Mittwoch, 15 Februar 2012 01:00

Audio Exklusiv P2

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Noch viel lieber als diese Phonostufe auf Transistorbasis hätte Audio Exklusiv-Chef Andreas Schönberg eine Hybridkonstruktion realisiert. Mir hingegen gegen ist die Technik reichlich egal, wenn sich die P2 als genau so offen und ehrlich erweist wie ihr Erbauer.
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Schwarze Schönheit: der P2 mit schwarz verchromten Bedienungselementen und einer Front aus Nero Assoluto
Schwarze Schönheit: der P2 mit schwarz verchromten Bedienungselementen und einer Front aus Nero Assoluto

Seit dem Andreas Schönberg vor etwas mehr als zwei Jahren mit der Wiederbelebung der Traditionsmarke Audio Exklusiv begonnen hat, geht es für ihn nur in eine Richtung: Recht steil bergauf, was sich in der stetig steigenden Zahl der Produkte und dem Hinzukommen immer neuer Vertriebe im Ausland ebenso niederschlägt wie in wachsenden Umsatzzahlen und geradezu euphorischen Testberichten. Grund dafür sind vor allem ein hervorragender Klang der preislich im Vergleich zu den Mitbewerbern überaus moderaten Komponenten und der fast völlige Verzicht auf marketingtechnische Schaumschlägerei. Und dazu passt es eben auch, in der Produktinformation zum P2 unumwunden zuzugeben, dass ihm eigentlich eine andere als die in die Tat umgesetzte technische Lösung lieber gewesen wäre. Doch dazu später.

Ich hatte mein Aha-Erlebnis vor etwas mehr als einem Jahr, als ich in meiner Beschäftigung mit Hifi zum allerersten Mal überhaupt mit Audio Exklusiv Verstärkern in Berührung kam: Beim Test der Röhrenvor- und Hybridendstufe konnte ich nur darüber staunen, wie viel Klang und fein verarbeitetes Material Andreas Schönberg und sein Team dem Kunden fürs Geld bieten. Trotz der Röhren im Signalweg ist hier niemand der Versuchung erlegen, den Verstärkern einen Sound anzuzüchten, da halten sich die Amps vornehm im Hintergrund und verwöhnen mit Details, Klangfarben, Dynamik und Raum – wenn der Tonträger dies hergibt. Die Erwartungshaltung ist also recht hoch, als die P2 bei mir eintrifft.

Für Moving-Magnet-Systeme stehen drei Lastkapazitäten zu Wahl
Für Moving-Magnet-Systeme stehen drei Lastkapazitäten zu Wahl

Doch schon beim Auspacken nimmt sie mich für sich ein: Während ich mit P1 und P7 wegen ihrer von Gold dominierten Optik, zumindest was das Design anbelangt, nicht so richtig warm wurde, gibt sich die Phonostufe mit ihrer Nero Assoluto Front und den schwarzen Bedienelementen ausgesprochen zurückhaltend und elegant. Das übrige Gehäuse ist wie bei Audio Exklusiv üblich aus zwei Millimeter dickem Stahlblech gefertigt und mit Schwermatten bedämpft, und auch mit dem speziellen, hochwirksamen, weißen Material zur Resonanzabsorbation, das auch bei den von Amré Ibrahim hoch geschätzten Silentplugs zum Einsatz kommt, wurde hier nicht gespart: Wie in der P7 wurden die Abstandshalter für die Platinen sowie die Befestigungsschrauben unter beträchtlichem Aufwand aufgebohrt und mit dem Stoff gefüllt, über den sich Andreas Schönberg ansonsten verständlicherweise ausschweigt. Aber damit nicht genug: Die gasgefüllten Reedrelais, die die Umschaltung der Eingänge, der Verstärkung und der Eingangswiderstände respektive -kapazitäten bewerkstelligen, die Feldeffekt-Transistoren der kaskadierten MC-Stufe und die beiden FETs der MM-Stufe wurden ebenfalls mit dem Spezialkunststoff beruhigt.

Bis zur RIAA-Entzerrung ist der Signalweg im P2 frei von Koppelkondensatoren. Servoschaltungen sorgen dafür, dass kein Gleichstrom fließt. Erst vor der Class-A-Ausgangsstufe findet sich eine Kapazität: eine Kombination aus den speziell für Audio Exklusiv gefertigten Folienkondensatoren und solchen mit Ölpapier und Glimmer. Entsprechend hochwertig sind natürlich auch die an klangrelevanten Stellen eingesetzten Widerstände: Audio Exklusiv bedient sich hier bei den Premiumherstellern Vishay und Holco.


Die Verstärkung für Moving Coils ist in drei Zehn-Dezibel-Schritten einstellbar. Es werden sechs Eingangsimpedanzen angeboten
Die Verstärkung für Moving Coils ist in drei Zehn-Dezibel-Schritten einstellbar. Es werden sechs Eingangsimpedanzen angeboten

Während man sich im Signalweg auf eine Kapazität beschränkt, können es bei der Stromversorgung gar nicht genug sein: Nach einem hochwertigen Eingangsnetzfilter, den ausgesprochen großzügig dimensionierten Trafos eines jeden Kanals und den schnellen Gleichrichterdioden geht es mit einer Siebung aus Spulen, Widerständen und Elkos mit 60000 µFarad weiter. Dazu kommen dann noch – natürlich ebenfalls pro Kanal – die 6000 µFarad in den Panasonic-FC-Kondensatoren, die in der Nähe der Verbraucher auf der Signalplatine mit ihren 105 Mikrometer dicken Leiterbahnen positioniert wurden. Darüber hinaus sollen sogenannte Kapazitätsmultiplier zur virtuellen Kapazitätsvergrößerung zu einer rippelfreien Stromversorgung beitragen, so dass die Audioschaltungen unter optimalen äußeren Bedingungen arbeiten können. Eine geschirmte Innenverkabelung hoher Qualität und ein Phasendetektor runden das bisher so positive Erscheinungsbild der P2 ab.

Der Besitzer dieser Phonovorstufe braucht sich auch nicht – wie anderswo leider allzu oft üblich – mit winzigen Mäuseklavieren herumzuschlagen, um für den Tonabnehmer die richtige Anpassung zu finden. Per Drehschalter an der Frontplatte kann er bei der P2 bequem zwischen MM und MC und hier zwischen drei verschiedenen Verstärkungen wählen. Er hat auch die Auswahl zwischen drei Lastkapazitäten für Moving-Magnet-Systeme und sechs Lastimpedanzen für Moving-Coils. Wem das nicht reicht, der kann die Cinch-Buchsen, die den unsymmetrischen Eingängen parallelgeschaltet sind, noch zusätzlich mit Widerstandssteckern seiner Wahl bestücken. An der Ausstattung der P2 wurde also ebenfalls nicht gespart.

Wer die recht hoch gewählten Abschlusswiderstände für nicht fein genug abgestuft hält, kann an den „ MC Load‟-Buchsen Parallelwiderstände nach Wahl ergänzen, um auf seinen Wunschwert zu kommen. Die Phasen-Lampe rechts leuchtet, wenn die Polung des Steckers korrekt ist
Wer die recht hoch gewählten Abschlusswiderstände für nicht fein genug abgestuft hält, kann an den „ MC Load‟-Buchsen Parallelwiderstände nach Wahl ergänzen, um auf seinen Wunschwert zu kommen. Die Phasen-Lampe rechts leuchtet, wenn die Polung des Steckers korrekt ist

Ich habe der P2 dann gerade mal eine halbe Stunde zur Akklimatisierung auf der oberen Ebene des Pagode-Racks gegönnt, bevor ich ein paar Aufstellungsvarianten ausprobiert habe: zuerst direkt auf dem Holz, dann mit einer Audio Exklusiv d.C.d. Base und schließlich mit den d.C.d. Feet zwischen Base und Gerät. Wie zu erwarten hatten die firmeneigenen Goodies durchaus positive Auswirkungen auf den Klang der P2. Die verhältnismäßig überschaubaren Investitionen sorgten für eine noch etwas größere imaginäre Bühne und eine noch packendere Dynamik: Impulse hoben sich beeindruckender von einer nun noch schwärzeren, tiefen Stille ab. Den krönenden Abschluss bildeten dann vier Silentplugs, die den nicht genutzten MM-Eingang und die Buchsen für individuellen Abschlusswiderstände belegten. Dabei harmonierten Gerät und Zubehör bestens: Hier wird keine etwaigen Schwachstelle der Komponente mit zusätzlichem Aufwand kompensiert – bisher kann ich bei der P2 beim besten Willen nicht die kleinste Schwäche entdecken. Die Silentplugs, die Base und die Feet legen vielmehr in allen Disziplinen, in denen die Phonostufe sowie schon überzeugende Leistungen bringt, die Messlatte noch ein kleines Stückchen höher. Und deswegen bringe ich es auch nicht über mich, das so wirkungsvolle Zubehör bei Sammeln weiterer Erfahrungen mit der Schwarzen Schönheit außen vor zu lassen. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Die P2 kann auch allein ganz hervorragend bestehen, sie ist keinesfalls auf die drei kleinen Helfer angewiesen. Mit ihnen lassen sich LPs aber einfach mit noch ein wenig mehr Spaß genießen. Und darum geht es schließlich – wenn möglich, auch bei der Arbeit.


