Montag, 18 September 2017 09:46

Chord BLU MkII, Teil 1

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Der Beschäftigung mit dem BLU MkII habe ich seit seiner Vorstellung bei den Norddeutschen Hifi-Tagen entgegengefiebert. Nicht etwa, weil ich reumütig zur Fraktion der CD-Hörer zurückgekehrt wäre. Auch wenn der BLU auf den ersten Blick ausschaut wie ein CD-Laufwerk, liegen seine Werte im Inneren: Für mich ist er der momentan spannendste Upscaler überhaupt.

Das hat natürlich auch damit zu tun, dass der BLU MkII perfekt zu Chord Electronics' Wandler DAVE passt, der mich bei seinem Test klanglich derart beeindruckte, dass ich schließlich trotz aller guten Vorsätze, so schnell nicht wieder in kurzlebige Digital-Technik zu investieren, einen DAVE erwarb. Abgesehen von der Befürchtung, dass es bald noch leistungsfähigere FPGAs geben wird, mit denen Rob Watts, der schon seit Jahren für die Entwicklung von allen Chord DACs verantwortlich ist, dann einen noch besseren Wandler konstruieren könnte, lebe ich seitdem in Sachen Wandler glücklich und zufrieden. In den Ausführungen zu seinem DAC hatte Rob Watts postuliert, dass es sein Ziel sei, ein Filter mit einer Länge von mindesten einer Million Taps – beim DAVE sind es „nur“ 164.000 Taps – zu realisieren, um Transienten möglichst realitätsnah wiedergegeben zu können und der rein analogen Musikreproduktion noch ein Stückchen näher zu kommen. Womit ich in diesem Artikel keinesfalls die alte Diskussion „analog versus digital“ wiederbeleben möchte. Darin müsste dann ja nicht nur eine Bewertung der klanglichen Nachteile der mechanischen Kopiererei im Presswerk, sondern auch eine Betrachtung der Qualität der Analog-Digital-Wandlung einfließen. Dazu sei lediglich angemerkt, dass Rob Watts noch in diesem Jahr den Prototypen seines ADCs fertigstellen will. Man darf gespannt sein.

Da die Eingangswahl – CD-Laufwerk, USB- oder BNC-Anschluss – automatisch erfolgt, wirkt die Geräteoberfläche sehr aufgeräumt
Da die Eingangswahl – CD-Laufwerk, USB- oder BNC-Anschluss – automatisch erfolgt, wirkt die Geräteoberfläche sehr aufgeräumt

Inzwischen hat unter Musik- und Technikbegeisterten die Glaubensfrage „CD oder Streaming“ die alte Analog-Digital-Diskussion abgelöst. Den Kollegen Jürgen Saile interessiert Musik von der Festplatte nicht einmal aus Gründen der Bequemlichkeit, Wolfgang Kemper ist für beides offen, hat sich aber – soweit ich weiß – noch nicht endgültig festgelegt. Roland Dietl kann ich mir nur schwerlich ohne seine Laptops mit einer CD hantierend vorstellen und ich habe mich einmal für Festplatten entschieden und diesen Entschluss inzwischen nicht wieder in Zweifel gezogen. Aber egal, ob Musik von der CD oder der Festplatte: Der BLU MkII ist für die Anhänger beider Lager gleich interessant. Denn im BLU arbeitet ein Field Programmable Gate Array, mit dem sich ein Filter mit der magischen Million Taps realisieren lässt, der Xilinx XC7A200T. Er verfügt über die nötige Rechenleistung, braucht für seine hochkomplexen Berechnungen aber bis zu zehn Ampere Strom bei einer Betriebsspannung von fünf Volt. Dabei ist die Bereitstellung von 50 Watt für ein Netzteil kein Problem. Viel schwieriger ist es, für den FPGA und sein Schaltungsumfeld trotz stark schwankenden Strombedarfs stabile Arbeitsbedingungen zu schaffen. Und deswegen hat es Rob Watts vorgezogen, den Upscaler nicht mit dem Wandler in ein und demselben Gehäuse mit demselben Netzteil unterzubringen. So kann der FPGA im DAVE vom Leistungshunger des Xilinx XC7A200T unbehelligt seine Aufgabe als D/A-Wandler ausführen, während der Xilinx im BLU für das Upscaling sorgt.

Der magnetisch zentrierte Puck ist im Deckel des CD-Fachs befestigt
Der magnetisch zentrierte Puck ist im Deckel des CD-Fachs befestigt


Sein Signal bekommt der Upscaler entweder über den USB- respektive den S/PDIF-Eingang in BNC-Ausführung oder vom eingebauten Philips-CD-2-Pro-Drive. Auf welche Abtastrate das Signal vom Upscaler, den Rob Watts mit Anspielung auf die Filterlänge von über einer Million Taps „M Scaler“ nennt, hochgerechnet wird, läßt sich mit einem in drei Positionen rastenden Kippschalter auf der Rückseite des BLU MkII wählen. Mit dem Schalter direkt daneben kann man entscheiden, ob beim Upscalen von 16-Bit-Dateien in 24 Bit Dither eingesetzt werden soll. Bei High-Res-Files hat die Einstellung keinerlei Einfluss auf den Klang. Als „Normal“-Einstellung definiert Chord übrigens den Verzicht auf Dither. Die Frequenz, mit der Daten vom BLU MkII ausgegeben werden, hängt auch vom verwendeten Ausgang ab: Über einen AES-Ausgang werden bis zu 88,2 oder 96 Kilohertz, über deren zwei bis zu 176,4 oder 192 Kilohertz angeboten. Bei einer BNC-Verbindung geht es bis 352,8 oder 384 Kilohertz. Zwei BNC-Kabel ermöglichen schließlich bis zu 705,6 oder 768 Kilohertz. Die Wahl der Quelle für den M Scaler erfolgt übrigens automatisch: Wenn kein Signal vom CD-Laufwerk kommt, ist der USB-Eingang aktiv. Liegen auch hier keine Daten an, schaltet der BLU MkII auf den BNC-Eingang.

Der Deckel wird von Federn offengehalten
Der Deckel wird von Federn offengehalten

Die Integration des BLU MkII in meine Kette war eine Sache von Minuten: die Laufwerks-Upscaler-Kombination mit einem sehr guten Netzkabel wie dem Hijiri Takumi verbinden, zwei BNC-Kabel zwischen BLU und DAVE anschließen und das aus dem Aries Femto kommende USB-Kabel vom DAVE in den BLU umstecken – und schon kann es losgehen. Der DAVE erkennt nach einem kurzen Moment, dass an einen der beiden BNC-Eingangspaare ein Signal mit 705,5 Kilohertz anliegt und schaltet auf diese Frequenz um. Bei bekannten Teststücken weiß ich nach nicht einmal einer Minute, dass ich sie über DAVE niemals zuvor so dynamisch, unangestrengt und ebenso spannend wie entspannt gehört habe. Die imaginären Räume sind einfach ein Traum! Doch G8-&-Friends-Geschäftsführer Olaf Adam hat den BLU MkII ja nicht nach Gröbenzell begleitet, um hier Musik zu genießen. Er will auch mal hören, wie sich das – für mich persönlich recht uninteressante – CD-Laufwerk im Vergleich zum USB-Eingang schlägt: Dazu bedarf es ja nur einer Silberscheibe, deren Daten bereits auf den Festplatten des Melco gespeichert sind. Wir hören zuerst zweimal die CD, die ich keinesfalls derart wohlklingend in Erinnerung hatte, und wechseln dann zur Festplatte, was uns beiden ein zufriedenes Lächeln entlockt.

Aufgrund der hohen Packungsdichte ist das Herzstück des M Scaler, der mächtige FPGA, ohne größere Ausbauten nicht zu sehen
Aufgrund der hohen Packungsdichte ist das Herzstück des M Scaler, der mächtige FPGA, ohne größere Ausbauten nicht zu sehen

Bei Olaf Adam ist der Grund dafür, dass er die Daten als einen Hauch blasser empfindet und ihm die Instrumente bei der favorisierten CD einen Hauch voluminöser und die Klangfarben kräftiger erscheinen. Für mich hingegen scheint der Vergleich die Vorzüge des Streamens zu bestätigen: Die Instrumente befinden sich hier auf einer in Breite und Tiefer weiter ausgedehnten Bühne, sind noch klarer voneinander differenziert und von einem Hauch mehr Luft umgeben. Außerdem sind die Standorte der Lautsprecher bei dieser Konfiguration nicht einmal mehr zu erahnen: Die Illusion des Aufnahmeraums ist perfekt. Nach einem kurzen Meinungsaustausch steht fest, dass wir die jeweils vom anderen hervorgehoben Vorzüge auch gehört haben, was aber nichts an der persönlichen Gewichtung ändert.


Das Philips-CD-Pro-2-Laufwerk ist über Federn mit dem Gehäuse verbunden
Das Philips-CD-Pro-2-Laufwerk ist über Federn mit dem Gehäuse verbunden

Olaf Adam gewährt mir zwar eine angenehm lange Zeit für die Beschäftigung mit dem BLU MkII, allerdings bleibt davon netto leider viel zu wenig übrig: In diesen Wochen habe ich eine Vielzahl von Besuchern und auch noch die ein oder andere Dienstreise zu absolvieren. Ironischerweise gehen gleich zwei der Termine auf das Konto von Olaf Adam. Andererseits hat es natürlich auch sein Gutes, dass ich mich nicht wochenlang ohne Unterbrechung an den Klang des BLU gewöhne. So dürfte die Trennung weit weniger schwer fallen. Aber noch ist es nicht soweit. Nach ein wenig Herumspielen wird deutlich, dass alle Abtastraten außer der höchsten nur dann gewählt werden sollten, wenn der folgende Wandler die 705,6 respektive 768 Kilohertz nicht verarbeiten kann. In der Kombination mit dem DAVE gibt es keinen Grund, den M Scaler nicht mit der höchsten Abtastrate zu betreiben. Weniger eindeutig sieht es da schon bei der Dither-Einstellung aus: Kurzzeitig war ich vom noch größeren Raum dank Dither fasziniert. Andererseits verschiebt sich gleichzeitig die tonale Balance ein wenig. Die Tiefen kommen mit weniger Druck, Perkussionsinstrumente glänzen ein wenig mehr. Langfristig gefällt mir das konkretere, erdverbundenere Klangbild dann doch besser: Die bei der Verwendung von Dither größere Bühne wirkt mir auf Dauer zu wenig konkret. Aber hier kann ja jeder das für seine Kette oder seinen Geschmack Passende auswählen.

