung Force Lines
Phonostufe Einstein The Turntable‘s Choice (300 Ohm)
Musik „How Deep Is The Ocean‟
Downloadgröße 111,8 mb
 

Klangbibliothek.

Duet

Tonabnehmer Brinkmann EMT ti
Tonarm SME V
Verkabelung Force Lines
Phonostufe Einstein The Turntable‘s Choice (300 Ohm)
Musik „Duet‟
Downloadgröße 129 mb
 

Klangbibliothek.

Griff

Tonabnehmer Brinkmann EMT ti
Tonarm SME V
Verkabelung Force Lines
Phonostufe Einstein The Turntable‘s Choice (300 Ohm)
Musik „Griff‟
Downloadgröße 156,3 mb
 
Dienstag, 25 Januar 2011 00:00

Die Klangbibliothek wächst (3)

geschrieben von
Diese Folge rundet die bisherigen Klangbeispiele ab, die ja einen großen Teil ihrer – relativen – Aussagekraft daraus schöpfen, dass nur immer ein Parameter verändert wird. In der Anfangseuphorie habe ich jedoch gleich einmal das Lyra Olympos und das Brinkmann EMT ti in Armen aufgenommen, die ihnen besonders zusagen. Hier sind die beiden Abtaster noch einmal: im SME V.


Lyra spendierte dem Olympos einen Titan-Korpus, Brinkmann montierte den klassischen EMT-Generator in einem Sandwich, in dem unter anderem auch Titan zum Einsatz kommt
Lyra spendierte dem Olympos einen Titan-Korpus, Brinkmann montierte den klassischen EMT-Generator in einem Sandwich, in dem unter anderem auch Titan zum Einsatz kommt
Natürlich werden wir uns hin und wieder den Spaß erlauben, auch einmal eine Komponente mit ins Spiel zu bringen, die nicht dem standardisierten Versuchsaufbau entspricht. Das kann die gesamte Bibliothek nur spannender machen. Bei den selbstgewählten Regeln werden wir auch nicht päpstlicher sein als das Oberhaupt der katholischen Kirche. Sonst könnten uns selbst winzige Schrauben in arge Gewissenskonflikte stürzen: So setzt Brinkmann beispielsweise auf ganz bestimmte Schräubchen, die über einen Kupferring Kontakt mit dem Tonarm aufnehmen. Soll man nun für sein EMT ti diese Befestigungselemente verwenden oder doch lieber die Schrauben, die dem Lyra beigepackt waren und die ich fast automatisch nehme, wenn ich mir um solche Details gerade mal keine Gedanken mache? Ich habe das Brinkmann-System mit den dafür bestimmen Schräubchen befestigt, da sie auch im Brinkmann 12.1-Arm das System gehalten haben, bin aber der Meinung, dass die klanglichen Auswirkungen der Entscheidung wohl in der digitalen Unschärfe untergehen dürften. Es ging mir lediglich darum, der Vollständigkeit halber auf diese marginale zweite Veränderung beim Systemtausch hingewiesen zu haben.

Die Entwickler dieser so unterschiedlichen Abtaster verzichten auf geschlossene Gehäuse, da diese dem Klang nicht gerade zuträglich sein sollen. Beim Olympos versucht man, Schmutz und magnetische Partikel durch ein Stückchen Gewebe vom Luftspalt fernzuhalten. Beim EMT sollte in regelmäßigen Abstand der gefühlvolle Einsatz von ein wenig Druckluft für die nötige Hygiene sorgen
Die Entwickler dieser so unterschiedlichen Abtaster verzichten auf geschlossene Gehäuse, da diese dem Klang nicht gerade zuträglich sein sollen. Beim Olympos versucht man, Schmutz und magnetische Partikel durch ein Stückchen Gewebe vom Luftspalt fernzuhalten. Beim EMT sollte in regelmäßigen Abstand der gefühlvolle Einsatz von ein wenig Druckluft für die nötige Hygiene sorgen
Einen kleinen Nachtrag gibt es auch zum Lyra Olympos: Bei meinem Exemplar handelt es sich um die SL-Variante, wobei die beiden Großbuchstaben für Single Layer stehen: Die Spulen wurden aus nur einer Lage Draht gewickelt, was laut Lyra-Chef Stig Bjørge ein noch reineres, aber auch schwächeres Signal zur Folge haben soll. Aber die geringere Ausgangsspannung haben wir natürlich mit dem Pegelregler der Nagra LB penibel auf unseren Soll-Wert gebraucht, so dass Sie die klanglichen Unterschiede beurteilen können, ohne dabei von unterschiedlichen Pegeln abgelenkt zu werden.

Weitere Informationen

  • Imagefolder basics/11-01-25_klangbibliothek

Klangbibliothek.

How Deep Is The Ocean

Tonabnehmer Lyra Olympos SL
Tonarm SME V
Verkabelung Force Lines
Phonostufe Einstein The Turntable‘s Choice (85 Ohm)
Musik „How Deep Is The Ocean‟
Downloadgröße 111,5 mb
 

Klangbibliothek.

Duet

Tonabnehmer Lyra Olympos SL
Tonarm SME V
Verkabelung Force Lines
Phonostufe Einstein The Turntable‘s Choice (85 Ohm)
Musik „Duet‟
Downloadgröße 129 mb
 

Klangbibliothek.

Griff

Tonabnehmer Lyra Olympos SL
Tonarm SME V
Verkabelung Force Lines
Phonostufe Einstein The Turntable‘s Choice (85 Ohm)
Musik „Griff‟
Downloadgröße 156 mb