Ich habe dann einige Wochen mit der Audio Exklusiv Phonostufe im Alltagsbetrieb Musik gehört, ohne irgendwelche Vergleiche, ohne überhaupt an diesen Test zu denken. Und in dieser Zeit habe ich meinen etatmäßigen Entzerrer, die symmetrischen Einsteins, nicht einmal vermisst. Auch über einen längeren Zeitraum zeigte die P2 nicht die geringste Auffälligkeit. Die Tatsache, dass man längere Zeit völlig zufrieden mit einer zu testenden Komponente in seiner Kette gelebt hat, hat für mich zwar schon jede Menge Aussagekraft, dürfte Ihnen allerdings deutlich zu pauschal sein. Und deshalb habe ich den Phonoentzerrer nach seinem Besuch in unserem Fotostudio noch einmal ausgiebig gehört, mit unterschiedlichen Tonabnehmer und im Vergleich zu Einsteins The Turntable‘s Choice. Da grade von Spaß die Rede war, beginne ich mit Muddy Waters „Mannish Boy‟ auf der 45er-LP zum Levis-Werbespot und dem Brinkmannschen EMT-Derivat: Da sind  überschäumende Spielfreude der Musiker und ein packender Groove garantiert, und zwar bei beiden Entzerrern, die sich insgesamt nicht viel nehmen. Der Einstein macht in den unteren Oktaven minimal mehr Druck und klingt einen Hauch dreckiger, was bei dieser Art von Musik durchaus authentisch wirkt. Dafür umgibt der Audio Exklusiv die Instrumente mit etwas mehr Luft wieder und zeichnet die Höhen eine Spur einschmeichelnder. Allerdings musste der deutlich teurere Einstein für diesen Test auf die Fensterbank hinten den Racks ausweichen, und auch die unsymmetrischen respektive symmetrischen Kabel, die die Tonarme mit den Phonostufen verbinden, kommen nicht vom selben Hersteller, wenn auch aus der derselben, hohen Qualitätsstufe.

Nach dem Netzfilter geht es strikt kanalgetrennt weiter. Die Lasten für die Tonabnehmer und die Eingänge werden per Relais gewählt
Nach dem Netzfilter geht es strikt kanalgetrennt weiter. Die Lasten für die Tonabnehmer und die Eingänge werden per Relais gewählt

Weiter geht‘s mit der Decca SPA 233 und Rodrigos Concierto De Aranjuez: Hier spielt der P2 sehr fein und klangfarbenstark, zeichnet ein filigranes und etwas distanzierteres Bild, während der Einstein ein wenig zupackender agiert und eine etwas größere, nähere, in ihrer Gesamtheit mindestens ebenso tiefe Abbildung präsentiert. Jeder der beiden Entzerrer für sich genommen setzt die Signale des EMT völlig überzeugend und in sich stimmig in Szene, nur wenn man den Gegenentwurf des Vergleichsgerätes hört, kommt man ins Grübeln darüber, ob hier vielleicht eine etwas energiereichere Gangart und dort ein Quäntchen mehr Luftigkeit wünschenswert wäre. Die ungemein hohe Qualität der beiden Phonostufen steht dennoch außer Frage.

Wechseln wir zum Kuzma 4Point und dem Lyra Olympos. Hier bezieht der Einstein sein Signal über die durchgehenden Kabel, während der Audio Exklusiv über die Cinch-Box und die Ortofon TSW 5000 verbunden wird – natürlich nicht gleichzeitig. Aber auch dieses Experiment gelingt nur zum Teil, denn wenn die Cinch-Verbindung zum P2 besteht, hängt das fest mit Arm verbundene Kabel mit den XLR-Stecker quasi in der Luft und betätigt sich als Antenne. Neben dem Signal vom Olympos bekommt der Audio Exklusiv auch ein schwaches Radiosignal. Man kann die Qualitäten des Lyra zwar erkennen, ein Vergleich des P2 mit dem Einstein verbietet sich unter diesen Umständen jedoch. Daher steht nun eine kleine Umbaupause an: Ein SME V nimmt die Position des Kuzma ein und wird mit einem Lyra Titan i bestückt. Auf dem Teller liegt nun das Reissue der Three Blind Mice TBM-63: Isao Suzukis Black Orpheus. Die Impulse von Cello und Bass und die rauhen Töne eines angezerrten Fender Rhodes springen einen förmlich an. Der außergewöhnlich direkte Studiosound versprüht einen unwiderstehlichem Groove und eine enorme, geschmeidige Kraft. Und das ganz unabhängig davon, ob Einstein oder Audio Exklusiv die Entzerrung übernehmen. Mit beiden lässt sich die Scheibe ungeheuer intensiv genießen. Was macht da ein wenig mehr Druck hier oder ein bisschen mehr Durchzeichnung da noch aus, wenn man sich auf solch hohem Niveau bewegt?

Transistoren und Relais werden mit resonanzabsorbierendem Kunststoff bedämpft
Transistoren und Relais werden mit resonanzabsorbierendem Kunststoff bedämpft

 

 

STATEMENT

Erfreulicherweise bleibt Audio Exklusiv seiner Linie treu: Auch der P2 überzeugt mit einem in sich stimmigen, sehr offenen Klangbild und erlaubt sich nicht die kleinste Abweichung vom Pfad der Tugend. Der P2 braucht weder Effekte oder sonstige Auffälligkeiten im Frequenzgang, um den Zuhörer in den Bann der Musik zu ziehen. Das schafft er mit seinem perfekten Timing und den satten Klangfarben spielend. Es dürfte enorm schwierig sein, einen auch nur ebenso gut klingenden und ähnlich hochwertig verarbeiteten Entzerrer zu diesem Preis zu finden!
GEHÖRT MIT
Plattenspieler Brinkmann LaGrange mit Röhrennetzteil
Tonarm Brinkmann 12.1, Kuzma 4point, SME V
Tonabnehmer Lyra Olympos und Titan i, Brinkmann EMT ti
Phonostufe Einstein The Turntable‘s Choice (sym)
Vorverstärker Brinkmann Marconi
Endstufe Brinkmann Monos
Lautsprecher LumenWhite DiamondLight Monitors
Kabel Ortofon TSW 5000 Silber
Precision Interface Technology
HMS Gran Finale Jubilee
Audioplan Powercord S
Zubehör PS Audio Power P5
Clearaudio Matrix
Sun Leiste
Audioplan Powerstar
HMS-Wandsteckdosen
Acapella Basen
Acoustic System Füße und Resonatoren
Finite Elemente Pagode Master Reference Heavy Duty und Cerabase
Harmonix Real Focus
Audio Exklusiv d.C.d Base, Feet und Silentplugs

 

HERSTELLERANGABEN
Phonovorverstärker P2
Frequenzgang 20 Hz - 20 kHz (-0.15 / + 0.18 dB)
Geräuschspannungsabstand (MM / MC) 98 dB / 86 dB
Fremdspannungsabstand (MM / MC) 86 dB / 75 dB
THD+N 0,017 %
Eingangswiderstand MC 100, 250, 510, 850, 1000, 47000 Ohm
Eingangkapazität MM 50, 100, 150 pF
MC Verstärkung 10 / 20 / 30 dB
Leistungsaufnahme (Leerlauf) 14 Watt
Abmessungen (B/H/T) 480/125/465 mm
Gewicht 15,5 kg
Preis ab 3800 Euro
Garantie 2 Jahre

 

