tests/24-02-27_prime
 

PrimeCore Audio A7

27.02.2024 // Finn Corvin Gallowsky

Roon umfasst nicht nur die grafische Oberfläche und verwaltet unsere Musikbibliothek, sondern kümmert sich mit der MUSE-Audio-Engine auch um die Handhabung der eigentlichen Musikdateien. Diese Funktionen, also die Medienverwaltung und die Audio-Engine werden in dem sogenannten Roon-Core zusammengefasst. Roon nennt den Core auch Server oder „Gehirn“. Dieses Gehirn läuft als ein Programm auf Windows, Mac oder Linux und kann dann gleichzeitig auch als grafische Benutzeroberfläche genutzt werden. Über diese können dann an das Betriebsgerät über USB angeschlossene Geräte, also DACs, oder wahlweise die integrierte Soundkarte als Audioausgang genutzt werden. Es ist sogar möglich, verschiedene Ausgänge gleichzeitig mit verschiedenem Audiomaterial zu bespielen. Der physische Speicherort der Musikdatenbank ist dabei variabel und muss nicht zwangsläufig die Systemfestplatte, sondern könnte beispielsweise auch ein Netzlaufwerk sein. Ebenso verhält es sich mit Audiogeräten, denn wenn diese RoonReady sind, können sie auch über RAAT (Roon Advanced Audio Transport) mittels einer Netzwerkverbindung abgesprochen werden und müssen nicht direkt am Computer hängen, auf dem der Core läuft. Es gibt folglich nahezu endlose Möglichkeiten, Roon zu betreiben und einige spezielle habe ich Ihnen sogar vorenthalten. Jetzt befinden Sie sich in einer Situation, in der Sie nach meinen Ausführungen das Roon-Erlebnis eventuell sogar reizt, sie aber keine Lust haben, sich Gedanken darüber zu machen, welche Konfiguration denn jetzt die einfachste und vor allem klanglich optimale ist. Außerdem können Sie sich auch nicht damit anfreunden, einen, im herkömmlichen Sinne, Computer in ihrer Audiowiedergabekette zu betreiben? An dieser Stelle komme ich endlich auf den Punkt und der PrimeCore Audio ins Spiel. Mit ihm liefert Wolfgang Saul eine mögliche Antwort auf Ihre Fragen. Um einen Computer in ihrer Audiokette kommen Sie zwar auch mit dem PrimeCore nicht umhin, denn etwas anderes ist er am Ende des Tages nicht, aber er ist eben kein „normaler“ Computer, sondern ein Audio-Spezialist. Sein Herzstück ist eine von Intel ins Leben gerufene Mini-Computer-Platine namens NUC (Next Unit of Computing). Das ROCK-Betriebssystem ist für diese Platinen optimiert und offiziell auch nur auf diesen lauffähig. Es ist Betriebssystem und Core-Software in einem. Der Unterschied zu einem Roon-Core auf einem normalen PC ist, dass der ROCK selbst keine grafische Benutzeroberfläche besitzt, sondern diese auf einem externen Gerät aufgerufen wird und den ROCK fernsteuert. Dazu kann wiederum jeder Windows-, MAC- oder Linux-Rechner genutzt werden, aber auch, und dies ist in den meisten Fällen deutlich komfortabler, jedes Android- oder iOS-Smartphone oder -Tablet.