Wie schön: Die Schalter sowie die Ein- und Ausgangsbuchsen sind eindeutig beschriftet
Wie schön: Die Schalter sowie die Ein- und Ausgangsbuchsen sind eindeutig beschriftet

Von den paar geschilderten Experimenten abgesehen habe ich den BLU MkII seit seinem Eintreffen in Gröbenzell mit der höchsten Abtastrate und ohne Dither betrieben – und mich wohl schleichend an den fantastischen Klang der Chord-Kombination gewöhnt, allerdings nicht soweit, dass mir nach ein paar Tagen Abwesenheit und einer mehrstündigen Aufwärmphase nicht aufgefallen wäre, auf welch hohem Niveau die Wiedergabe von CDs oder Files in entsprechender Auflösung nun möglich ist. Eigentlich hatte ich vor, mir für einen abschließenden Vergleich noch einmal den Sound von Abdullah Ibraham und Ekayas „Calypso Minor“ einzuprägen, aber dann begeisterten mich die Klangfarben der akustischen Instrumente, die live-ähnliche Dynamik und die fast völlige Freiheit der Wiedergabe von technischen Artefakten derart, dass ich das gesamte Album Sotho Blue hörte: Einfach großartig, mit welcher Wucht das Tenorsaxophone einsteigt und dann mit luftigem Ton die Melodie fortführt. Dann die ungemein realistisch wirkende Abbildung des Flügels, die Härte der Anschläge, frei von jeglicher Lästigkeit, die Macht des schwingenden Resonanzkörpers: ein Genuss! Fast immer ist es der Beginn einer Note oder eines Klanges, der die Reproduktion so ungemein echt und lebendig wirken läßt.


Wenn man sich auch nur kurz an den M Scaler gewöhnt hat, macht der DAVE allein viel weniger Spaß: Die Abbildung gerat weniger präzise, harte Klavieranschläge verlieren viel von ihrem Live-Charakter und wirken minimal aggressiv: Man dreht unwillkürlich die Lautstärke ein wenig zurück. Glückliche Besitzer eines DAVE sollten sich den BLU MkII dann und nur dann einmal anhören, wenn seine Finanzierung halbwegs gesichert ist.

Mehr Informationen zum BLU MkII aus erster Hand werden Sie im zweiten Teil diese Artikels finden.

Gegenüber dem perfekt verarbeiteten Metallgehäuse des BLU MkII fällt die Haptik der Fernbedienung ein wenig ab
Gegenüber dem perfekt verarbeiteten Metallgehäuse des BLU MkII fällt die Haptik der Fernbedienung ein wenig ab

STATEMENT

Natürlich braucht es einen Wandler, um dies alles wiedergeben zu können. Dennoch: Für mich ist der M Scaler Rob Watts' Meisterwerk, das digital gespeicherte Musik seinem Konservendasein weitestgehend entreißt und ungemein nahe an das Live-Erlebnis bringt. Egal, ob für die CD-Wiedergabe oder Streaming: BLU MkII und DAVE sind für mich das digitale Dream-Team!
Gehört mit
NAS Melco N1ZH/2, WDMyCloud
Network Enhanced Transport Rockna Wavedream NET
Streaming Bridge Auralic Aries Femto mit SBooster BOTW P&P Eco
D/A-Wandler Chord DAVE, Rockna Wavedream Signature
Vorverstärker Einstein The Preamp
Endstufe Eintein The Poweramp, Ayon Epsilon
Lautsprecher Kaiser Acoustics Kawero! Classic
Kabel HMS Gran Finale Jubilee, Swiss Cables Reference Plus, Goebel High End Lacorde, Habst Ultra III, Audioquest Diamond und Carbon, Cardas Audio Clear Network
Zubehör PS Audio Power Regenerator P5, Sun Leiste, Audioplan Powerstar, HMS-Wandsteckdosen, Acapella Basen, Acoustic System Füße und Resonatoren, Artesania Audio Exoteryc, Harmonix Real Focus, Room Tuning Disks, Tuning Tips und TU-666M, Audio Exklusiv Silentplugs
Herstellerangaben
Chord Electronics BLU MkII
Gehäuse präzisiongefrästes Choral-Aluminium-Gehäuse, Design von John Franks
Auflösung bei CDs 44,1 bis 705,6kHz, vom Nutzer wählbar
Anschlussmöglichkeit (Eingang) 1 x USB-Eingang (44,1, 48, 88,2, 96, 176,4, 192, 352,8, 384, 705,6 und 768kHz), 1 x BNC S/PDIF (44,1-384kHz, upsampled)
Anschlussmöglichkeit (Ausgang) 1 x einfach AES (44,1 und 88,2kHz), 1 x Doppel-AES (88,2 und 176,4kHz), 1 x einfach BNC (88,2, 176 und 352,8kHz), 1 x Doppel-BNC (176,4, 352,8 und 705,6kHz)
Chipsatz Chord Electronics' kundenspezifisch programmierter Xilinx XC7A200T FPGA
Filterlänge 1015808 Taps (16FS filter)
FPGA Leistungsaufnahme 10A
Frequenzgang 0-20kHz, ±0,0000001dB
Restwelligkeit im Durchlassbereich ±0,0000002dB (0-20kHz)
Sperrbereich-Unterdrückung -135dB
Gesamte Harmonische Verzerrungen und Rauschen -144
Rauschen 2,6 µV, A-bewertet ohne messbare Modulation des Grundrauschen
Fremdspannungsabstand 126dB A-bewertet
Netzteil 90-240V Wechselstrom
Leistungsaufnahme 30W
Gewicht 7kg
Abmessungen (B/H/T) 333,5/98,5/142mm
Preis 10500 Euro

Vertrieb
G8 & friends GmbH – High Quality Distribution
Anschrift Schwelmer Str. 8
40235 Düsseldorf
Telefon +49 211 97176091
Fax +49 211 97176091
E-Mail info@g8friends.de
Web www.g8friends.de

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Freitag, 15 September 2017 14:55

Dynaudio stellt zwei neue Subwoofer vor

Dynaudio hat auf der diesjährigen CEDIA Show in San Diego zwei neue Subwoofer angekündigt, die das Home Audio Portfolio des Herstellers ergänzen. Der Sub 3 und der Sub 6 ersetzen die Vorgängermodelle Sub 250 und Sub 600 – und bringen einiges an moderner Technik mit.

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Der kompakte Sub 3 ist mit seinen 300 Watt in der Lage, im Home Cinema großen Filmmomenten mit Leistung, Durchsetzungsvermögen und Präsenz noch mehr Gewicht zu verleihen – ein Kraftpaket, das wohl kaum jemand in einem Lautsprechergehäuse dieser Größe vermuten würde. Gleichzeitig empfiehlt er sich durch ausgewogene, präzise und musikalische Wiedergabe als Ergänzung hochwertiger Hi-Fi-Anlagen, wo es auf Stereowiedergabe mit dem gewissen Extra ankommt.
 
Dynaudio Chassis in Contour-Qualität und die hochwertige Bauweise machen zusammen mit der doppelten Frontschallwand und dem brandneuen 24-Zentimeter-Chassis diesen Subwoofer zur perfekten Ergänzung jedes Stereo- oder Mehrkanal-Systems. Er kann an alle AV-Receiver oder Stereo-Vorverstärker angeschlossen werden, und mit dem integrierten Hochpassfilter kann der Anwender die Übergangsfrequenz zu den Satellitenlautsprechern justieren (flach, 60 oder 80 Hz), um eine nahtlose Integration des Subwoofers in das Gesamtsystem zu gewährleisten. Die doppelten Cinch-Eingänge und -Ausgänge erlauben das Durchschleifen des Audiosignals durch den Sub 3.

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Beim größeren Sub 6 setzt Dynaudio auf fortschrittliche, intelligente DSP-Technologie und einen hochwertigen 500-Watt-Verstärker, dessen Leistung ihn als Ergänzung der Contour Serie und der im Dynaudio Sortiment darüber angesiedelten Modelle empfiehlt. Die Dynaudio Entwickler haben die akustischen Eigenschaften der beliebtesten Dynaudio High-End-Lautsprecher sorgfältig analysiert und diese in Form sogenannter Performance Maps erfasst. Sie erlauben es, Zweiwege-Systeme mühelos in perfekt integrierte Dreiwege-Systeme zu verwandeln. Diese Informationen sind im Sub 6 gespeichert. Mit Hilfe des integrierten Displays und Menüsystems kann der Anwender hier seine Lautsprecher auswählen. Der Frequenzübergang des Sub 6 wird dann perfekt auf das vorhandene Lautsprechermodell abgestimmt.
 
Wenn das Unternehmen in Zukunft neue Lautsprecher einführt, werden die Dynaudio Entwickler Firmware-Updates für den Sub 6 bereitstellen, die entsprechende Performance Maps enthalten. Das bedeutet, dass der Sub 6 sowohl mit zukünftigen Lautsprechermodellen als auch mit Dynaudio Klassikern perfekte Ensembles zu bilden vermag.
 
Um eine optimale Abstimmung von Subwoofer und Lautsprecher zu gewährleisten, kann das Audiosignal am Sub 6 zeitlich verzögert werden. Dazu muss der Anwender lediglich den Abstand zwischen Subwoofer und Lautsprecher eingeben. Der Subwoofer passt dann sowohl Signalphase als auch Signalverzögerung automatisch an. Weiterhin gehört zur Ausstattung ein vollparametrischer EQ. Er umfasst drei Filter, die es erlauben, zum Erzielen der bestmöglichen Klangqualität Raummoden entgegenzuwirken.
 
Für die kraftvolle Basswiedergabe sorgen beim Sub 6 zwei völlig neu entwickelte 24-Zentimeter-Membranen des Typs MSP+ Hybrid Drive. Hier kommt das von Dynaudio selber entwickelte Material Magnesium-Silikat-Polymer zum Einsatz. Eine optimierte Konstruktion aus Aluminium, MSP und Papierfaser sorgt für hohe Resonanzdämpfung. Es handelt sich dabei um neue Chassis, die speziell für die Verwendung in Subwoofern entwickelt wurden. Die neuen Chassis befinden sich an den beiden Enden des raffiniert konstruierten Gehäuses, das breiter als tiefer ist, wodurch es dezenter an einer Wand aufgestellt werden kann.

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Das System ist modular aufgebaut: Die 500-Watt-Endstufe ist am Boden montiert, während der Verstärker für den DSP sich an der Rückseite befindet. So können Endstufe und DSP gegebenenfalls unabhängig voneinander ausgetauscht werden. Sowohl der Sub 3 als auch der Sub 6 sind wahlweise in Seidenmatt Schwarz oder Seidenmatt Weiß erhältlich. Der Sub 3 wird 1.500 Euro kosten, der Sub 2.500 Euro.