HERSTELLER/VERTRIEB
Audio Exklusiv
Anschrift Andreas Schönberg
Altkönigstr. 20
61194 Niddatal
Telefon 0 60 34 - 90 70 85
Fax 0 60 34 - 90 70 86
E-Mail info@audio-exklusiv.de
Internet www.audio-exklusiv.de

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Samstag, 11 Februar 2012 01:00

Another Download from Elmau: Dieter Ilg Trio – Otello

geschrieben von
Vor nicht ganz zwei Jahren haben wir unsere Download-Reihe mit einem Stück von Dieter Ilg und Charlie Mariano begonnen. Nun ist es wieder so weit: Pünktlich zur Fertigstellung der LP mit Otello-Variationen für Jazz-Trio präsentieren wir Ihnen ein weiteres musikalisches Schmankerl unseres Lieblingsbassisten.
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Auf der LP sind andere Stücke zu hören als auf der Studio- und Live-CD. Selbstverständlich entschied sich auch Dieter Ilg für ein oppulentes Klapp-Cover
Auf der LP sind andere Stücke zu hören als auf der Studio- und Live-CD. Selbstverständlich entschied sich auch Dieter Ilg für ein oppulentes Klapp-Cover

Diese Scheibe ist zwar nicht auf unserem Label sommelier du son erschienen, sondern auf dem Dieter Ilgs, das er, da er als passionierter Gourmet und Restaurantkritiker alles Fettreduzierte vehement ableht, programmatisch FullFat taufte. Oder sollte etwa der Sound seines Viersaiters bei der Namensgebung auch eine Rolle gespielt haben? FullFat hin, sommelier her: Unabhängig vom Namen des Labels ist „Otello live at Schloss Elmau Special analogue edition‟, was die technische Realisation anbelangt, eine waschechte sds-Produktion: Zwar wurden bei der Aufnahme neun der zehn Kanäle eines Acousta Mischpultes genutzt – schließlich beanspruchte auch die lediglich in zwei Stücken von Schlagzeuger und Perkussionist Patrice Herals eingesetzte Elektronik ihre Tonspuren –, doch wurden die neun Signale live, also während des Konzertes auf die beiden Stereo-Kanäle verteilt. Danach ging es dann gewohnt puristisch weiter: Weder kamen Effektgeräte noch Limiter noch Kompressoren zum Einsatz, wie man auf dem Bildschirmfoto erkennt: Es zeigt die parallel aufgezeichnete digitale Sicherheitskopie des Songs im Mastering-Programm. Mit Sonic-Studios soundBlade wurden die hier angebotenen Downloads geschnitten, auf den Normpegel gebracht und in einem Fall auf das CD-Format heruntergerechnet.

Würde man einige wenig Impulse beschneiden, wären leicht drei Dezibel mehr Lautstärke möglich
Würde man einige wenig Impulse beschneiden, wären leicht drei Dezibel mehr Lautstärke möglich

Doch zurück zur LP-Produktion: Ein klein wenig Dynamikbeeinflussung könnte hier allenfalls die Bandsättigung des „heiß‟ ausgesteuerten Tapes gebracht haben. Auf eine klangliche Nachbehandlung der Session-Tapes haben wir wohlweißlich verzichtet, da hierzu eine Überspielung auf ein Mastertape nötig wäre und eine solche in der analogen Welt unweigerlich mit Überspielverlusten verbunden ist. Daher bestand die einzige Nachbearbeitung darin, die gewünschten Stücke ohne den anschließenden Applaus aus den Session-Tapes herauszuschneiden und in der richtigen Reihenfolge mit ein wenig Gelbband für die Pausen dazwischen wieder zusammenzukleben.

Das Band, das wir zum Schneiden der Lackfolien mitnahmen, bestand also aus Teilen der Tapes, auf die wir während des Konzertes aufgenommen haben. Weniger Zwischenstufen sind nur bei einem Direktschnitt möglich. Geschnitten hat die Lackfolien dann Willem Makkee in seinem privaten Studio in Langenhagen. Wir sind davon überzeugt, dass die 40 Jahre Schneide-Erfahrung, die er verkörpert, dem Klang der Scheibe ausgesprochen gut getan haben. Auch er hat übrigens auf jegliche Klangmanipulation verzichtet. Die Galvanik sowie die Pressung übernahm die Pallas in Diepholz.

Da man sich für die Analog- und die Digital-Aufnahme nicht auf einen Mischer einigen konnte und die Mikrofonsignale auch nicht splitten wollte, wurde doppelt mikrofoniert, was Patrice Heral zum Glück nicht störte. Damit auch seine elektronischen Sounds als Punktschallquelle wahrgenommen wurden, übernahm ein Bose L1 System ihre Verstärkung
Da man sich für die Analog- und die Digital-Aufnahme nicht auf einen Mischer einigen konnte und die Mikrofonsignale auch nicht splitten wollte, wurde doppelt mikrofoniert, was Patrice Heral zum Glück nicht störte. Damit auch seine elektronischen Sounds als Punktschallquelle wahrgenommen wurden, übernahm ein Bose L1 System ihre Verstärkung

Nach dem Konzert: Rainer Böhm, Dieter Ilg und Patrice Heral. Das Sofa stand übrigens auf der Bühne hinter dem Bassisten und hatte einen positiven Einfluss auf die Akustik
Nach dem Konzert: Rainer Böhm, Dieter Ilg und Patrice Heral. Das Sofa stand übrigens auf der Bühne hinter dem Bassisten und hatte einen positiven Einfluss auf die Akustik
Zur Musik: Wo Otello draufsteht, ist auch Verdi drin. Deutschlands bester Bassist und seine Begleiter – Rainer Böhm am Flügel und Patrice Heral an Schlagzeug und Elektronik interpretieren hier die bestens bekannten Arien, die Dieter Ilg für das Jazz-Trio bearbeitete. Eine Studio-CD mit den Arrangements des Bassisten überzeugte die Juroren von Deutschlands wohl wichtigstem Musikpreis derart, dass sie ihn mit dem Echo Eward 2011 auszeichneten. Dabei wollte Dieter Ilg es aber nicht bewenden lassen: Er bearbeitete inzwischen weitere Stücke aus der Oper für sein Trio, um sie in einer Live-Version zu präsentieren. Das tat er im vergangenen Jahr unter anderem in Schloss Elmau, wo er einige Zeit als Artist In Residence verbrachte. Da wir ihn dort mit seinem Solo-Programm schon für unsere erste LP aufgenommen hatten, lag es nahe, das Otello-Konzert und die vorausgehenden Proben ebenfalls im Schloss aufzuzeichnen. Und das passierte gleich zweimal: zum einen auf mehreren Spuren digital für eine CD, die auf dem ACT-Label erschien, und zum anderen auf den jeweils zwei Spuren zweier Studer A810 für die LP.

Für die CD schöpfte man dann aus dem gesamten, während der beiden Tage eingespielten Material, das auf digitalem Weg klanglich optimiert werden konnte. Für die LP wählte Dieter Ilg ausschließlich aus den Songs aus, die vor Publikum aufgezeichnet wurden: Der Klang des Trios war nämlich deutlich differenzierter, als die Zuhörer mit ihrer Anwesenheit für ein bisschen mehr Dämpfung und weniger Nachhall sorgten. Ich denke, die Beschränkung auf das Konzert hat sich wirklich gelohnt. Doch urteilen Sie selbst und genießen Sie Verdi mit mehr Groove denn je!


PS: Als Download-Button dient das Cover der CD, die bei ACT erschienen und im Fachhandel erhältlich ist. Die LP gibt es direkt bei www.dieterilg.de oder bei einschlägig bekannten Analogspezialisten wie DaCapo

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Dienstag, 07 Februar 2012 01:00

Norddeutsche Hifi-Tage 2012 – Teil zwei

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Hier ist er endlich, der schon für gestern angekündigte zweite Teil der Berichterstattung über die Hifi-Tage in Hamburg.
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Da der von der High End On Tour begeisterte Kollege dennoch nur einen Tag dort verbringen konnte und deshalb auch den zweiten Teil seines Artikels gestern schon fertig hatte, habe ich ihm gern den Vortritt gelassen, als es um die abschließende Würdigung der Ausstellungen in Hamburg und Darmstadt ging, erlaubte mir dies doch nach über 800 Kilometern Fahrt durch die eisige Republik statt Arbeit an der Tastatur ein wenig Ruhe.