Aber warum genau ist ein PrimeCore Audio einem normalen PC überlegen, auf dem einfach Roon installiert wird? Der erste große Vorteil ist ROCK. Wenn man nüchtern darüber nachdenkt, sollte es doch eigentlich egal sein, auf welchem Betriebssystem Roon läuft. Wenn man sich allerdings ein bisschen mit Computerarchitektur und der Funktionsweise des Prozessors, also des Rechenkerns beschäftigt, bekommt man schon eher eine Vorstellung davon, warum dies relevant sein könnte. Zwar können moderne Prozessoren sehr viel gleichzeitig, aber dennoch müssen die Rechenanfragen in irgendeiner Weise strukturiert und geordnet abgearbeitet werden. Dabei können besonders wichtige, oft zeitkritische Anfragen andere Anfragen unterbrechen. Auf Prozessorebene ist es also nicht so, dass beim Abspielen einer Audiodatei, dessen kleinste Bestandteile Bits, also entweder der Wert 1 oder 0, ununterbrochen Bit für Bit abgearbeitet, sondern zwischendurch auch andere Rechenanfragen bearbeitet werden. Gleiches gilt für den Datenstrom von der Festplatte selbst. Der Prozessor muss ja nicht nur auf die Audiodaten, sondern gleichzeitig beispielsweise auch auf den Programmcode der Abspielsoftware, des Betriebssystems und aller anderen laufenden Programme zugreifen. Noch komplexer wird es, wenn die Daten parallel aus dem Internet heruntergeladen und zwischengespeichert werden müssen. Somit ist der sogenannte Buffer bei der Audiowiedergabe unabdingbar. Im Buffer werden bereits fertig berechnete Audiobits zwischengespeichert, damit sie vom DAC verarbeitet werden können. Schafft es der Prozessor nicht, den Buffer rechtzeitig, bevor der DAC ihn vollständig abgearbeitet hat, aufzufüllen, kommt es zu Aussetzern. Für diesen Worst-Case ist man mit ROCK tatsächlich nicht besser aufgestellt als mit jedem anderen Betriebssystem, allerdings bekommt man eine Idee davon, dass ein Betriebssystem, dessen Aufgabe ausschließlich die Audiowiedergabe ist, den Prozessor durchaus effektiver nutzen können sollte. Wie sich das auf die Qualität der Wiedergabe auswirkt, kann man letztendlich nur ausprobieren. Das geht prinzipiell mit jedem NUC. Wolfgang Saul hat jedoch festgestellt, dass es durchaus eine Rolle spielt, welche Komponenten man dabei einsetzt. Einen ganz entscheidenden Beitrag hierzu leistet das Mainboard. Beispielsweise hat sich das NUC-Mainboard der 12. Generation der 13. Generation klanglich als klar unterlegen gezeigt. Aber auch der Arbeitsspeicher und die Systemfestplatte machen einen Unterschied.

Idealerweise wird der DAC an die USB 2.0-Schnittstelle (unten) angeschlossen
Idealerweise wird der DAC an die USB 2.0-Schnittstelle (unten) angeschlossen

Für meinen Test hat mir Wolfgang einen PrimeCore Audio A7 in Vollausbau zur Verfügung gestellt. Die 7 weist auf den eingesetzten Intel-i7-Prozessor hin. Zusätzlich sind zweimal 16 Gigabyte Arbeitsspeicher, eine 126-Gigabyte Systemfestplatte und eine zusätzliche, für die eigene Musiksammlung vorgesehene Festplatte mit vier Terabyte Speicher installiert. Als Option werden auf vielfache Nachfrage zweimal acht Gigabyte Arbeitsspeicher angeboten. Eine Variante mit einem i5-Prozessor und zweimal acht Gigabyte Arbeitsspeicher, die minimal anders klingen soll, ist ebenfalls erhältlich. Die Kernaufgabe beider Geräte ist das Streamen von Musik aus dem Internet über Qobuz oder TIDAL. Auch von der Festplatte soll der PrimeCore in hoher Qualität spielen, aber hier liegt nicht unbedingt seine Kernkompetenz. Wolfgang setzt deshalb auf Samsung 870 Evo Festplatten als Musikspeicher. Ihr Speichertyp und moderater Preis sind ein sehr guter Ausgangspunkt für eine überzeugende musikalische Performance. Natürlich kann man sich einen PrimeCore Audio auch ohne Datenfestplatte ordern, wenn man selbst ein spezielles Modell verbauen möchte, schon eine Festplatte besitzt oder ohnehin nur streamen möchte.

Für die Inbetriebnahme ist kaum Computerwissen notwendig. Normalerweise genügt es, den PrimeCore mit seinem Netzwerk zu verbinden. Über das Gerät, auf dem man die grafische Roon-Oberfläche installiert hat, kann man den PrimeCore finden. Bei einem Neueinstieg in Roon muss man den PrimeCore dann als Roon-Core festlegen. Betreibt man bereits einen Roon-Core beispielsweise testweise auf seinem normalen PC, kann man diese Konfiguration auf den PrimeCore übertragen. Um Roons Möglichkeiten voll auszuschöpfen, macht es natürlich Sinn, sich näher mit der Software vertraut zu machen. Darum soll es in meinem Test gar nicht vordergründig gehen. Wer tiefer einsteigen möchte, findet hier eine ausführliche, von Wolfgang Saul verfasste Anleitung in einem eher allgemeinen Teil und einem Teil, in dem es konkret um die Konfiguration von Roon geht. Ich möchte mich hauptsächlich damit beschäftigen, wie der PrimeCore Audio klingt und was man tun kann, um aus ihm das Klangmaximum herauszuholen. Auch dafür hat Wolfgang einige Empfehlungen ausgearbeitet und mich zusätzlich zum PrimeCore mit allem versorgt, was ich zur Umsetzung benötige.