Vertrieb
Dynaudio International GmbH
Anschrift Ohepark 2
21224 Rosengarten
Germany
Telefon +49 4108 41800
Fax +49 4108 418010
Web www.dynaudio.de

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Donnerstag, 14 September 2017 00:01

Technics präsentiert den neuen SP-10R

Technics gab auf der IFA 2017 in Berlin die Einführung eines neuen Referenzklassenmodells für Plattenspieler mit Direktantrieb bekannt. Der SP-10R ist das bislang hochwertigste Modell der HighEnd-Audiomarke. Er wird voraussichtlich im Frühsommer 2018 auf den Markt kommen.

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Nach der Einführung des SL-1200GAE/G im vergangenen und des SL-1200GR zu Beginn dieses Jahres nahm Technics die Entwicklung seines bislang leistungsstärksten Plattenspielers auf. Der SP-10R vereint neueste digitale und analoge Technologien. Dadurch erzielt das Modell unter allen bisherigen Technics Plattenspielern Bestwerte in den Bereichen Geräuschspannungsabstand, Drehzahlkonstanz, Tonhöhen- und Gleichlaufschwankung. Im Prototyp des SP-10R verbindet Technics einen neuentwickelten kernlosen Direktantriebsmotor mit einem sieben Kilogramm schweren Plattenteller. Über das bereits im SL-1200G angewandte Zwillingsrotor-Antriebssystem hinaus integriert dieser zusätzlich auch auf beiden Seiten des Rotors angebrachte Statorspulen. Auf diese Weise erzeugt der Plattenspieler ein noch höheres Drehmoment für einen noch souveräneren Antrieb.

Der schwere Plattenteller des SP-10R weist eine dreischichtige Struktur auf, die sich ebenso wie beim SL-1200G aus einer Messingplatte, einem Aluminium- Druckguss-Teller und einer schwingungsdämpfenden Gummischicht zusammensetzt. Durch die Optimierung der natürlichen Resonanzfrequenz jeder einzelnen Schicht werden selbst minimale Vibrationen, die durch externe Einflüsse entstehen können, eliminiert und ein außergewöhnlich klares und präzises Klangbild sichergestellt.

Der SP-10R verfügt zudem über ein extrem rauscharmes Schaltnetzteil. Im Vergleich zu einer transformatorgestützten Energieversorgung unterdrückt das Netzteil des SP-10R Brummgeräusche und Vibrationen deutlich effizienter. Da das Netzteil vom Plattenspieler getrennt ist, wird die Übertragung unerwünschten Rauschens auf das Gehäuse zugunsten eines klaren und detailreichen Klanges vermieden.

Technics arbeitet intensiv an der Markteinführung des SP-10R im Frühsommer 2018. Das neue Referenzklassenmodell wird vollständig kompatibel mit den Systemen SP10MK2 aus dem Jahr 1975 und SP-10MK3 von 1981 sein – die beiden Vorgängersysteme, die lange zur Grundausstattung professioneller Rundfunkanstalten zählten und bis heute von Audiophilen weltweit geschätzt und genutzt werden. Darüber hinaus plant Technics die Einführung eines vollständigen Plattenspielersystems auf Basis des SP-10R inklusive eines Tonarms und weiterer Komponenten.

Vertrieb
Panasonic Deutschland
Anschrift Eine Division der Panasonic Marketing Europe GmbH
Winsbergring 15
22525 Hamburg
Telefon +49 40 85490
E-Mail panasonic.de@eu.panasonic.com
Web www.technics.com

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Donnerstag, 13 September 2007 19:42

Panasonic Deutschland

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Acapella, der exklusive Hersteller von Hornlautsprechern, und das Audio Forum, das führende Fachgeschäft für audiophiles Hifi, feiern ihr 40 jähriges Bestehen. Sie laden am 17. September zu einem exklusiven Konzert mit den Talking Horns ein. Treffpunkt ist um 15 Uhr das Audio Forum in der Koloniestraße 203.

Eine Stunde später spielen die „sprechenden Hörner“ live zu ihrer ersten gemeinsam mit Acapella produzierten Langspielplatte über den neuen Lautsprecher Campanile 2 in den Räumlichkeiten der Firma Krohne, Ludwig-Krohne-Str. 5, in Duisburg. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

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Die Musikliebhaber Hermann Winters und Alfred Rudolph gründeten vor 40 Jahren Acapella Audio Arts. Das Unternehmen ist inzwischen weltweit bekannt für Lautsprecher aller höchster Qualität. Sie zeigt sich in exklusivem Design, in sorgfältig ausgewählten Materialien, hochwertiger Verarbeitung, handwerklichen Details und herausragendem Klang. Im Audio Forum erlebt der Kunde audiophile Vielfalt ausgewählt nach höchsten Ansprüchen: innovativ, zeitgemäß, langlebig, klangvoll.

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Jazz-Kenner, Freunde der Kammermusik und Groove-Genießer sind gleichermaßen von den Talking Horns begeistert. Die große Faszination des Kölner Quartetts liegt neben seinem Spielwitz vor allem im fantasievoll-musikalischen Mikrokosmos: Messerscharfe Bläsersätze wechseln mit lyrischen Passagen, und gelegentlich reflektiert der musikalische Horizont auch avantgardistische Kammermusik. Der in Innsbruck lebende Produzent der Musik zur „Sendung mit der Maus“, Andreas Gilgenberg, beweist sich an Flöte, Klarinetten und Saxofonen. Stephan Schulze an Flügelhorn, Posaune, oder Tuba verdient sein Geld in den Ensembles von "Starlight Express" und "Saturday Night". Der gefragte Theatermusiker und Bandleader Achim Fink spielt an allem, was klingt. Das Quartett komplettiert der theater- und fernseherprobte Kultmusiker Bernd Winterschladen aus Köln an Tenor-, Baritonsaxophon und Bassklarinette. Im Auftrag des Goetheinstituts spielten die Talking Horns als Kulturbotschafter in Madagaskar, Ruanda, Gabun, Kamerun, Senegal, Mauretanien, Marokko, dem Jemen und Ägypten.

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Dienstag, 12 September 2017 00:01

AudioSolutions' 5th Anniversary Edition

Der litauische Lautsprecherhersteller AudioSolutions feiert das fünfjährige Jubiläum nicht nur mit einer Aktualisierung des bisherigen, vielfach prämierten Topmodells Vantage, sondern gleich mit einer neuen Top-Linie, der 5th Anniversary Edition.

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AudioSolutions hat das Flaggschiff des Portfolios aktualisiert und zu einer kompletten Linie erweitert: Vantage 5th Anniversary Edition. Gleichzeitig wurde das Erscheinungsbild radikal erneuert. Bisher war die Vantage in klassisch-konservativer Anmutung gestaltet. Jetzt überraschen die Litauer mit einer neuen Interpretation des Konzepts, das vollständig mit diesem konventionellen Ansatz bricht: Für diese avantgardistisch gestaltete Reihe nutzt AudioSolutions neueste Technologien wie extrem fortschrittliche Hochleistungs-3D-Druckmaschinen, um Bauteile außerordentlich feinteilig, individuell und passgenau zu fertigen. Auch die Materialien wurden neu gewählt. Anstelle des gewohnten Leders kommen beispielsweise extrem widerstandsfähige und sehr kostspielige Vinyl-Folien zum Einsatz, um den Lautsprechern einen betont futuristischen Look zu verleihen.

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Die erneuerte Vantage-Linie setzt sich aus fünf Typen zusammen. Der Kunde kann aus drei unterschiedlich großen Standlautsprechern (S/M/L), einer Kompaktbox (B), dem passenden Center (C) für HeimkinoInstallationen sowie den Ausführungen Schwarz oder Lichtgrau wählen. Alle Modelle verfügen über die gleichen kompromisslosen technischen Lösungen, um sich in der Liga der weltbesten Lautsprecher zu etablieren. Als Beleg seien beispielhaft genannt: die Verwendung von besonders dichtem sibirischem Birkenholz in 18 Schichten, durch Computersimulation errechnete, extrem rigide interne Skelett-Strukturen der Gehäuse, integrierte Downfiring-Subwoofer, hochwertige Papier-Membranen, ein breitbandig spielender Mitteltöner (200 - 8000 kHz) sowie die exzellente Kalotte aus Beryllium.

Die Schallwandler der neuen Vantage 5th Anniversary-Edition markieren nicht nur die Top-Position innerhalb des eigenen Portfolios von AudioSolutions. Vielmehr stellen sie sich selbstbewusst der internationalen Konkurrenz im Wettbewerb der absolut kompromisslosen High-End-Lautsprecher. Und scheuen sich dabei nicht, in der visuellen Wirkung ein unverwechselbares Statement abzugeben.

Die Paarpreise beginnen bei 19.500 Euro.

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Vertrieb
Genuin Audio Vertrieb
Anschrift Thomas Wendt
Byhlener Straße 1
03044 Cottbus
Telefon +49 355 38377808
Fax +49 355 38377809
E-Mail thomas.wendt@mac.com
Web www.genuin-audio.de

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Montag, 11 September 2017 00:01

Audia Flight FLS 10

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Der neue Audia Flight FLS 10 Vollverstärkers war auf der diesjährigen Highend zu besichtigen. Hören konnte man ihn jedoch noch nicht. Es dauerte noch zwei weitere Monate, bis er das angestrebte technische und musikalische Niveau erreichte.

Beteiligt am finalen klanglichen Ergebnis des Audia Flight FLS 10 ist Jan Sieveking, der deutsche Importeur. Der bezeichnet sich selbst als Überzeugungstäter und ist nicht unkritisch, wenn er ein neues Produkt der von ihm vertretenen Firmen geliefert bekommt. Der neue Vollverstärker wurde nach der Highend bei Sieveking Sound in Bremen einem intensiven Hörtest unterzogen. Antreten musste er gegen die getrennten Bausteine der FLS-Linie der italienischen Manufaktur. Dieser Vergleich zwingt sich auf, da die Endstufe des neuen Vollverstärkers identisch ist mit der separaten Endstufe FLS 4. Erstmalig geht Audia Flight diesen Weg. Bisher wurden in Vollverstärkern keine separaten Endverstärker integriert, es waren stets komplette Neuentwicklungen. Die hier implantierte FLS 4 kostet allein schon 7500 Euro. Statt weitere 6000 Euro für den passenden Vorverstärker FLS 1 ausgeben zu müssen, erhält man nun für nur 2000 Euro mehr den neuen FLS 10. Weiteres Geld spart man, da beim Vollverstärker die Investition in ein zweites, adäquates Netzkabel sowie in eine entsprechende Verbindungsleitung von Vor- zu Endverstärker entfällt. Dem FLS 10 haben Jan Sieveking und ich sofort ein angemessenes Stromkabel gegönnt, nämlich ein 1,5 Meter langes Cardas Clear Power. Bei dieser Wahl habe ich der Erfahrung des Importeurs vertraut.