Bei den Norddeutschen Hifi-Tagen sammelte ich nicht nur Informationen für diesen und den vorherigen Messebericht, sondern unterhielt mit meiner Gattin auch einen Stand zur Werbung für Hifistatement und zum Verkauf der Scheiben von sommelier du son. Zusammen mit dem starken Zuwachs an Ausstellern und genutzter Fläche – neben dem Erd- und dem erstem Obergeschoss wurden nun auch noch mehr Stockwerke in luftiger Höhe, konkret die Etagen 15 bis 18, belegt – führte dies schließlich dazu, dass ich es nicht einmal in alle Räume schaffte: Mitten in der 15. Etage überraschte mich das Messeende. Ein wenig Schuld daran wälze ich gerne auf die Vielzahl von Besuchern und die dadurch oft übervollen Räume ab, die ein zügiges Arbeiten nicht gerade erleichterten. Doch ernsthaft: Gerade der Andrang von vorsichtig geschätzten 3500 Hifi-Interessierten ist es ja, der diese über die Jahre gewachsene Veranstaltung zu einem Erfolg und alle Aussteller rundum zufrieden machte. Vielen Dank für diese gelungene Messe an Wolfgang Borchert, seine wie immer ebenso freundlichen wie engagierten Familienmitglieder und das Team vom Hifi Studio Bramfeld!


 

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Montag, 06 Februar 2012 01:00

High End On Tour 2012 in Darmstadt –Teil zwei

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In der Einleitung zu Teil eins habe ich meiner Begeisterung über diese Messe ja schon kund getan. Und deshalb will ich es keinesfalls dabei bewenden lassen: die High End On Tour in Darmstadt zum Zweiten.
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Sonntag, 05 Februar 2012 01:00

High End On Tour in Darmstadt 2012 –Teil eins

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Gerade rechtzeitig, um sich die kalten Tage audiophil zu vertreiben, hat die High End On Tour in Darmstadt ihre Zelte aufgeschlagen.
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Und gleich vorweg kann man sagen, dass der Veranstaltungsort sehr geeignet war, um unserem geliebten Zeitvertreib nachzugehen. Denn nicht oft findet man diese Kombination aus großen und hellen Messeräumen, die nicht nur optisch, sondern auch akustisch für ein adäquates Ambiente sorgen. Aber sicherlich haben auch die Aussteller mit ihren hörens- und sehenswerten Produkten dazu beigetragen, dass ein reger Andrang herrschte und nahezu jede Vorführung proppenvoll war. Bleibt mir nur noch ein Dankeschön an die High End Society und das darmstadtium. Allen nicht Dagewesenen wünsche ich viel Spaß mit unserem Messebericht.


 

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Sonntag, 05 Februar 2012 01:00

Norddeutsche Hifi-Tage 2012 – Teil eins

geschrieben von
Auch in diesem Jahre hat die Zahl der Aussteller bei den Norddeutschen Hifi-Tagen wieder zugenommen. Und der Andrang am ersten Tag könnte durchaus der Grundstein für einen neuen Bestwert bei den Besucherzahlen sein.
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Wenn die Räume – zumindest die im Erdgeschoss und in der ersten Etage – schon um kurz nach zehn Uhr so voll sind, dass man sich zum Fotografieren zwischen den Besuchern hindurchschlängeln muss, mag das die Aussteller erfreuen, dem Berichterstatter macht es die Arbeit aber nicht gerade leichter. Auch an Pausen an unserem Stand ist nicht zu denken: Dafür ist ein Meinungsaustausch über Hifistatement oder die Produktion von Schallplatten einfach viel zu spannend. Morgen stehen dann die oberen Etagen auf dem Programm.


 

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Montag, 30 Januar 2012 01:00

Ypsilon Electronics PST-100 MKII und Aelius

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Ypsilon Electronics war nicht nur im letzten und vorletzten Jahr auf der High End vertreten: Doch das Fehlen eines deutschen Vertriebes hat wohl verhindert, dass ich die Verstärker mit den ebenso interessanten wie eigenständigen Detaillösungen schon eher entdeckte. Nun hat WOD die Griechen unter seine Fittiche genommen.
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Auch nach fast 20 Jahren Schreiben über Hifi hat man noch längst nicht alles ausprobiert: Ich kann mich nicht erinnern, jemals zuvor Komponenten aus Griechenland oder eine Vorstufe mit einer Lautstärkeregelung per Transformator in Händen gehabt zu haben und eine rein passive Vorstufe benutzte ich zuletzt lange Zeit vor meiner beruflichen Beschäftigung mit unserem Thema: Zwischen einem Audiolabor Fein Phonoentzerrer und Michaelson & Austins TVA 1 Endstufe sorgte ein in ein schlichtes Gehäuse montierter Widerstandsschalter aus Burmesters erster, längst legendärer Vorstufe für den richtigen Pegel.

Die Front der Vorstufe wirkt sehr elegant – auch weil Ypsilon auf jegliche Bedienungselemente verzichtete. Das Display kann per Fernbedienung ausgeschaltet werden
Die Front der Vorstufe wirkt sehr elegant – auch weil Ypsilon auf jegliche Bedienungselemente verzichtete. Das Display kann per Fernbedienung ausgeschaltet werden

Vielleicht liegt es ja an diesen frühen Hifi-Erfahrungen, dass ich passive Vorstufen bisher fälschlicherweise eher der Do-It-Yourself-Ecke zurechnete und wenig attraktiv fand. Von diesem Vorurteil heilt einen die Ypsilon PST-100 MKII, die ganz nach Wunsch ihres Besitzers aktiv oder passiv agiert, schon auf den ersten Blick: Vorstufen-Boliden diesen Kaliebers sieht man in letzter Zeit selbst aus den USA eher selten. Aber bei der PST-100 ist es nicht die schiere Größe, die beeindruckt: Die Verarbeitung überzeugt auf ganzer Linie, bei der Ausstattung ist allerdings noch ein wenig Luft nach oben. So kann die Vorstufe ohne Fernbedienung nicht in Betrieb genommen werden. Auch auf die Gefahr hin, dass einige Taster die beinahe zwei Zentimeter dicke Frontplatte mit ihrer eleganten Vertiefung über dem gefrästen Firmenlogo verunzieren könnte, wünschte man sich doch einige Drucktasten, die die Nutzung der PST-100 bei verlegter – kann ja durchaus mal passieren – Fernbedienung oder leeren Batterien sicherstellten. Dass sich die schmückende Vertiefung, das Firmenlogo und sechs polierte Knöpfe überaus harmonisch kombinieren lassen, beweist Ypsilon Electronics übrigens selbst mit der trotz ihrer Größe haptisch angenehmen und auch optisch sehr gelungenen Fernbedienung.

Lassen Sie sich von den XLR-Buchsen nicht täuschen: Die PST-100 MKII ist komplett unsymmetrisch ausgelegt. Die Vorstufe bietet zwar einen Tape-Ausgang, aber keine Monitor-Funktion
Lassen Sie sich von den XLR-Buchsen nicht täuschen: Die PST-100 MKII ist komplett unsymmetrisch ausgelegt. Die Vorstufe bietet zwar einen Tape-Ausgang, aber keine Monitor-Funktion

Wer wie ich gern mit Studio-Tonbandmaschinen hantiert, würde sich auch über mehr als den einen vermeintlich symmetrischen Eingang freuen. Leider verbirgt sich hinter der XLR-Büchse nämlich nur ein weiterer unsymmetrischer Eingang. Wie wäre es mit einem „echten‟ symmetrischen Eingang mit Desymmetrier-Trafo? Danach befragt, hatte Demetris Backlavas, einer der beiden Gründer von Ypsilon Electronics, allerdings ein einleuchtendes Argument parat: Für einen weiteren Trafo, der den firmeneigenen Anforderungen genügt, sei in der Vorstufe schlicht kein Platz. Das nun wirklich nicht gerade geringe Volumen der Vorstufe teilen sich bisher: ein Netztrafo, die Drosselspule des Netzteils, zwei Ausgangsübertrager der Röhrenstufe und zwei Transformatoren zur Lautstärkeregelung mit jeweils 31 Anzapfungen. Werfen Sie nur mal einen Blick auf die Übertrager der aktiven Stufe: Da möchte man kaum glauben, dass es hier lediglich um die Auskopplung eines Kleinsignals geht. Ich kenne kleinere Röhrenendstufen, die auch keine imposanteren Übertrager aufweisen.