  • Vertere Ruby one

    Die Beschäftigung mit dem Vertere Xtrax vor beinahe anderthalb Jahren hatte richtig Spaß gemacht. Daher nahm ich das Angebot von Andreas Kayser, dem Inhaber des deutschen Vertere-Vertriebs Beat Audio, das neue Topmodell Ruby one zu testen, gerne an. Dafür habe ich sogar eine meiner selbstauferlegten Regeln für Tests gebrochen. Dazu später mehr. Vorrangig freute ich mich darauf, nach Monaten endlich mal wieder längere Zeit nur Schallplatten zu hören. Außerdem unterscheiden sich Xtrax und Ruby one…
    19.06.2026
  • Canor Foundation Line Virtus I4S und Verto D4S

    Die neue Vollverstärker und Digital/Analog-Wandler der Canor Foundation Line erfreuen nicht allein wegen ihrer eleganten Optik, sondern auch dank ihrer Preise. Die kostspieligeren Komponenten aus dem Hause Canor verwöhnten stets mit beeindruckender Musikalität und waren daran gemessen preiswert. Profitiert die Foundation Line von deren Genen? Auf der Canor Website findet man in der Beschreibung des Virtus-I4S-Vollverstärkers gleich als Überschrift den Hinweis, dass mit „modernsten, teilweise aus der Referenzserie adaptierten Technologien und Konzepten für ein überzeugendes…
    16.06.2026
  • Spendor A1.2

    Spendor hat seinen Klassiker A1 verfeinert. Der wichtigste technische Unterschied ist eine zusätzliche Verstrebung, die jetzt direkt hinter dem Tiefmitteltöner sitzt und über eine Sorbothane-Dämpfung mechanisch gekoppelt ist. Dadurch sollen störende Resonanzen reduziert werden. Wir haben uns die Evolutionsstufe A1.2 angehört. Einleitend möchte ich kurz auf meine persönliche Perspektive zu diesem Lautsprecher eingehen. Denn was um Himmels Willen interessiert einen Hochwirkungsgrad-Junkie eine kleine Regalbox mit bescheidenem Wirkungsgrad? Tatsächlich habe ich mir diesen Lautsprecher selbst für…
    02.06.2026
  • Wilson Benesch Prime Meridian System

    The first, rather lengthy article about Wilson Benesch' Prime Meridian system dealt solely with the turntable unit, consisting of the OMEGA Drive, ALPHA Drive, the FrACTal damping system in which the motor and tonearm are mounted, and the R1 Rack. Now, in addition to introducing the tonearm and cartridge, we finally turn to the sound of the turntable. The fact that the Prime Meridian system's turntable is driven by a motor with one and a…
    29.05.2026
  • Galion Audio TS34

    Der kanadische Hersteller Galion Audio hat seinen KT88-bewehrten Vollverstärker TS120 SE als Basis für die Entwicklung eines günstigeren Modells mit EL34-Röhren genommen, den TS34. Ein interessantes Feature ist die Möglichkeit, zwischen Class A und Class AB umzuschalten, was ihn von vielen anderen EL34-Designs unterscheidet. Mir war Galion Audio bis zum Test des Röhrenvorverstärkes „Navy“ im Herbst des letzten Jahres noch nicht bekannt. Das junge Unternehmen aus Québec in Kanada wurde von Thomas Tan gegründet, der…
    26.05.2026
  • XACT N1 Switch

    Manchmal dauert es etwas länger, bis ein Test zustande kommt. Nicht immer ist ein Testgerät auf Hersteller- oder Vertriebsseite für Hifistatement verfügbar und dann müssen bei uns auch noch die entsprechenden Testkapazitäten vorhanden sein. Doch nun hat endlich alles geklappt und ich kann Ihnen den XACT N1-LAN-Switch vorstellen. XACT ist die jüngste Marke von Marcin Ostapowicz, der seit 2010 in der High-End-Audio-Branche tätig ist und sich von Anfang an auf die Streaming-orientierte digitale Audiowiedergabe spezialisiert…
    22.05.2026

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.