Das typische Design und der bei Audia Flight übliche, massive Material-Einsatz sorgen für ein ansprechendes und resonanzarmes Gehäuse
Das typische Design und der bei Audia Flight übliche, massive Material-Einsatz sorgen für ein ansprechendes und resonanzarmes Gehäuse

Es war das Ziel der Italiener, den Vollverstärker klanglich so nahe wie möglich an die getrennte Kombination heranzubringen. Bei der Zwei- in-Eins-Lösung enfallen immerhin ein weiteres teures Gehäuse und auch oft übersehene Kosten wie Verpackung und Waren-Logistik. Somit geht die Ersparnis keineswegs ganz zu Lasten der technischen und klanglich relevanten Investition. Die einschneidende Rotstift-Maßnahme besteht im Schaltungsaufbau: Der separate Vorverstärker FLS 1 ist komplett diskret konstruiert, unser Vollverstärker besitzt eine Vorstufe, die aus integrierten Schaltkreisen aufgebaut ist. Dazu wurden Kondensatoren in kostengünstiger Klebe-Technik verbaut. Dies war jedoch nur bis zum oben angesprochenen Hörtest in Bremen der Fall. Denn im direkten Vergleich mit den separaten Bausteinen war Jan Sieveking nicht wirklich zufrieden. Um herauszufinden, wo die Ursache liegt, betrieb er den Vorverstärker-Teil des FLS 10 über dessen geregelten Vorstufen-Ausgang mit der baugleichen separaten Endstufe FLS 4. Diesen Vorstufen-Ausgang besitzt der neue Vollverstärker, um entweder symmetrisch oder über Cinch eine zweiten Endstufe anzusteuern. Für diesen Bi-Amping-Betrieb bietet sich naturgemäß die identische FLS 4 an. Aber auch jede beliebige andere Endstufe lässt sich für Bi-Amping auf diese Weise mit dem FLS-10 kombinieren. Durch diesen Vergleich konnte Jan Sieveking die Vorstufen-Sektion des Vollverstärkers als Schwachstelle ausmachen. Mit entsprechenden Anmerkungen schickte er den Verstärker zur Revision zurück nach Italien. Die findigen Konstrukteure Massimiliano Marzi und Andrea Nardini hatten schnell ihre verklebten Kondensatoren als die fatale Fehlerquelle ausgemacht. Das Qualitäts-Defizit war zwar nicht groß, wäre andernorts vielleicht gar nicht aufgefallen, aber Jan Sieveking legt für den FLS 10 die Klang-Messlatte eben sehr hoch: Der soll klanglich der separaten Alternative extrem nahekommen und gleichzeitig einen erheblichen Preisvorteil bieten. Mit diesem Anspruch war die überarbeitete Version nach ihrer Rückkehr nun absolut im Einklang. Etwa Mitte Juli erhielt ich von Jan Sieveking einen Anruf, in dem er sich merklich über den Erfolg des Nachbesserung in Italien freute. Jetzt hatte er, was er wollte. Diesen FLS 10 brachte er mir dann schnellstens zum Test vorbei.

Nicht zum Lieferumfang gehörig, aber eine sinnvolle Ergänzung ist das Netzkabel von Cardas
Nicht zum Lieferumfang gehörig, aber eine sinnvolle Ergänzung ist das Netzkabel von Cardas


Die Tatsache, dass er persönlich den Verstärker zu mir transportierte, zeigt seinen Enthusiasmus. Denn er wollte sich selber ein Bild davon machen, in welchem Umfeld sein Neuling bei mir spielen soll und vor allem, wie er hier klingt. So haben wir ein paar Stunden gemeinsam den Italiener an meinen griechischen Audio Analysis Epsilon Lautsprechern gehört. Verbunden waren sie mit dem Bi-Wiring Real Cable. Schon nach den ersten Takten war klar, es gibt nichts zu richten oder zu korrigieren. Auf Anhieb spielte das Gespann so auf, dass Jan Sieveking sich entspannt auf dem Sofa zurücklehnte. Ich hingegen setzte mich voller Erstaunen aufrecht auf die Kante desselben. So kontrolliert hatte sich die Epsilon bislang noch nicht verhalten. Wie sie jetzt aufspielte, war es eine in meiner Kette nicht dagewesene Qualität. So ist bislang kein Verstärker mit dem Bändchen-Dipol-Strahler zurechtgekommen und umgegangen. Als Tonquelle diente der Melco N1A mit dem Antelope Zodiac Plus Wandler. Gehört haben wir zunächst meinen aktuellen Test-Standard, die 192-Kilohertz-Version des Gregory Porter-Albums Take Me To The Alley. Ursächlich für die etwas eingeschränkte Räumlichkeit ist der Antelope-Wandler, ganz sicher nicht der Audia Flight. Denn der staffelt weit besser die imaginäre Bühne, als es andere Verstärker zu leisten imstande waren, inklusive meiner Spectral Endstufe. Dazu liefert der FLS 10 eine bestechende Homogenität. Sofort machte er deutlich, dass souverän Leistung zur Verfügung steht und er alles im Griff hat. Dies demonstrierte er besonders positiv im Grundton und Tiefbass. Hier konnte der Audia Flight bestens für Akkuratesse und Plastizität sorgen. Davon profitierte naturgemäß das gesamte Klang-Gemälde mit analytischer und dynamischer Darstellung. Die Jazz-Titel von Gregory Porter erklangen klangfarbenstark, aber niemals zu üppig, dreidimensional und gleichzeitig differenziert und angenehm homogen. Die Musik fließt und der Rhythmus stimmt. Die Füße wippen.

Das Display gibt zu den sinnvollen Programmier-Optionen Auskunft. Hier ist die Einstellung der Empfindlichkeit von Eingang eins angezeigt. Möglich sind ± 6 dB
Das Display gibt zu den sinnvollen Programmier-Optionen Auskunft. Hier ist die Einstellung der Empfindlichkeit von Eingang eins angezeigt. Möglich sind ± 6 dB

Jan Sieveking und ich unterhielten uns ein wenig über das audiophile Unternehmen aus Civitavecchia in der Nähe von Rom. Dabei lauschten wir angetan und zustimmend nickend einigen Titeln aus meiner Qobuz Favoriten-Liste. Jan Sieveking sprach über seine Erfahrungen mit den Audia-Flight-Verstärkern im Allgemeinen und über diesen Class-AB-Verstärker im Besonderen: Er braucht nur wenige Minuten, bis sich das gewaltige Netzteil mit Energie vollgesaugt hat und bereit ist, mit ganzer Kraft und vor allem ganuerQualität loszulegen. Die AB-Schaltung ist so ausgelegt, dass der FLS 10 einen sehr hohen Class-A-Bereich generiert – mit allen daraus resultierenden klanglichen Vorteilen. Dieses Schaltung-Konzept ist natürlich auch in der Wärmeentwicklung zu spüren. Die großen Kühlkörper links und rechts zusammen mit dem massiven Aluminium-Gehäuse bieten zwar reichlich Kühlfläche. Legt man seine Hand aber mal nach einer Stunde Spielzeit auf das Firmen-Symbol im Gehäuse-Deckel, spürt man ordentlich Wärme. Über die Qualität der Verstärker von Audia Flight berichtete schon recht ausführlich Dirk Sommer im Testbericht über die Vorstufe Strumento n°1 mk2.

Schaut man in das Innere des ausschließlich von unten verschraubten Gehäuses, erkennt ein jeder sofort den komplett doppelt monaural gegliederten Aufbau des zudem symmetrischen Konzepts. Die Audia Flight Entwickler Massimiliano Marzi und Andrea Nardini wandten im FLS 10 ihre bekannte Transimpedanz-Schaltung mit lokaler Stromgegenkopplung an. Ebenso wie in der separaten Endstufe FLS 4 findet sich auch im Vollverstärker ein vergossener und zweifach geschirmter 2000-Watt-Ringkerntrafo mit getrennter Versorgung des linken und rechten Kanals. 32 Leistungstransistoren generieren bei Bedarf kurzfristig etwa neunhundert Watt auf jeder Seite. Daran haben auch die Siebkondensatoren mit insgesamt stattlichen 288.000 Mikrofarad Kapazität ihren Anteil. Ein weiterer Abgriff am Trafo liefert den Strom für die Vorstufe und die Zusatzplatinen. Weiteres lässt sich auf der Website nachlesen: „Die interne Signalverstärkung der Endstufensektion wird in vergossenen Class-A-Modulen ausgeführt. Hier kommt die lokale Stromgegenkopplung zum Einsatz. Selbstverständlich haben auch diese Module eine separate Stromversorgung und werden zusätzlich aus Kondensatoren mit einer Gesamtkapazität von 18.000 Mikrofarad versorgt. Auch im FLS 10 kommen Platinen mit massiven Kupferleiterbahnen zum Einsatz, die Audia Flight bei einem Militärzulieferer bezieht. Diese Platinen werden in der eigenen Fabrik von Hand bestückt. Dort werden auch die CNC-gefrästen Aluminiumpaneele von Hand nachpoliert, bevor sie bedruckt werden. Weil Marzi und Nardini keine halben Sachen machen, haben sie im FLS 10 einen zusätzlichen Trafo mit 15 Watt installiert, der sich um die Mikroprozessorkontrolle und Einschaltverzögerung kümmert. So etwas gehört aus ihrer Sicht einfach nicht in die Hauptstromversorgung – und hält außerdem den Standby-Stromverbrauch unter ein Watt.“

Die Rückseite ist klar gegliedert. Ein Paar der beiden RCA-Ausgänge liefert einen fixen Pegel
Die Rückseite ist klar gegliedert. Ein Paar der beiden RCA-Ausgänge liefert einen fixen Pegel


In den folgenden Tagen genieße ich auf dem Melco gespeichertes Musikmaterial oder solches von meinem Qobuz-Highres-Zugang, den ich ebenfalls per Melco erreiche. Frappierend empfinde ich immer wieder, welche Feinzeichnung und Genauigkeit in der Detail-Information. aber auch welches Timing der FLS 10 den Lautsprechern ermöglicht, ja aufzwingt. Er kombiniert Neutralität mit Leben und Spielfreude. Nie klingt etwas harsch, nie klingt etwas langweilig. Diesen Bändchen-Dipol-Strahlern ist der neue Audia Flight ein perfekter Partner. Leonard Cohens „Hallelujah“, interpretiert mit vielstimmigen Gesang vom Pentatonix Ensemble, wird mit kraftvollen männlichen und weiblichen Stimmen ergreifend vorgetragen. Auch die Oldies „Proud Mary“ oder „It Came Out Of The Sky“ von Creedence Clearwater Revival gerieten mit diesem Verstärker im Qobuz-192 kHz-Streaming zum fetzigen und mitreißenden Vergnügen. Vor allem der kontrollierte Bass imponierte und sorgte gefühlt für den richtigen Vorwärtsdrang. Der Ohrwurm „Hey Now“ der Indie-Pop-Band London Grammar imponierte durch sauberen, mächtig druckvollen Synthesizer-Tiefbass und die hautnahe Stimme von Frontfrau Hannah Reid. Was der Audia Flight an Präzision an den Dipol-Flächen-Strahlern erreicht, ist einmalig. Dies gilt in noch höherem Masse für orchestrale Musik wie Stravinskys „Pulcinella Suite“ mit dem New York Philharmonic und Pierre Boulez. Wunderschön seidig, klar und farbig inszeniert der FLS 10 das Orchester und die Solo-Instrumente.