Die beiden Übertrager unten in der Mitte dienen der Kopplung der Röhren an die Attentuator-Trafos rechts
Die beiden Übertrager unten in der Mitte dienen der Kopplung der Röhren an die Attentuator-Trafos rechts

 

Die Trafos lassen noch ein wenig Raum für eine zentrale Platine oder – da die Bauteile mit Silberdraht von Punkt zu Punkt verdrahtet sind – besser Montageplattform für die 6CA4 Gleichrichterröhre, die Jensen-Netzteilkondensatoren und die beiden Siemens C3m Post-Röhren, die hier als Triode arbeiten. Aber es stand ja schon im Pflichtenheft dieser Pentode, dass sie auch bei Triodenbeschaltung die Kennlinien einer sehr guten „echten‟ Triode aufweisen solle. Ob die C3m im Signalweg liegen oder nicht, regelt auf das entsprechende Signal der Fernbedienung hin die Steuerungselektronik, die auf der unteren von drei übereinander angeordneten Platinen untergebracht ist, die gerade noch zwischen Rückwand und Trafos Platz finden. Die beiden oberen Boards sind mit einer Vielzahl von Relais bestückt, die die Aktiv/Passiv-Umschaltung, die Eingangswahl und die Lautstärkeregelung für jeweils einen Kanal übernehmen. Dabei wird die Röhrenstufe mit ihren Ausgangstrafos nicht einfach vor der Lautstärkeregelung in den Signalweg gelegt oder herausgenommen: Auch hier arbeitet die PST-100 bei den ersten sechs Lautstärkestufen völlig passiv. Erst ab „Volume 7‟ fließen die Signale durch die Röhren und den Übertrager, bevor sie die Wicklungen des sogenannten Attentuator-Trafos mit seinen 31 Anzapfungen durchlaufen. Daher gibt es im aktiven Modus 37 Pegelschritte, im passiven sechs weniger. Insgesamt erstreckt sich der Regelbereich im aktiven Betrieb über 52 Dezibel, die Verstärkung liegt bei 16 Dezibel.

Jensen-Kondensatoren und eine Drossel sorgen nach der Gleichrichter-Röhre für saubere Energie. Die Verstärkung übernimmt pro Kanal eine Siemens C3m in Triodenschaltung
Jensen-Kondensatoren und eine Drossel sorgen nach der Gleichrichter-Röhre für saubere Energie. Die Verstärkung übernimmt pro Kanal eine Siemens C3m in Triodenschaltung

Das Ungewöhnliche am Konzept der PST-100 ist es, dass hier die aktive Stufe vor statt hinter der Pegelregelung liegt. Üblicherweise soll eine Verstärkerstufe mit möglichst geringer und konstanter Ausgangsimpedanz dafür sorgen, dass dem Signal selbst längere Kabelwege und nicht allzu hohe Eingangswiderstände der Endstufen nichts anhaben können. Da Ypsilon Electronic zur Lautstärkeregelung kein Poti, sondern den Attentuator-Trafo einsetzt, ergeben sich aber selbst ohne anschließende Bufferstufe recht günstige Verhältnisse an den unsymmetrischen Ausgängen – auch hier liefert die XLR-Buchse kein symmetrisches Signal: Die höchste Ausgangsimpedanz wird in beiden Betriebsarten bei der höchsten Lautstärkestufe, also einer Dämpfung von null Dezibel erreicht: Im aktiven Modus wird die Ausgangsimpedanz durch den Trafo zwischen Röhre und Attentuator-Trafo bestimmt und beträgt 150 Ohm. Im passiven Betrieb ist es exakt die Ausgangsimpedanz der angeschlossenen Quelle – und die ist heute bei Wandlern und Phonoentzerrern in den aller meisten Fällen ausgesprochen niedrig. Wird der Pegel durch den Trafo herabgesetzt, sinkt im aktiven wie im passiven Betrieb auch die Ausgangsimpedanz. Bei Endstufen mit  Eingangsimpedanzen oberhalb von zehn Kiloohm dürfte also alles im grünen Bereich liegen, bei meinen Brinkmann-Monos mit ihren 600 respektive 1000 Ohm ist allerdings ausprobieren angesagt.

Die schmucke Fernbedienung lässt vermuten, dass sechs Drucktasten auch die Frontplatte der Vorstufe nicht verunziert hätten
Die schmucke Fernbedienung lässt vermuten, dass sechs Drucktasten auch die Frontplatte der Vorstufe nicht verunziert hätten


Keinerlei Anpassungsprobleme gibt es natürlich bei der firmeneigenen Endstufe. Die Aelius-Monos mit ihrem Eingangswiderstand von 47 Kiloohm sind übrigens das kleinere, wenn auch leistungsstärkere von zwei Hybrid-Endstufen-Modellen, das Demetris Backlavas und Fanis Lagadinos entwickelten. Hier werkelt eine Siemens C3g in der Eingangsstufe und steuert über einen selbstverständlich im Hause gewickelten Transformator zwei im Push-Pull-Betrieb verstärkende MOS-Fet-Ausgangsstufen an. So wird an acht Ohm eine Leistung von 200 Watt erreicht. Eine weitere Besonderheit des Schaltungskonzeptes stellt der extrem hohe Class-A-Bereich dar: Bis zu 60 Watt arbeitet die Aelius in dieser klangfördernden Betriebsart, was allerdings schon im Leerlauf zu einer Leistungsaufnahme von 200 Watt und der entsprechenden Wärmeabstrahlung führt. Dafür, dass es nicht gar zu heiß wird, sorgt eine elektronische Schutzschaltung. Eine weitere soll Gleichstrom an den Lautsprecherterminals verhindern. An diesen liegt übrigens ein phasengedrehtes Signal an: Die Lautsprecher sind also verpolt anzuschließen. Auch eingangsseitig erlaubt sich die Aelius ein paar Eigenheiten. Der XLR-Eingang – zwischen ihm und dem Cinch-Eingang kann per versenkt angebrachtem Kippschalter gewählt werden – ist wie der der Vorstufe unsymmetrisch beschaltet. Etwaige Brummprobleme lassen sich mit einem ebenfalls versenkt montierten Groundlift-Schalter beheben.


Auch die Endstufe kommt ohne jegliches Bedienelement auf der Frontplatte aus
Auch die Endstufe kommt ohne jegliches Bedienelement auf der Frontplatte aus

Schon bei einer etwas genaueren Betrachtung erweisen sich die PST-100 MKII und das Pärchen Aelius als extrem hochwertig verarbeitete Verstärker mit einer Reihe von eigenständigen Lösungen, die sie positiv vom High-End-Mainstream unterscheiden. Die ersten knackig kalten Tage dieses eher lauen Winters sind da genau richtig, um sich ausführlicher mit den Class-A-Heizungen zu beschäftigen. Dazu kommen die Aelius direkt auf dem Boden zwischen den Lautsprechern und die Vorstufe auf der oberen Ebene des Pagode-Racks zu stehen. Die Verbindung übernimmt ein unsymmetrisches HMS Gran Finale Jubilee. Gleich nach dem Einschalten lässt sich ein leichter Brumm aus den Lautsprechern vernehmen, der aber sofort verschwindet, wenn der Groundlift an beiden Endstufen aktiviert ist. Ich schalte die Vorstufe auf passiv und beginne erst einmal mit ein paar neuen Scheiben wie den Offenbach-Interpretationen Gianluigi Trovesis auf ECM, Michel Godards in einem halligen Refektorium eines Klosters aufgenommenen Monteverdi-Variationen auf Carpe Diem und Joo Kraus‘ Painted Pop auf edel:content – trotz ihrer Unterschiedlichkeit alles Scheiben, die musikalisch ebenso zu überzeugen verstehen wie klanglich. Nur warnen kann ich allerdings vor Tom Waits‘ neuestem Werk Bad As Me, das zwar alles bietet, was dem Waits-Fan lieb und teuer ist, jedoch so schrill und komprimiert daherkommt, das es einen graust – trotz Mastering von Bernie Grundman. Bei den drei vorher genannten Scheiben darf man sich dank der Ypsilons aber an einer sehr großen Abbildung und leicht hell timbrierten, intensiven und kräftigen Klangfarben erfreuen. Ohne gleich hektisch hin und her zu stöpseln, würde ich den Ypsilons eine noch etwas großzügigere Raumdarstellung, einen Hauch mehr Offenenheit und ein wenig mehr Schub im Präsenzbereich attestieren als meinen vertrauten Brinkmanns.

Vor dem mächtigen Netztrafo liegen die beiden, von der Platine mit der Schutzschaltung zum Teil verdeckten Drosseln des Netzteils der Transistorausgangsstufe
Vor dem mächtigen Netztrafo liegen die beiden, von der Platine mit der Schutzschaltung zum Teil verdeckten Drosseln des Netzteils der Transistorausgangsstufe

Mit bekannteren Files von der Festplatte widme ich mich dann dem Vergleich der beiden Betriebsarten der Vorstufe. Das erweist sich als deutlich schwieriger als erwartet und spricht damit umso mehr für die Konstrukteure der PST-100 MK II: Es gelingt ihnen, ihr Klangideal mit oder ohne aktive Verstärkung nahezu vollständig zu erreichen. Die Unterschiede zwischen beiden Modi sind so gering, dass sie nicht wirklich erwähnenswert wären, doch um der Chronistenpflicht zu genügen, versuche ich mich doch einmal daran: Im passivem Modus geht es auf der imaginären Bühne noch ein klein wenig luftiger und großzügiger zu und die Klangfarben geraten eine Nuance satter. Deshalb – und weil die Pegel der Wandler und der Phonostufe völlig ausreichen – verzichte ich im weiteren auf die Dienste der C3m in der Vorstufe. Ich könnte also auch mit dem etwas günstigeren, passiven Modell PST-100 TA glücklich werden.

Wenn es nach mir ginge, würde ich hier aufhören und einige meiner Lieblingsscheiben im Cinemascope-Sound der Ypsilons hören. Aber man sollte sich ja nicht zu früh zufrieden geben. So ist beispielsweise der Aufwand, um drei Nordost Pulsar Points aus Titan unter die Vorstufe zu schieben, denkbar gering – nicht aber ihre klangliche Wirkung. Mit Hilfe der der Titan-Gebilde agiert die PST-100 noch einmal eine Spur weiträumiger und offener. Die imaginäre Bühne gewinnt etwas Tiefe hinzu und die Tieftonwiedergabe an Präzision, ohne an Druck zu verlieren. Statt die Ankopplung der Vorstufe auf die Spitze zu treiben und mit Füßen von Acoustic Systems oder Finite Elemente zu experimentieren, wende ich mich lieber den Endstufen zu: Hier bewirken sechs Cerabase mindestens noch einmal so viel wie die Pulsar Points unter der Vorstufe: Diese Abbildungsgröße und -tiefe habe ich bisher mit meinen Lautsprechern nicht erleben können. Vor den simplen Tuning-Maßnahmen gefielen mir die Ypsilons schon ausgesprochen gut. Aber es gehört einfach zum Job, noch faszinierenderen Komponenten als den eigenen zu begegnen und sie dennoch recht emotionslos an ihren Besitzer zurückzugeben. So wie die Ypsilons aber nun agieren, machen es mir doch schwerer als gedacht, an die Trennung zu denken. Allein das Fehlen symmetrischer Eingänge hält mich davon ab, über riskante Finanzierungsmodelle nachzudenken. Übrigens: Fällt Ihnen eine Steigerung zu Cinemascope ein? Wenn ja, dann haben Sie ungefähr eine Vorstellung davon, was Sie von PST-100 MK und Aelius erwarten dürfen.


Der Trafo zur Ansteuerung der beiden im Brückenbetrieb arbeitenden MOS-Fet-Ausgangsstufen ist unter dem Board links mit den Röhren und ihrem Choke-Netzteil verborgen
Der Trafo zur Ansteuerung der beiden im Brückenbetrieb arbeitenden MOS-Fet-Ausgangsstufen ist unter dem Board links mit den Röhren und ihrem Choke-Netzteil verborgen

Die Vorstufe harmoniert übrigens auch sehr gut mit meinen Brinkmann-Monos. Erfreulicherweise bleibt dabei ein nicht geringer Teil der fantastischen Raumdarstellung erhalten. Die Bühne wirkt nur minimal kleiner und nur ein Hauch Luftigkeit geht verloren – obwohl hier die gewiss nicht idealen pseudo-symmetrische Ausgänge der Ypsilon-Vorstufe Verwendung finden. Wenn das so weitergeht, werde ich noch zum Verfechter passiver Vorstufen – vorausgesetzt, sie sind so hervorragend ausgeführt wie die PST-100 MKII. Zum Abschluss gönne ich mir noch einmal das komplette Ypsilon-Trio mit einer 192-Kilohertz-Version von Muddy Waters‘ „Good Morning School Girl‟: So lebensgroß auf Breitwandformat habe ich diese vier Musiker noch nie gehört. Einfach umwerfend!

Auch die Spannung für die Siemens C3g wird von einer 6CA4 gleichgerichtet
Auch die Spannung für die Siemens C3g wird von einer 6CA4 gleichgerichtet

 

 

STATEMENT

Demetris Backlavas, Fanis Lagadinos und seit einiger Zeit auch Andy Hassapis konstruieren und fertigen bestens verarbeitete Verstärker mit selbstgewickelten Transformatoren und Übertragern. Und der Aufwand zahlt sich aus. PST-100 MKII und Aelius leisten sich in keiner Disziplin auch nur die geringste Schwäche und brillieren mit einer derart beeindruckenden Abbildung, dass der nicht unbeträchtliche Preis und die Wärmeentwicklung der Endstufen sofort in Vergessenheit geraten. Ich freue mich schon jetzt auf die Phonostufe.
GEHÖRT MIT
Plattenspieler Brinkmann LaGrange mit Röhrennetzteil
Tonarm Brinkmann 12.1, Kuzma 4Point
Tonabnehmer Brinkmann EMT ti, Lyra Olympos
Phonostufe Einstein The Turntable’s Choice symmetrisch
CD-Laufwerk Wadia WT 3200
D/A-Wandler M2Tech Young und Palmer, Prototyp
Vorverstärker Brinkmann Marconi
Endstufe Brinkmann Monos
Lautsprecher LumenWhite DiamondLight Monitors
Kabel HMS Gran Finale Jubilee, Audioplan Powercord S, CharismaTech
Zubehör PS Audio Power Plant P5, Sun Leiste, Audioplan Powerstar, HMS-Wandsteckdosen, Acapella Basen, Acoustic System Füße und Resonatoren, Finite Elemente Pagode Master Reference Heavy Duty und Cerabase, Harmonix Real Focus

 

HERSTELLERANGABEN
Vorstufe Ypsilon Electronics PST-100 MKII
Frequenzgang 9 Hz – 100 kHz (-3dB)
Ausgangswiderstand 150 Ohm
Eingangswiderstand 50 kOhm
Verstärkung 7-fach (16,9 dB)
Leistungsaufnahme 100 W
Abmessungen (B/H/T) 400/180/410 mm
Gewicht 25 kg
Preis 23100 Euro
Garantie 5 Jahre (außer Röhren)

 

HERSTELLERANGABEN
Monoendstufe Ypsilon Electronics Aelius
Ausgangsleistung vor Clipping 200W rms an 8 ohmm 350W rms an 4 Ohm
Frequenzgang 11 Hz - 75 Khz (-3 dB)
Ausgangsimpedanz 0,4 Ohm
Eingangsimpedanz 47 Kiloohm
Verstärkung 30-fach (29,5 dB)
Eingänge symmetrisch, unsymmetrisch (umschaltbar)
Leistungsaufnahme 200 W (Leerlauf)
Abmessungen (B/H/T) 425/230/425 mm
Gewicht 45 kg
Paarpreis 23100 Euro
Garantie 5 Jahre (außer Röhren)

 

VERTRIEB
Werner Obst Datentechnik
Anschrift Westendstraße 1A
61130 Nidderau
Telefon +49 6187 900077
E-Mail info@wodaudio.de
Internet www.wodaudio.de

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Eigentlich war diese prickelnde und swingende Melodie als unser Silvestergruß an Sie, lieber Leser, gedacht. Doch wegen der Feiertage zog sich die Freigabe leider ein wenig länger hin. Die Verzögerung dürfte den Genuss dieses wunderbaren Songs aber keinesfalls schmälern.