Dieser technische Aufbau lässt das Herz des Betrachters höher schlagen
Dieser technische Aufbau lässt das Herz des Betrachters höher schlagen

Äußerlich macht der Audia Flight FLS 10 einen wirklich gediegenen Eindruck. Dies verdankt er seiner hochwertigen Gehäuse-Verarbeitung und dem sichtbaren Material-Aufwand. Massives Aluminium kommt hier reichlich zum Einsatz. Diese Wertigkeit unterstreicht das typische Audia Flight Fenster auf der Front, das aussieht wie ausgebreitete, weite Flügel und in blauen Lettern auf schwarzem Grund manch Wissenswertes anzeigt. Das große, optisch gekoppelte Schwungrad als Lautstärke-Regler gefällt durch seine Sensibilität. Will man große Sprünge machen, spürt der Sensor dies an einer kurzen, heftigen Dreh-Bewegung. Beim behutsamen Drehen verändert der Optokoppler in feinen Schritten den Pegel. Da möchte man die solide und ergometrisch angenehme Metall-Fernbedienung gerne mal beiseite lassen. Sechs metallene, auf der Front nebeneinander angeordnete Druckschalter haben folgende Funktionen: „On“ erweckt den Verstärker aus dem Standby. Der Schalter für die vollständige Trennung vom Netz befindet sich rückseitig. Rechts daneben befindet sich der „In“-Taster, nach dessen Betätigung Sie den Eingang per Stellrad wählen können. Es folgt „Set“ zum Programmieren diverser Optionen wie individueller Benennung oder Empfindlichkeit der einzelnen Eingänge. Sie können auch nicht benutzte Eingänge aus der Auswahl ausschließen, so dass Sie schnelleren Zugriff haben. Denn der FLS 10 erlaubt keine direkte Anwahl, sondern lediglich das Durch-Tasten von eins bis fünf oder rückwärts. Weiterhin lässt sich jeder Eingang unter Umgehung der Vorstufe direkt auf die Endstufe schalten. Zwischen dritter und vierter Taste leuchtet in rot (Standby) oder blau die Betriebs-LED. Der vierte Taster ist „Mute“ und fährt den Pegel zügig, aber nicht schlagartig runter oder rauf auf die ehemalige Einstellung. Dies ist übrigens auch so, wenn Sie mit dem „On“-Schalter in oder aus dem Standby gehen. Der Audia Flight kehrt in den vorherigen Zustand zurück. Ob „Mute“ ganz auf stumm oder einen leisen Pegel herunterfahren soll, kann man programmieren. Der fünfte Schalter „Phase“ invertiert die Lautsprecher-Ausgänge um 180 Grad. Dies kann bei einigen Aufnahmen hilfreich sein oder bei Bi-Amping, wenn man eine Endstufe eines anderen Herstellers anpassen will. Der sechste Taster „SPK“ schaltet die Lautsprecher ab, falls Sie den daneben liegenden Klinke-Kopfhörer-Ausgang nutzen wollen. Dem habe ich mich kurz gewidmet und möchte ihm ein Kompliment machen. Wenn auf die Lautsprecher verzichtet werden muss, liefert der Kopfhörer-Anschluss eine großartige Alternative. Das bislang Positive Wahrgenommene dürfen Sie auch auf ihn beziehen. Das hat wohl seinen Grund darin, dass es keinen speziellen Kopfhörer-Verstärker im FLS 10 gibt. Vielmehr liefert die Endstufe selber auch hier die Energie und ihren Charakter.

Die solide, blind zu handhabende Fernbedienung offeriert beinahe sämtliche Funktionen in übersichtlicher Anordnung
Die solide, blind zu handhabende Fernbedienung offeriert beinahe sämtliche Funktionen in übersichtlicher Anordnung

Die Rückseite verdient ebenfalls Beachtung: Die Symmetrie des Doppel-Mono-Konzepts ist deutlich zu erkennen. Auf jeder Seite gibt es zwei XLR-Eingänge, drei Cinch-Eingänge, einen XLR-Ausgang, zwei Cinch-Ausgänge sowie pro Kanal zwei Paar Lautsprecher-Anschlüsse. Diese sind nicht separat wählbar, sondern parallel geschaltet, um optimales Bi-Wiring zu ermöglichen. Zwei großflächige Blenden aus massivem Aluminium bedecken die Steckplätze für einen optionalen Phono-Einschub und eine digitale Wandler-Einheit. Diese sind zur Zeit noch nicht erhältlich. Somit ist der FLS 10 aktuell ein reiner Hochpegel-Vollverstärker.


Will man sich die komfortable Bedienung am Gerät mittels des großen Stell-Rades für Lautstärke, Eingangswahl oder andere Einstellungen nicht gönnen, kann man bequem sitzen bleiben und all dies mit der Metall-Fernbedienung vornehmen. Allein die Phase lässt sich hier nicht umschalten. Auch ist auf der Fernbedienung sinnvollerweise die Speaker-Taste für den Kopfhörer-Betrieb nicht zu finden. Dafür erlaubt sie das Dimmen des Displays per Tastendruck in drei Stufen und den direkten Zugriff auf die Balance.

Für die Mehrzahl unter Ihnen dürfte das Verhalten des Audia Flight an mit Konus-Chassis und Kalotten bestückten, dynamischen Lautsprechern von übergeordnetem Interesse sein. Deshalb habe ich ihn auch an den begeisternden Dynaudio Special Forty gehört: Auch hier zeigt der Audia Flight seinen oben beschriebenen Charakter und vermittelt gleichzeitig den Eindruck, klanglich gar nicht zu existieren. Die Musik scheint er absolut neutral und mit unerschöpflicher Energie einfach nur an die Special Forty weiterzureichen, die auch mit diesem Verstärker großartig klingt. Meine zur weiteren Wahrheitsfindung herangezogenen Quadral Platinum M 50 konnten am Audia Flight ebenfalls Höchstleistungen vollbringen. Die Quadral hat, vergleicht man sie mit der Special Forty, einen weniger warmen Charakter. Das Klangbild geriet mit dem Audia Flight ausgesprochen feingliedrig und farbenreich. Im Bass führte der FLS 10 die Platinum sauber und verbot jegliche Überzeichnung. Zum Ende meiner Test-Reihe kam weiterer Besuch aus Italien. Der WBS-Vertieb schickte mir ein Paar der ausgefallen schönen Lignea von Franco Serblin. Die beiden Italiener können hervorragend miteinander: Toll, was der Audia Flight mit diesem Lautsprecher macht. Der FLS 10 muss nun leider per Spediteur in unser Foto-Studio nach Gröbenzell. Es wird schwer, für ihn einen Ersatz zu finden. Er legt die Messlatte an der kleinen Franco Serblin ungemein hoch – und nicht nur an ihr.

STATEMENT

Eigenklang scheint für den FLS 10 ein Fremdwort zu sein. Er liefert lässig unlimitiert Dynamik. Er begeistert durch filigrane Zeichnung und verleiht Instrumenten und Stimmen glaubwürdige, authentische Klangfarben. Im Grunde hört man ihn gar nicht. Mehr Lob geht wohl kaum.
Gehört mit
Computer Apple MacMini mit OS X El Capitan, Audirvana Plus 3, Qobuz Highres
Netzwerk-Player Melco N1A
Clock Mutec MC-3+Smart Clock USB
DA-Wandler Antelope Zodiac plus, Audio-gd Master 7, Sonic Frontiers SFD-1
CD-Player Primare DVD 30
Plattenspieler Brinkmann Bardo mit Musical Life Conductor 10 Zoll o
Tonabnehmer Audio Technica ART 9
Phono-Vorstufe Plinius Koru
Lautsprecher Analysis Audio Epsylon, Dynaudio Special Forty, Qudral Platinum M 50, Franco Serblin Lignea
Kopfhörer Denon AH-D2000
Zubehör Audioquest Diamond oder Carbon USB, Audioquest Jitterbug, JIB Boaacoustic Silver Digital Carbon SPDIF und Krypton AES/EBU, Inakustik Black&White NF-1302, Audio-gd NF Cinch und XLR, QED Genesis Silver Spiral LS mit Enacom LS, Shunyata Andromeda LS, Real-Cable Bi-Wiring LS, MudrAkustik Max Netzleiste, Mudra und Audioquest NRG-X2 Netzkabel,Cardas Clear Power Netzkabel, AHP Reinkupfer-Sicherungen, Groneberg Wandsteckdosen, mbakustik Raum-Absorber
Möbel Creaktiv Audio mit Absorberböden, Finite Elemente Pagode, Audio Exklusiv d.C.d. Basis, Acapella-Basis
Herstellerangaben
Audia Flight FLS 10
Eingänge 2 x symmetrisch XLR, 3 x unsymmetrisch RCA, 2 x Options-Slot-Eingänge (Phono MM & MC / DAC)
Ausgänge 1 x symmetrisch XLR, 1 x unsymmetrisch RCA, 1 x unsymmetrisch RCA (Tape Out), 2x Lautsprecheranschlüsse (parallel für Bi-Wiring), 1x Kopfhörerausgang
Eingangsimpedanz 47 kΩ symmetrisch oder unsymmetrisch
Verstärkungsbereich -90 dB bis 10 dB
Verstärkungsauflösung 0,5 dB Schritte
Frequenzbereich 0,3 Hz – 500.000 Khz (1 Watt RMS, -3 dB)
Verzerrung (THD) < 0,05 %
Ausgangsleistung 200 W/380 W (8 Ω/4 Ω) RMS
Schutzschaltung bei Impulsleitung > 900 Watt pro Kanal an einer Last von < 2 Ohm
Dämpfungsfaktor > 650 an 8 Ohm
Leistungsaufnahme 820 Watt maximal, 180 Watt Normalbertrieb
Standby-Verbrauch < 1 W
Gehäuse-Farbe silber oder schwarz
Abmessungen 450 B x 177 H x 440 T mm
Gewicht 36 kg
Preis 9500 Euro

Netzkabel

Cardas Clear Power
Preis 890 Euro für das 1,5m Test-Kabel

Vertrieb
Sieveking Sound GmbH & Co KG
Ansprechpartner Jan Sieveking
Anschrift Plantage 20
28215 Bremen
Telefon +49 421 6848930
E-Mail kontakt@sieveking-sound.de
Web www.sieveking-sound.de

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Freitag, 08 September 2017 00:01

Aqvox LAN-Detoxer RJ45 Kappen

geschrieben von

Eigentlich wollte ich Ihnen die SE-Version der AQ-Switch-8 vorstellen, musste aber davon Abstand nehmen, da Susanne Candeias und Norman Lübke eine nochmals verbesserte Variante geschaffen hatten, die inzwischen auf dem Weg nach Gröbenzell ist. Den erstem SE begleiteten ein paar „Nubsis“, die im Aqvox-Shop in der Voodoo-Ecke zu finden sind. Um die geht es hier.