Wolfgang Schlüter faszinierte das Publikum mit seinem Spiel ebenso wie mit seinen eingängigen Kompositionen
Wolfgang Schlüter faszinierte das Publikum mit seinem Spiel ebenso wie mit seinen eingängigen Kompositionen

Spätestens seit seinem auf ECM erschienenen Lyrik und Jazz-Projekt mit Peter Rühmkorf, „Kein Apolloprogramm für Lyrik‟ – mit Michael Naura und Eberhard Weber – schätze ich den norddeutschen Vibraphonisten. Sie können sich also vorstellen, was mir die Zusage, seinen Auftritt im Birdland für unsere Downloads mitschneiden zu dürfen, bedeutete. Das Konzert übertraf dann alle Erwartungen – nicht zuletzt dank Wolfgang Schlüters virtuosen Begleitern, allen voran Boris Netsvetaev. Doch bevor ich mich weiter als leicht euphorisierter Kritiker versuche, überlasse ich das Wort lieber Tobias Böcker, der das Konzert in der regionalen Presse besprach:

Boris Netsvetaev zauberte an den Tasten und demonstrierte seine Virtuosität
Boris Netsvetaev zauberte an den Tasten und demonstrierte seine Virtuosität

 

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Wolfgang Schlüter spielt sich durch 60 Jahre seines Lebens


Mühsam tastet er sich zur Bühne vor, steht hinter dem Vibraphon wie ein erratischer Block, beginnt dann zu spielen, wie ein Wunder zu swingen und zu schweben. Wolfgang Schlüter, echtes Urgestein des deutschen Jazz, erstaunliche 80 Jahre jung, ist seiner großen musikalischen Liebe, dem Swing, seit über sechs Jahrzehnten treu, legt dabei schon immer wert darauf, up to date zusein, elegante, anspruchsvolle, bewegende, befreiende Musik zu machen. Bis heute kostet er den Spirit jener jungen Jahre aus, als der vormalig als Negermusik verhöhnte Jazz in Deutschland wirkte wie eine frische Brise der Freiheit, Individualität vermittelte statt Gleichschaltung, leichten swing statt hartem Tritt, frische Luft statt braunem Muff, friedfertiges Miteinander im losen Band der Band statt ein Lied, zwo drei vier: „It's You Or No One“.

Dass er nicht beim Jazz jener frühen Jahre blieb, tritt unmittelbar hervor mit „Al Haba“, einer eigenen Komposition, die sich nicht zuletzt auch Dank der Beiträge seiner exquisiten Bandmitglieder weit hinaus begibt auf die weiten Felder improvisatorischer Kreativität. Gleiches gilt für eine Hommage an Thelonious Monk, jenen quer denkenden, kantigen Genius der Gründerzeit des Bebop. Neben dem förmlich über die Klangstäbe wirbelnden Schlüter nimmt vor allem der erfrischend aufspielende Boris Netsvetaev am Bösendorfer den Geist des großen Individualisten Monk auf, fegt förmlich um Ecken und Kanten durch metrische Tücken und harmonische Raffinessen. In einer dem Dichter Peter Rühmkorf zugeeigneten Ballade löst sich aus einem Intro mit fast Rachmaninoffschem Pathos eine feine, leise, wunderbar weich swingende Melodielinie von liebevoller, lyrischer Wärme.

Dezent dazu die Besen von Drummer Kai Bussenius, der an anderer Stelle ganz schön Temperament zeigt, und der wohlige, äußerst wendige Bass von Philipp Steen. Wieselflinker Bebop dann wieder mit dem Klassiker „Donna Lee“: Da ist Schlüter ganz nah an den Wurzeln seiner Entwicklung, nicht ohne wiederum zu zeigen, dass er auch ganz nah an der Moderne sein kann, wobei hier die „Crazy Familiy“ des Begleittrios mehr und mehr in die Offensive geht. Der Altmeister – ehedem Professor an der Musikhochschule Hamburg – nimmt mit offenkundigem Vergnügen Anteil an der Reife seiner Schüler, steuert seinerseits blitzgeschwinde Soli bei und entfaltet dazu seine eigenen lyrischen „Visionen“, dem Jungbrunnen entstiegen im schöpferischen Fluss der Ereignisse.

Tobias Böcker


Philipp Steen sorgte für ein solides Fundament und setzte mit seinen Soli Glanzlichter auf die Songs
Philipp Steen sorgte für ein solides Fundament und setzte mit seinen Soli Glanzlichter auf die Songs

Die Wahl der Mikrofonierung erwies sich rückblickend als Glücksgriff: Wie immer sollte ein Stereomikro den Löwenanteil des Klanges einfangen, gestützt durch eine MBHO-Kleinmembrankapsel mit separatem Verstärkerteil für den Kontrabass. Da mir bei vergangenen Aufnahmen dieser Art aber ein wenig Energie vom Bösendorfer fehlte, hatte ich vorsichtshalber das Earthworks PianoMic in den Flügel gelegt, um im Zweifelsfall ein wenig mehr Informationen von den Saiten zum Gesamtbild mischen zu können – was ich dann auch tat, damit keine Nuance der schier überbordenden Virtuosität Boris Netsvetaevs verloren ging. Für mich ist dies – vorrangig aus musikalischer Sicht – einer der schönsten im vergangenen Jahr aufgenommenen Downloads. Viel Spaß damit.

Auch in der für Schlagzeuger nicht gerade unkritischen Akustik des Bildlands fand Kai Bussenius immer die richtige Balance zwischen subtiler Begleitung und treibender Kraft
Auch in der für Schlagzeuger nicht gerade unkritischen Akustik des Bildlands fand Kai Bussenius immer die richtige Balance zwischen subtiler Begleitung und treibender Kraft

 
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Wolfgang Schlüter Quartett
Monk Magie
16 bit / 44,1 kHz
ca. 90,4 mb (wav)
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Wolfgang Schlüter Quartett
Monk Magie
24 bit / 192 kHz
ca. 590,3 mb (wav)


PS: Als Download-Button haben wir das Cover der aktuellen CD des Quartetts, Four Colours (Skip Records), ausgesucht – für den nicht unwahrscheinlichen Fall, dass Ihnen ein Stück dieser Combo einfach nicht genügt.

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Dienstag, 17 Januar 2012 01:00

Dritter Teil: Danny Kaeys Bilder und Kommentare von der CES

geschrieben von
Diesmal gibt es nur wenige Bilder, dafür aber mehr zu lesen. Danny Kaeys Text traf wie verabredet am späten Sonntagabend ein, doch leider hatte er ihn diesmal, anders als seine Bildunterschriften, in Englisch verfasst. Die Verzögerung bei der Übersetzung nimmt die Redaktion auf ihre Kappe ...
intro


Die Consumers Electronic Show 2012 war nicht übermäßig gut besucht und in vielerlei Hinsicht auch nicht gerade überwältigend. Vielleicht lag es an mir und es war schlicht Übersättigung bei meiner immerhin zehnten CES. Vielleicht lag es an den ökonomischen Rahmenbedingungen oder einfach nur an der Tatsache, dass die Show in diesem Jahr mitten in der Woche stattfand: von Dienstag bis Freitag. Wie dem auch sei, ich hatte Gelegenheit, alte Freunde zu treffen, ein paar neue zu gewinnen und – das Wichtigste – coole neue Musik und Klänge zu genießen.

Nach meinem zehnten Besuch in Folge ist die CES immer noch hier: Las Vegas. Ich denke es ist langsam an der Zeit, die Show woandershin zu verlegen…
Nach meinem zehnten Besuch in Folge ist die CES immer noch hier: Las Vegas. Ich denke es ist langsam an der Zeit, die Show woandershin zu verlegen…

Wie in jedem Jahr wurde ich auch diesmal von Freunden gefragt, was denn die Killer-Vorführung oder das hippeste Produkt gewesen sei oder in welchem Raum es am besten geklungen habe. Glücklicherweise gab es in diesem Jahr einige Highlights. Zum einen scheint sich eine echte Dynamik zu entwickeln, DSD zu einem Mainstream-Musikformat zu machen. Während ursprünglich Andreas Koch, der mit seinem Partner Jonathan Tinn Playback Designs betreibt, damit begann, wurde DSD über USB nun außer bei Playback Designs auch von dCS vorgeführt. Verschiedene andere Hersteller versprachen darüber hinaus für die nahe Zukunft DSD-Upgrades für ihre Wandler. Wie immer in der digitalen Welt wird auch DSD über USB nur dann erfolgreich sein, wenn die entsprechende Software in ausreichender Menge erhältlich ist. Ich hoffe, dass Labels und alle, die musikalische Inhalte anbieten, auf diesen Zug aufspringen und Musikdateien in DSD das einheitliche High-Resolution-Format werden. Ich werde jedenfalls an diesem spannenden Thema dranbleiben.