Vor Produkten aus besagter Ecke im Aqvox-Angebot graut mir seit der Beschäftigung mit den USB-Detoxern nicht im geringsten: Die Abschlüsse für nicht benutzte USB-Buchsen bewirkten ja schließlich eine deutlich nachvollziehbare, klangliche Verbesserung. Die Stecker sollen elektrische Bauelemente enthalten, die auf die Daten- und Stromleitungen der USB-Verbindung Einfluss nehmen – was ich mir durchaus vorstellen kann. Auch dass die Detoxer eins und zwei, wie vorausgesagt und leicht herauszuhören war, unterschiedlich intensiv in ihrer Wirkung sind, erhöhte das Vertrauen in die Produkte, denen ihr Hersteller das Voodoo-Label anheftete. Allein die beiden je nach Level mal klaren, mal opaken gläsernen Halbkugeln ließen bei mir einen kleinen Rest von Argwohn überleben. Aber der geriet natürlich sofort in Vergessenheit, als der – wie ich jetzt ja schreiben muss – Prototyp der SE-Switch die Normalversion klanglich deutlich hinter sich ließ. Bei ersterem waren sechs der acht LAN-Buchsen mit schwarzen Kunststoff-Kappen mit gelben AQ-Logo verschlossen, die ich erst für Bestandteile der SE-Version hielt. Aus dem Lieferschein ging aber hervor, dass die Stecker LAN-Detoxer sind, für die im Sechserpack noch einmal knapp 100 Euro fällig werden.

Außen unscheinbar, innen funkelts: Die Wirkungsweise der LAN-Detoxer ist für mich ein Buch mit sieben Siegeln
Außen unscheinbar, innen funkelts: Die Wirkungsweise der LAN-Detoxer ist für mich ein Buch mit sieben Siegeln

Die Detoxer sind aber nicht nur schlichte Kunststoff-Kappen, die die Anschlüsse vor hochfrequentem Schmutz schützen sollen, sondern besitzen laut Beschreibung im Shop auch noch einen „formatierten Kristall-Diamanten“. Kristalle oder Flüssigkeiten, denen gewisse Informationen eingeprägt sein sollen, erinnern mich sofort an Artkustiks Audio-, Raum- und Kabelanimatoren. Da ich mir deren Wirkung auch nicht ansatzweise erklären kann, wecken diese Dinge bei mir eine gehörige Portion Skepsis – selbst wenn sie klanglich positive Auswirkungen besitzen. Und ein „Kristall-Diamant“ ist zumindest für jemanden, der sich einige Zeit mit Sprachen beschäftige hat, ein semantischer Eiertanz – oder so etwas ähnliches…

Was ich damit sagen will, ist schlicht: Meine Erwartungshaltung gegenüber den LAN-Detoxern ist nicht gerade hoch, trotz der überaus guten Erfahrungen mit ihren USB-Gegenstücken. Außerdem befindet sich im meiner Kette momentan auch noch der Chord Blu Mk II mit seinem M-Scaler, der das Signal auf über 700 Kilohertz upsampled. Sollte trotz all der Filterungen und der Signalregeneration unter anderem in der Aqvox-Switch und im Auralic Aries Femto ein kleine Kunststoffkappe in einer der beiden LAN-Buchsen des Melco hörbar sein? Trotz aller Skepsis: Sie ist es! Wenn ein LAN-Detoxer die freie Buchse des netzwerk-gestützten Speicher (NAS) verschließt, gerät die räumliche Darstellung ein wenig klarer und aufgeräumter. Die Durchzeichnung des musikalischen Geschehens gelingt mit mehr Klarheit und Präzision: für die Investition von gerade einmal 19 Euro eine beeindruckende Verbesserung.

Auch die Vergrößerung bringt keine neuen Erkenntnisse: Hearing is believing
Auch die Vergrößerung bringt keine neuen Erkenntnisse: Hearing is believing

Erfreulicherweise lag der Lieferung von Aqvox noch ein zweites Sixpack LAN-Detoxer bei, so dass ich nun auch die vier LAN-Buchsen des Belkin-Routers, der in meinem Audio-Netzwerk nur als Empfänger für die Signale des iPads dient, mit den „Nubsis“ verschließen kann. Und auch diese vier Detoxer haben einen Effekt: Der Instrumente werden noch minimal größer, plastischer und griffiger wiedergegeben. Allerdings scheint der massiver Einsatz der Detoxer – vier im Switch, einer im Melco und vier im Router – die Balance auch ein wenig ins Helle zu verschieben. Was immer die Detoxer auch tun, hier erscheint es mir tonal eine wenig zu viel zu sein. Aber wie viele dieser kleinen Wunderdinger in Ihrer Kette sinnvoll sind, können Sie ja problemlos ausprobieren: Aqvox gewährt ja eine vierwöchige Umtauschgarantie.

STATEMENT

Trotz aller Skepsis: Auch die LAN-Detoxer haben einen gut nachvollziehbaren Effekt in meiner Kette. Der ist – besonders im Verhältnis zur dafür nötigen Investition – ausgesprochen positiv, solange man nicht übertreibt.
Gehört mit
Im Hörraum  
NAS Melco N1ZH/2, WDMyCloud
Streaming Bridge Auralic Aries Femto mit SBooster BOTW P&P Eco
D/A-Wandler Chord DAVE
Up-Sampler Chord Blu Mk II
Vorverstärker Einstein The Preamp
Endstufe Eintein The Poweramp, Ayon Epsilon
Lautsprecher Kaiser Acoustics Kawero! Classic
Kabel HMS Gran Finale Jubilee, Swiss Cables Reference Plus, Goebel High End Lacorde, Habst Ultra III, Audioquest Diamond und Carbon, Cardas Audio Clear Network
Zubehör PS Audio Power Regenerator P5, Sun Leiste, Audioplan Powerstar, HMS-Wandsteckdosen, Acapella Basen, Acoustic System Füße und Resonatoren, Artesania Audio Exoteryc, Harmonix Real Focus, Room Tuning Disks, Tuning Tips und TU-666M, Audio Exklusiv Silentplugs
Herstellerangaben
Aqvox LAN-Detoxer
Beschreibung Formatierte LAN/Ethernet/RJ45-Kappen zum Schutz von unbelegten LAN-Ports vor elektromagnetischen Einstreuungen (EMI) und Staub sowie zur Verbesserung der Ton- und Bildqualität
Preis 19 Euro pro Stück, 99 Euro für 6 Stück

Hersteller
AQVOX AUDIO DEVICES
Anschift Steilshooper Str. 118
22305 Hamburg (Barmbek)
E-Mail info@aqvox.de
Web www.aqvox.de

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Donnerstag, 07 September 2017 01:14

MQA künftig mit Deezer Streaming

Auf der IFA in Berlin kündigt das Musik-Technologieunternehmen MQA zahlreiche neue Partnerschaften an. MQA wird jetzt im neuen LG V30 integriert, dem weltweit ersten MQA-fähigen Smartphone. Die MQA-Musikwiedergabe wird auch auf den zwei neuesten Walkman-Modellen WM-ZX300 und WM-A40 von Sony verfügbar sein.

Von besonderer Bedeutung ist wohl die Ankündigung der künftigen Zusammenarbeit von MQA mit dem weltweit agierenden Streaming-Portal Deezer. Auf diese Weise soll MQA-Qualität für den Musik-Liebhaber noch leichter verfügbar sein. Die MQA-Technologie wird in Deezer integriert werden und ist somit künftig auch bei allen Deezer-Geräte-Partnern integriert. Mike Jbra, CEO bei MQA, verspricht sich von dieser Partnerschaft einen enormen Synergie-Effekt. Übr MQA haben wir bei Hifistatement mehrfach berichtet. Zwei Grundlagen-Beiträge finden Sie hier und hier. Inzwischen hat MQA erfolgreich vielseitige Anstrengungen zur weiteren Verbreitung unternommen.

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Das Streaming Portal Deezer analysiert mit dem Instrument Flow die Hörgewohnheiten des Kunden und offeriert automatisch entsprechendes Musik-Material. Deezer bietet für 19,99 Euro monatlich bislang nur Nutzern von Sonos Komponenten eine Übertragungs-Qualität auf CD-Niveau im Flac-Format. MQA benötigt trotz größeren Informations-Gehalts dank der raffinierten MQA-Verschachtelung auch nur diese Datenmenge. Inwieweit Deezer MQA auch Nutzern anderer Geräte zugänglich macht, wurde noch nicht genauer kommuniziert.

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Dienstag, 05 September 2017 08:31

Cayin CS-88A und CS-100CD

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Kein HiFi-Fan mit hoher Röhren-Affinität kommt mittlerweile mehr am chinesischen Hersteller Cayin vorbei, dessen Geräte im Laufe der Jahre qualitativ immer hochwertiger geworden sind. Jetzt wartet Cayin in der Oberklasse mit einer neuen Kombination aus Vollverstärker und CD-Spieler mit Röhren-Ausgangsstufe auf – mein Interesse ist geweckt!

Stellen Sie sich doch einmal vor, Sie wären Chef eines HiFi-Magazins. Und als solcher wüssten Sie einen neuen Redakteur in Ihren Reihen, dem Sie womöglich nicht die breite Palette aller heuer am Markt befindlichen Geräte zum Testen übertragen könnten, steht eben jener Schreiber doch im zweifelhaften Ruf, ein bornierter Trioden-Narr zu sein, zudem ein reiner „Analogie“, der alles Digitale mindestens kritisch beäugt, insgeheim womöglich sogar verächtlich betrachtet. Der darüber hinaus nur selbst gefrickelte Lautsprecher der Hochwirkungsgradfraktion in seinem Eigenheim duldet und Verstärkerleistungen im zweistelligen Wattbereich aus technischer Sicht als inflationären Wahnsinn erachtet. Was – bitteschön – wollten Sie mit so jemandem denn überhaupt anfangen?

Die KT88 tragen das Logo von Cayin, stammen aber wohl aus chinesischer Fertigung
Die KT88 tragen das Logo von Cayin, stammen aber wohl aus chinesischer Fertigung

Es war also durchaus ein Wagnis für Dirk Sommer, als er mich fragte, ob ich Interesse an einem Test der neuen Cayin-Kombi bestehend aus dem Röhrenvollverstärker CS-88A und dem CD-Spieler CS-100CD hätte, sollte man meinen. Aber weit gefehlt! Als mittlerweile sehr aufgeschlossener, weitläufig interessierter und – wieder – über den Tellerrand blickender HiFi-Enthusiast weckt zunächst einmal alles mein Interesse, was glimmende Glaskolben in sich trägt. Und das trifft im Falle des CD-Spielers Cayin CS-100CD ja sogar auf dessen Ausgangsstufe zu! Aber der Reihe nach.

Mit den von oben zugänglichen Potis zwischen Treiber- und Endröhren sowie dem schmucken Anzeigeninstrument läßt sich der Bias leicht einstellen
Mit den von oben zugänglichen Potis zwischen Treiber- und Endröhren sowie dem schmucken Anzeigeninstrument läßt sich der Bias leicht einstellen

Als der Liefertermin für die beiden Geräte mit dem überaus freundlichen deutschen Cayin-Vertrieb vereinbart war, galt es, die häusliche Anwesenheit zur Annahme der Pakete sicherzustellen, zu welcher sich meine bessere Hälfte bereit erklärte. Wie blauäugig von mir, sich darauf einzulassen... Mit freudiger Vorspannung zuhause angekommen, war mir nämlich der übliche Weg via Hauswirtschaftsraum durch ein aus zwei großen Kartons bestehendes Hindernis versperrt. Allenfalls die Hunde hätten sich daran vorbeizuwinden vermocht, da der Paketdienst offenbar nicht Willens war, die Packstücke weiter ins Hausinnere zu befördern. Und Frau physisch nicht in der Lage, die 32 respektive zwölf Kilogramm schweren, aufeinandergestapelten Blöcke zu bewegen – zumal der größere und schwerere der beiden sich praktischerweise obenauf befand. Über die entsprechenden unflätigen Unmutsbekundungen zu meiner Begrüßung möchte ich hier lieber den Mantel des Schweigens hüllen.


Die Schalter bestimmen, für welche Endröhre der Bias angezeigt wird
Die Schalter bestimmen, für welche Endröhre der Bias angezeigt wird

Sei's drum – dafür wurde das Auspacken zur großen Freude. Fangen wir mit dem Verstärker an: Nach dem Öffnen der Deckel der beiden ineinander verschachtelten Kartons entnahm ich die beiliegenden weißen Handschuhe, mithilfe derer mir dank genoppter Handinnenflächen das sichere Heraushieven des schweren Trumms mühelos gelang. Ein probates Hilfsmittel, das beileibe nicht alle Hersteller ihren Geräten in dieser Preisklasse beilegen. Bezöge sich das Preis-Leistungs-Verhältnis übrigens auf die reine Masse, wären wir bei einem Listenpreis von 3.400 Euro für den CS-88A mit circa 110 Euro pro Kilogramm Verstärkergewicht bereits deutlich auf der sicheren Seite. Will sagen: Masse steht zwar nicht zwingend für Klasse, aber an eine Mogelpackung mag ich schon jetzt nicht mehr glauben.

Der aktive Eingang und die Betriebsart der Endstufe – Ultra Linear oder Triode – wird per LED angezeigt
Der aktive Eingang und die Betriebsart der Endstufe – Ultra Linear oder Triode – wird per LED angezeigt

Die Chinesen der Zhuhai Spark Electronic Equipment Co., Ltd., zu der Cayin gehört, lassen haptisch nichts anbrennen. Der CS-88A überzeugt durch seine blitzsaubere Verarbeitung, stabile Bleche, eine dicke Frontplatte, hochanständige Anschlussbuchsen und ein motorgetriebenes ALPS-Potentiometer. Da wackelt nichts, da klappert nichts und das leichte Links-Rechts-Spiel der Bias-Kippschalter sowie die nicht auf den Millimeter genau ausgerichtete Abdeckhaube des rechten Ausgangsübertragers würden nur Erbsenzähler monieren. Die Cinchbuchsen sind sogar mit schützenden Kunststoffkappen versehen und die Abdeckhaube für das Röhrenensemble ist passgenau und komfortabel steckbar: Kein lästiges Rumschrauben nötig! Hier wird ganz offensichtlich auch auf die kleinen Details geachtet. Zum aufgerufenen Kurs des Verstärkers bekommt der Käufer viel mehr als ich für diesen Preis erwarten würde und mir dünkt, dass ein qualitativ gleichwertig gefertigtes europäisches Gerät ein weitaus ambitionierteres Preisschild trüge, so ehrlich muss man einfach sein.

Dieser Schalter ermöglicht es, statt KT88 auch EL34 als Endröhren zu verwenden
Dieser Schalter ermöglicht es, statt KT88 auch EL34 als Endröhren zu verwenden


Auch unter dem entfernten Bodenblech setzt sich der bis dato sehr gute Eindruck fort: Der Verstärker ist frei verdrahtet und nutzt bauteilabhängig lediglich wenige Hilfsplatinen. Die teildiskret aufgebaute Phonosektion mit ihren beiden Operationsverstärkern ist durch ein separates Blechgehäuse abgeschirmt und befindet sich so weit wie möglich entfernt vom streuenden Netzteil. Dank separatem Trafo-Abgriff verfügt sie über eine eigene Spannungsversorgung. Auch wenn die Phono-MM-Sektion ohne Röhren auskommen muss, wird erkennbar, dass hier ein hoher Aufwand betrieben wurde – man sollte sich also davor hüten, diese voreilig als Alibi-Feature abzutun.

Neben den Phono- und Line-Eingängen verfügt der Vollverstärker noch über einen direkten Endstufeneingang zum Betrieb mit einem separaten Vorverstärker. In dieser Betriebsart wird das Lautstärkepoti per Relais umgangen und die Eingangsempfindlichkeit fällt gegenüber den Line-Eingängen ab: Circa 1.000 Millivolt werden für Vollaussteuerung benötigt. Ein praxistauglicher Wert, den jede gute Vorstufe einerseits aus dem Ärmel schüttelt, dem Vorverstärker andererseits aber genügend Potispiel im unteren Regelbereich lässt, ohne dass es dem Hörer auf „9 Uhr“ gleich die Ohren wegbläst – auch wenn der Wirkungsgrad der verbandelten Lautsprecher hier natürlich ebenfalls ein gehöriges Wörtchen mitzureden hat.

Die Abdeckung nimmt dem CS-88A einen Großteil seiner Attraktivität, darf aber im Lieferumfang nicht fehlen
Die Abdeckung nimmt dem CS-88A einen Großteil seiner Attraktivität, darf aber im Lieferumfang nicht fehlen

Die Schaltung des CS-88A würde ich als „klassisch“ bezeichnen mit einer 6SL7 Doppeltriode als Eingangsstufe und einer 6SN7 Doppeltriode als Treiber für die KT88 Beam-Power-Tetrode. Letztere erblickte erstmals 1956 das Licht der Welt und wurde von der General Electric Company (G.E.C.) entwickelt. Ein solches gematchtes Quartett von G.E.C. in New Old Stock Qualität aufzuspüren dürfte sich meines Erachtens als fast hoffnungsloses respektive außerordentlich kostspieliges Unterfangen erweisen – mitgeliefert werden freilich mit Cayin-Logo versehene Nachbauten, von denen ich mutmaße, dass sie vom chinesischen Hersteller Shuguang stammen. Die KT88 kommt hier in Push-Pull-Anordnung zum Einsatz und ist mit ihrer Anodenverlustleistung von 42 Watt in dieser Schaltung für 48 Watt Ausgangsleistung im Ultralinearbetrieb beziehungsweise für 27 Watt Ausgangsleistung im Pseudo-Triodenbetrieb gut. Mithilfe der Fernbedienung lässt sich bequem zwischen beiden Betriebsarten wechseln. Ein sehr schönes Gimmick stellt die Möglichkeit dar, statt der KT88 auch eine EL34 in die Sockel stöpseln zu können. Auf der Geräterückseite müssen dazu lediglich ein entsprechender Schalter verschoben und die BIAS-Anpassung respektive die Anpassung der Gittervorspannung vorgenommen werden – dank der Wippschalter auf der Front, der gut zugänglichen Trimmpotis und dem BIAS-Anzeigeinstrument auf dem Chassis ein Kinderspiel. Lautsprecherseitig gibt es Übertragerabgriffe für vier und acht Ohm – hier hätte ich mir persönlich die Wahlmöglichkeit zwischen acht und 16 Ohm gewünscht, obwohl vier Ohm Impedanz natürlich „massenmarktaffiner“ sind als 16 Ohm.

Die Ausgangsübertrager besitzen Wicklungen für Lautsprecher mit einer Nennimpedanz von 4 und 8 Ohm
Die Ausgangsübertrager besitzen Wicklungen für Lautsprecher mit einer Nennimpedanz von 4 und 8 Ohm


Da war doch noch was... richtig – der zweite Karton wartet ebenfalls darauf, geöffnet zu werden! Mit zwölf Kilogramm bringt der Cayin CS-100CD für einen CD-Spieler ebenfalls ein feistes Kampfgewicht auf die Waage. Auch verarbeitungsseitig besticht der Digitalspieler mit einer superben, mechanisch hochwertigen Verarbeitung, was auch selbstverständlich sein sollte bei den 2.800 Euro, die für dieses Gerät aufgerufen werden. Die mitgelieferte Systemfernbedienung kann übrigens die Bedienung des Vollverstärkers gleich mit übernehmen. Die eigentliche Abspieleinheit sowie die Digitalsektion des CS-100CD lassen sich separat nutzen: Anschlussoptionen für Computer, einen externen DAC oder andere CD-Spieler setzen dem Spieltrieb des Besitzers kaum Grenzen. Das profane Abspielen von Silberscheiben ist natürlich ebenfalls möglich und mehr werde ich dem Gerät auch nicht abverlangen, insofern hake ich die diversen Ausstattungsmerkmale für mich als „zukunftssicher“ ab. Der guten Ordnung halber möchte ich allen Digital-Maniacs da draußen nicht vorenthalten, dass im Inneren der Digitalsektion zwei PCM1792A-DAC-Chips von Texas Instruments werkeln, was ich persönlich bar fundierten Hintergrundwissens achselzuckend zur Kenntnis nehme. Viel interessanter finde ich hingegen die mit vier Röhren des Typs 6922 von Amperex bestückte Ausgangsstufe des Digitalspielers, auch bekannt unter den Typbezeichnungen E88CC oder 6DJ8 – eine übrigens häufig auch in Phonosektionen eingesetzte, weit verbreitete und auch in New-Old-Stock-Qualität gut beschaffbare Doppeltriode.