CES 2012 • 18 songs, 1.2 hours, 476.2 MB

NameTimeAlbumArtist
Turning Tables 04:10:00   21 Adele
New Favorite 04:34:00 New Favorite Alison Krauss & Union Station
Inolvidable 03:20:00 Lágrimas Negras Bebo & Cigala
Yma 06:30:00 Satta Boozoo Bajou
After Forever 05:23:00 Shelter The Brand New Heavies
The Night We Called It Day 03:10:00 Cal Tjader Quartet Cal Tjader Quartet
An Evening With El Diablo 05:58:00 Wonder What's Next Chevelle
Solar Sailer 02:42:00 Tron Legacy Soundtrack Daft Punk
King Of The Road 03:14:00 Forever Cool Dean Martin
Montaña 05:23:00 The Best Of The Gipsy Kings Gipsy Kings
Williams' Blood 05:58:00 Hurricane Grace Jones
He Ain't Heavy, He's My Brother 04:22:00 Epic Anthology The Hollies
A Slow Hot Wind 03:23:00 The Voice That Is! Johnny Hartman
The Animator 05:08:00 Begone Dull Care Junior Boys
Ich Bin Nur Wegen Dir Hier 02:37:00 Küssen Kann Man Nicht Alleine Max Raabe
Love You 03:35:00 BLACKsummers'night Maxwell
Nightwalker 04:10:00 The Last Resort Trentemøller
Trackless Deep 03:19:00 Touch Yello
 


Kein Geheimnis: Diese Songs hört Kollege Kaey. Sie sind Grundlage seiner Bewertungen

Der zweite Teil meiner Messe-Highlights sind zwei Lautsprecher, die in ihrer jeweiligen Kategorie das Zeug dazu haben, in puncto Gegenwert Spitzenplätze einzunehmen. Marten, der schwedische High-End-Lautsprecherspezialist aus Gøteborg, nahm die CES zum Anlass, seine neuste Kreation vorzustellen. Django ist das erste Modell einer von Grund auf neuen Konzeption, an der die Firma in den letzten fünf Jahren gearbeitet hat. Dabei hat man alle bisherigen Lösungen hinterfragt, blieb aber bei den Accuton-Chassis, die schon zum Markenzeichen von Marten geworden sind. Bei der Django, die zu Paarpreis von 15000 Dollar angeboten wird, kommen die Keramik-Chassis aber lediglich im Hoch- und Mitteltonbereich zum Einsatz, während gleich drei maßgeschneiderte SEAS Acht-Zoll-Basstreiber pro Box für einen Fullrange-Sound bis hinab zu 20 Hertz sorgen sollen. Sie sind mit einem Raumanpassungsschalter kombiniert, mit dem sich die Basswiedergabe um ±3 Dezibel absenken respektive verstärken lässt.


Die großen, massiv wirkenden und fast 70 Kilogramm schweren Säulen sind ein Beispiel für den Marten-typischen Klang. Mit anderen Worten: Sie lösen sehr hoch auf, sind völlig neutral, decken das gesamte Frequenzspektrum ab – und das zu einem absolut vernünftigen Preis. Django ist ein herausragendes Angebot für alle, die die Martensche Klangqualität zu schätzen wissen. Mit meiner üblichen CES-Testscheibe (Details verrät die Tabelle oben) verließ ich tief beeindruckt die Vorführung, weil Django alle die Finesse bot, die man von einem sehr guten Lautsprecher erwarten darf – besonders von solchen des höchstens Preissegments.

Zus Definition Mk IV sieht ihrem Vorgänger zwar ähnlich, ist aber eine komplette Neukonstruktion. Tatsächlich liegen Welten zwischen den beiden Modellen, obgleich der Preis gleich blieb
Zus Definition Mk IV sieht ihrem Vorgänger zwar ähnlich, ist aber eine komplette Neukonstruktion. Tatsächlich liegen Welten zwischen den beiden Modellen, obgleich der Preis gleich blieb

Auf der anderen Seite der Klänge, also dort wo man eine extrem direkte Spielweise und einen ultradynamischen Sound schätzt, präsentierte Zu Audio aus Odgen, Utah, die Serienversion der Definition Mk IV für 12500 Dollar. Leser meiner Artikel in Hifistatement werden sicherlich wissen, dass ich das Vorgängermodell Definition Mk II seit langer Zeit besitze und als meine persönliche Referenz benutze. Sie können sich also meine Aufregung vorstellen, als Sean Casey von Zu Audio sagte, ich würde vom neuen Modell gewiss sehr beeindruckt sein, da die Mk IV – ebenso wie Martens Django – von Grund auf neu konzipiert worden sei und eher zufällig in ein ähnlich großes Gehäuse passe wie das Vorgängermodell.

Jede Lautsprechersäule enthält zwei Vollbereichs-Zehn-Zöller der neusten Zu Audio Generation mit Papiermembranen, die mit der firmeneigenen „Nano-tech Beschichtung‟ behandelt sind, die den Hochfrequenzbereich und die Linearität dramatisch verbessern sollen. Ein neuer sogenannter Super-Super-Tweeter, der von den beiden kräftigen Vollbereichs-Chassis flankiert wird, gibt die allerhöchsten Frequenzen über zehn Kilohertz wieder. Das Bassfundament übernimmt ein maßgeschneiderter, enorm mächtiger Zwölf-Zoll-Subwoofer zusammen mit einem für Zu Audio gebauten 400-Watt-Verstärker und einem parametrischen Equalizer-Modul, das perfekt zu dem nach unten abstrahlenden Subwoofer passt. Der Subwoofer und das Gehäuse sind durch einen drei Zoll dicken CNC-gefrästen Aluminium-Rahmen verbunden.

Das Ergebnis dieser kompletten Neuentwicklung aus dem Hause Zu ist ein Klang, der allen Zu-Fans sofort vertraut, doch dem der Definition Mk II einige Qualitätsstufen voraus ist: Fett, dicht, unglaublich dynamisch und wenn nötig äußerst laut, lauteten einige meiner Notizen, die ich während einer über einstündigen Hör-Session niederschrieb. Aber auch wirklich jeder, der an der Zu-Vorführung teilnahm, kam mächtig beeindruckt heraus. Freuen Sie sich schon einmal auf einen ausführlichen Test in den kommenden Monaten, denn Zu Audio hat die Lieferung eines Pärchens für den Februar versprochen.


Hier der Whizzer Cone eines Zehn-Zoll-Treibers: Er wird – wie fast alles bei Zu Audio  – im eigenen Haus in Ogden, Utah, gefertigt
Hier der Whizzer Cone eines Zehn-Zoll-Treibers: Er wird – wie fast alles bei Zu Audio – im eigenen Haus in Ogden, Utah, gefertigt

Wenn man bedenkt, dass diese beiden Lautsprecher zu einem Paarpreis von unter 15000 Dollar angeboten werden – also für ein für wirkliche Musikliebhaber durchaus akzeptables Budget – und dennoch keine Wünsche offen lassen, wundert man sich über die Richtung, die die Hifi-Szene insgesamt nimmt. Traditionell waren Hifi-Fans eine Gemeinschaft, die das Interesse für Musik teilte. Traurigerweise liegen nun Cost-No-Object Anlagen voll im Trend – was für das eigentliche Ziel unseres tollen Hobbys, den Musikgenuss, aber eher kontraproduktiv ist. So gesehen ist es schon sehr bemerkenswert, dass zwei Firmen – wenn auch mit völlig unterschiedlichen technischen Konzepten und recht unterschiedlichen Klangidealen – das Preissegment von unter 15000 Dollar in Zukunft kräftig beleben.

Was wird die CES 2013 bringen? Wer weiß – aber hoffentlich werden wir mehr DSD über USB und mehr Branchenführer unserer Industrie sehen, die ihre Angebote neu definieren, so dass viel mehr Musikfreunde auf den audiophilen Zug ins Nirwana aufspringen können! Cheers & bis zur High End in München!

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Nach den anfänglichen Problemen hatten wir ja schon fast die Hoffnung aufgegeben: Aber hier kommt der zweite Teil des Messeberichts, und für morgen hat der Kollege eine weitere Lieferung angekündigt.
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