Freiverdrahtung ist hier das Mittel der Wahl, es finden sich aber auch einige Hilfsplatinen
Freiverdrahtung ist hier das Mittel der Wahl, es finden sich aber auch einige Hilfsplatinen

Nach dem Warmlaufen durften die Probanden dann endlich ihr Können „auf dem Platz“ unter Beweis stellen und ich verband den Verstärker im Laufe diverser Hörsessions immer wieder mit unterschiedlichen DIY-Lautsprechern, deren Wirkungsgrade sich in der Spanne zwischen 92 und 96 Dezibel pro Watt und Meter bewegen. Vollbereichsbreitbänder als Open Baffle, als Transmissionline, als Backloaded-Horn oder in einem TQWT-Gehäuse – alles war dabei, meistens übrigens völlig ohne Korrektur- beziehungsweise Filternetzwerk. Genereller Eindruck mit diesen Spielpartnern: Der Pseudotriodenmodus gefiel mir ausnahmslos besser, und zwar unabhängig von der zuspielenden Quelle. Wohingegen der Ultralinearmodus durch seine bisweilen urbändige Kraft und seine vordergründige Wucht im Tiefton bestach, überzeugte mich der von hoher Transparenz und besserer Durchhörbarkeit gekennzeichnete Grundcharakter der „Triode“ – fortan hörte ich also ausschließlich in dieser Betriebsart.

Auch die Qualität der Bauteile im CS-88A kann völlig überzeugen
Auch die Qualität der Bauteile im CS-88A kann völlig überzeugen

Zunächst kam Vinyl auf den Drehteller und schnell wurde klar: Die Phonosektion des CS-88A hat richtig Klasse! Die Stimme von Nanna Bryndis Hilmarsdottir beispielsweise, Sängerin der isländischen Band Of Monsters and Men, droht im Grenzbereich häufig zu „kippen“ und wirkt kurzzeitig zerbrechlich – tatsächlich fällt sie sozusagen aber nie in den Abgrund, sondern besticht in solch grenzwertigen Augenblicken durch unerwartet kräftigen Durchzug. Genau diese subtile Spannung in ihrer Stimme macht einen Großteil der Faszination ihres Gesangs aus zum Beispiel in „I Of The Storm“ vom 2015er-Album Beneath the Skin. Diese feinsten Nuancen herauszuarbeiten und erlebbar zu machen, gelingt nur guten Phonostufen – so auch dem Cayin CS-88A. Chapeau! Auch in den Standarddisziplinen Bandbreite, Raum oder Ausgewogenheit macht das Phonoabteil einfach keine Fehler. Gleichwohl fiel es mir schwer, diese „Teststandards“ gehörmäßig abzuarbeiten: Es macht einfach Spaß, Vinyl mit dem Cayin CS-88A zu hören und die Aufmerksamkeit wird direkt auf die Musik gelenkt. Erst meine externe Phonstufe EAR Yoshino 834P vermochte der transistorisierten On-Board-Sektion des Cayin mit mehr Schwärze, mehr Raum und subtileren Farbnuancen Paroli zu bieten. Gleichwohl kein Beinbruch – die Phonstufe des Cayin CS-88A ist absolut gesehen hochmusikalisch.


Die schlichte Front des CS-100CD mit den nötigsten Bedienungselementen lässt nicht vermuten, dass er auch als reiner Wandler eingesetzt werden kann
Die schlichte Front des CS-100CD mit den nötigsten Bedienungselementen lässt nicht vermuten, dass er auch als reiner Wandler eingesetzt werden kann

Jetzt durfte auch endlich der CD-Spieler Cayin CS-100CD loslegen und wurde von mir mit diversen Rock-, Punkrock- und Alternative-Silberscheiben gefüttert – zumindest mit denen, die ich noch habe. AC/DC, Guns N'Roses, Ramones, Rolling Stones... so ziemlich alles, was mir aus den seligen Zeiten einstiger Adoleszenz in die Hände fiel, fand seinen Weg in den Schlund der Schublade. Fast schien der Cayin-Digitalspieler mich gierig zu beäugen, als fordere er mich auf, ihm noch mehr dieses leckeren silbernen Zeugs zu besorgen, welches von mir bereits vor gefühlten Äonen aussortiert und auf den Dachboden gebracht wurde, dabei Glück hatte, als anachronistisches Sinnbild überholter Technik damals nicht gleich im Müll gelandet zu sein.

Der CS-100CD verfügt über symmetrische Ausgänge und eine Vielzahl von digitalen Eingängen. Sogar ein USB-Anschluss steht zur Verfügung
Der CS-100CD verfügt über symmetrische Ausgänge und eine Vielzahl von digitalen Eingängen. Sogar ein USB-Anschluss steht zur Verfügung

Ich räume ganz unumwunden ein, dass ich kaum für möglich gehalten hätte, dass ein CD-Spieler dermaßen viel Spaß machen kann. Scheinbar hat sich in der Digitaltechnik in der letzten Dekade doch einiges getan – oder ist es womöglich doch die „röhrige“ Ausgangsstufe, die hier ihre Finger im Spiel hat...?! Egal! Druck, Farbe, Wucht, scheinbar mit feinstofflicher Energie aufgeladene einzelne Töne, Rhythmus, ein schwer zu beschreibender „Nach-Vorne-Drang“ – das ist es, was diese Komponente am ehesten charakterisiert. Sie marschiert! Subjektiv gefiel mir die Kombination der beiden Cayins CS-88A und CS-100CD besser als die Kombi Cayin CS-88A mit meinem Funk Firm Vector III via On-Board-Phonosektion des Cayin – womöglich ein Indiz dafür, dass beide Cayin-Geräte füreinander geschaffen beziehungsweise aufeinander abgestimmt wurden.

Zwei Netztrafos und sogar im Netzteil eine Röhre: Schön, dass der große Aufwand im Klang seine Entsprechung findet
Zwei Netztrafos und sogar im Netzteil eine Röhre: Schön, dass der große Aufwand im Klang seine Entsprechung findet


Das Los eines Testers ist es, die vom jeweiligen Vertrieb zur Verfügung gestellten Geräte irgendwann wieder zurückschicken zu müssen. Oft fällt es mir gar nicht so schwer, sie wieder herzugeben, fehlt doch häufig ein faszinierendes Momentum. Diese beiden Cayins hingegen hätte ich noch gerne länger behalten. Insbesondere einer Digitalkomponente kann ich kein größeres Lob aussprechen.

Die vier Röhren der symmetrischen Ausgangsstufe
Die vier Röhren der symmetrischen Ausgangsstufe

STATEMENT

Seit eineinhalb Dekaden besitze ich zwar immer noch viele Compact Discs, ob der vermeintlichen Überlegenheit der Analogtechnik jedoch keinen CD-Spieler mehr. Der Cayin CS-100CD hat mir hinsichtlich der Ebenbürtigkeit moderner Digitalgeräte allerdings die Augen geöffnet und lässt mich ernsthaft die Anschaffung dieses Gerätes in Erwägung ziehen. Mit dem Vollverstärker CS-88A hat Cayin einen rundum gelungenen Allround-Vollverstärker ohne Effekt haschende Allüren, dafür mit richtig gutem Phonoteil geschaffen. Für manch einen könnte dieses Gerät nicht zuletzt dank seiner Flexibilität das Ende einer langen Suche darstellen.

Die Wandler-Chips stammen von Burr Brown
Die Wandler-Chips stammen von Burr Brown

Gehört mit
Plattenspieler Funk Firm Vector III
Tonabnehmer Ortofon OM40 Super
Phono-Vorstufe EAR Yoshino 834P
Lautsprecher Diverse DIY Vollbereichsbreitbänder: Open Baffle (Ciare CH250), Transmissionline (Seas FA22RCZ & Seas Exotic F8), Tapered Quarter Wave Tube (Tang Band W8-1772), Backloaded Horn (Fostex FE206En)
Zubehör Reson LSC Lautsprecherkabel, Albedo Phono NF-Kabel, StraightWire Symphony II NF-Kabel, Niagara 1000 Netzleiste
Möbel DIY
Herstellerangaben
Cayin CS-88A
Geräteart Vollverstärker mit MM-Phonoeingang
Frequenzbereich 10Hz bis 42kHz (-3dB)
Klirrfaktor (THD) 1% (1kHz)
Fremdspannungsabstand 93 dB
Eingänge 1 x Phono MM, 2 x Line, 1 x Pre-In
Eingangsimpedanz 100kOhm
Eingangsempfindlichkeit 300mV RMS Line-Eingang, 1000mV RMS Pre-In

Phono
 
Eingangsempfindlichkeit 3mV
Eingansimpedanz 47kΩ
RIAA-Abweichung Weniger als ±0.25dB
Röhrenbestückung 2 x 6SL7 2 x 6SN7, 4 x KT88
Ausstattung Fernbedienung, Integriertes Biasmessinstrument
Schaltung Class A/B
Gehäusefarbe Schwarz
Frontblende Silber oder Schwarz
Lautsprecher-Impedanzabgriffe 4 Ohm, 8 Ohm
Ausgangsleistung (RMS) an 4 und 8 Ohm 27W+27W Triode, 48W + 48W Ultralinear
Maximale Leistungsaufnahme 280VA
Preis 3400 Euro
Herstellerangaben
Cayin CS-100CD
Ausgangsspannung 23V±2dB
Frequenzbereich 20Hz-20kHz ± 0,5dB
THD ≤-60dB
Fremdspannungsabstand >100dB
Dynamikbereich >110dB
Kanaltrennung (1kHz) <-80dB
Röhrenbestückung 6922 x 4
Digitalausgang Optisch x 1, Koaxial x 1, AES/EBU x 1
Digitalausgang IEC958 Standard
USB Audio Eingang Kompatibel mit Audio Class 1.0 and Audio Class 2.0.; Unterstützt Windows XP®,Windows Vista®,Windows 7® Windows 8®, Windows 10®  und Mac OS (10.6.3 und höher)
Optischer Eingang 16/24-bit 44,1-192kHz
Koaxial Eingang 0,5V @75Ω, 16/24-bit 44,1-192kHz
Maße (B/H/T) 420/392/126mm
Leistungsaufnahme 40W
Gewicht 12kg
Ausstattung Systemfernbedienung kompatibel mit Cayin CS-55A, CS-88A und CS-100A Vollverstärker
Preis 2800 Euro

Hersteller
Cayin Audio Distribution GmbH
Anschrift An der Kreuzheck 8
61479 Glashütten-Schloßborn
Telefon +49 6174 9554412
Fax +49 6174 9554424
E-Mail info@cayin.com
Web www.cayin.de

Weitere Informationen

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